Revierderby ohne Zuschauer: Fans in Stadtlohn und Asbeck reagieren zwiegespalten

mlzFußball

Seit heute herrscht Gewissheit: Das Revierderby am Samstag in Dortmund wird ein „Geisterspiel“. Wir haben BVB-Fans aus Stadtlohn und Schalke-Anhänger aus Asbeck gefragt, wie sie damit umgehen.

Kreis

, 10.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Irgendwo zwischen „absolut nachvollziehbar“ und „völlig überzogen“ ordnen die BVB-Fans in Stadtlohn und Umgebung den Ausschluss der Fans beim Revierderby am Samstag ein, wie Lee Roy Klein erklärt. Er ist Geschäftsführer beim „BVB Fanclub Stadtlohn“ mit rund 140 Mitgliedern. Und er hat seit Dienstagmittag, als das „Geisterspiel“ im Signal Iduna Park Gewissheit wurde, einiges zu organisieren.

Der Plan sah vor, dass die Stadtlohner Fans gemeinsam mit dem BVB-Fanclub aus Vreden und den Westmünsterland Borussen am Samstag gemeinsam mit dem Bus ins Stadion fahren. Insgesamt um die 60 Personen. „Den Bus haben wir sofort abbestellt. Jetzt geht es darum, allen Bescheid zu sagen, die mitwollten. Wobei sich die Info in Fankreisen natürlich rasend schnell verbreitet hat“, erklärt Klein.

Borussia will Geld zurückzahlen

Borussia Dortmund habe seine Anhänger, zum Beispiel über die App, sehr schnell über die Lage und das weitere Vorgehen informiert, wie der Stadtlohner sagt. „Es ist jetzt so, dass die Inhaber einer Tageskarte ihr Geld sofort zurücküberwiesen bekommen sollen. Bei den Dauerkarten soll erst abgewartet werden, wie es in den nächsten Wochen weitergeht, ob weitere Spiele ohne Fans stattfinden, damit nicht Tausende einzelne Überweisungen getätigt müssen.“

Auch die Schalkefans aus Asbeck wie Robin Kersting (4.v.r.) müssen sich das Derby im Fernsehen anschauen.

Auch die Schalkefans aus Asbeck wie Robin Kersting (4.v.r.) müssen sich das Derby im Fernsehen anschauen. © privat

Die Reaktion seiner Mitstreiter sei zwiegespalten ausgefallen. „Irgendwo ist es nachvollziehbar, dass man versucht, die Verbreitung des Coronavirus in irgendeiner Form einzudämmen, damit es hier nicht so schlimm wird, wie zum Beispiel in Italien“, sagt Lee Roy Klein. „Ich persönlich finde schon, dass das Thema sehr hochgepusht wird und habe auch keine Angst, mich im Stadion anzustecken. Bei Leuten mit einer Vorerkrankung sieht es natürlich anders aus.“

In die gleiche Kerbe schlägt Robin Kersting, Pressewart beim Schalker Fanclub „Asbeck auf Schalke“. Er und ein paar seiner Vereinskameraden haben Karten für das Derby, die nun nichts mehr wert sind. „Grundsätzlich habe ich wenig Verständnis für die Entscheidung, dass gar keine Fans kommen dürfen. Klar besteht bei 80.000 Menschen eine gewisse Gefahr, aber ich finde, es sollte jedem selbst überlassen werden, ob er hingehen möchte oder nicht.“

Generell sieht Kersting, selbst als Fußballer beim SV Heek aktiv, „chaotische Wochen“ auf den Profifußball zukommen. „Wenn man das jetzt konsequent durchziehen würde, dürften ja bis Saisonende überhaupt keine Zuschauer mehr in die Stadien kommen. Das wäre natürlich für alle Seiten sehr bitter, weil dadurch auch die Emotionen rausgenommen würden.“

„Die Fans werden ganz genau hingucken“

Wie es in den nächsten Wochen weitergeht, darauf ist auch Lee Roy Klein gespannt. „Die Fans werden gerade nach den Vorfällen der vergangenen Wochen jetzt ganz genau hingucken, wie DFL und DFB reagieren. Die müssen in Sachen Geisterspiele ein gesundes Maß finden und alle Vereine gleich behandeln. Aber ich denke, dass es im Moment ganz schwer zu sagen ist, was das Richtige ist.“

Für beide Fanlager stellt sich kurzfristig erst einmal die Frage, wo das Derby am Samstag geschaut wird. „Ich hoffe, in Stadtlohn findet sich eine Kneipe, die nur das Derby und nicht die Konferenz zeigt“, so Lee Roy Klein. Wann dann er nächste Stadionbesuch möglich ist, bleibt abzuwarten.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt