2019 soll sein letztes Rennen in Stadtlohn sein. Die Aussage, die Ralf Wienand vom RSC trifft, ist wohl überlegt, so wenig man sich die lokale Radszene ohne das Urgestein auch vorstellen mag

Stadtlohn

, 22.06.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gemeinsam mit Ehefrau Susanne hat der bald 50-Jährige diese Entscheidung getroffen. „Eine Entscheidung der Vernunft“, wie der Radsportler berichtet. Und schiebt nach: „Nach gut 30 Jahren muss es auch mal gut gewesen sein.“ In Zukunft wolle er „andere Prioritäten setzen“ – das Rad werde er natürlich nicht komplett in die Ecke stellen. Dafür sind der Stadtlohner und seine Frau auch zu eng damit verbunden.

Ralf Wienand hat sicher nicht nur die jüngere Geschichte im RSC Stadtlohn mit geprägt. Er war Anfang der 90er-Jahre schon Gründungsmitglied der Triathlonabteilung im SuS Stadtlohn, ebenso Schwimmer. Spezialisiert hat er sich dann aufs Rad – mit vielen bleibenden Erinnerungen. Hängengeblieben sind bei ihm viele Erfolge und gute Platzierungen, aber nicht nur die. Ein dritter Platz im Dernyrennen beim Stadtlohner Kriterium war schon etwas Besonderes. Zwei Jahre später stürzte Wienand im Hauptrennen. „Da hab ich mich unter Schmerzen in die Spitzengruppe mit Marcel Sieberg geklemmt, um mich zu entrunden. Wahnsinn!“ Einen Sieg konnte Wienand gar auf der Düsseldorfer „Kö“ einfahren.

Vom Helfer zum Kapitän

Im Seniorenalter schloss er sich dann auch Mannschaften an, um an Jedermann-Rennserien teilzunehmen. Auch das führte zu besonderen Momenten. „Bei einem Rennen in Bellheim war ich in derart starker Form, dass ich zum Kapitän ernannt wurde. Alle fuhren für mich – und dabei bin ich ja eigentlich der Helfer.“ Die Spezialität des „Kilometerfressers“ ist es eben, für andere Sprintasse anzufahren. Unter anderem einst für den Sprinterkönig Rainer Beckers, für den er einmal einen Sprint in Hamburg derart beeindruckend vorbereitete, dass selbst die namhafte Konkurrenz staunte. Ein „geiles Gefühl“.

Aktuell ist der Stadtlohner erfolgreich unterwegs im German Cycling Cup, einer deutschlandweit ausgetragenen Jedermannrennserie für ambitionierte Radsportler. Und das sehr erfolgreich. Mit dem Leeze Team by tinteistbesser.de aus Havixbeck ist Wienand Titelverteidiger – im Vorjahr gab es ein Herzschlagfinale mit hauchdünnem Vorsprung. Und auch in der laufenden Serie sieht es gut aus. „Im Team sind wir wieder vorne, in der Einzelwertung auf zwei und drei“, so Wienand. Sechs Veranstaltungen stehen noch aus – unter anderem eine weitere auf dem Nürburgring; dort, wo es im Mai bereits bei strömendem Regen in die „Grüne Hölle“ ging. Auch geht es noch zum Riderman im Schwarzwald mit „Hammerbergen“. Der krönende Abschluss soll dann in Münster bei der Zielankunft des Giros erfolgen. Auf Platz zwei in der Einzelwertung liegt aktuell mit Moritz Stähle übrigens ein RSC- und Leeze Team-Mannschaftskamerad, der eine enorme Entwicklung durchmacht.

„Die Wochenenden sind weg“

„Das ist schon viel Aufwand, die Wochenenden sind weg. Unser Vorteil ist, dass meine Frau ‚Frau für alles‘ im Team und gleichzeitig Wettkampf-Kommissärin ist.“ Dass er zum Abschluss der Rennkarriere eine derart tolle Mannschaft gefunden habe, mache die Sache rund. „Die Jungs kommen alle aus dem Münsterland und Niedersachsen. Wenn ich überlege, dass ein Daniel Westmattelmann, der einst ein ambitionierter deutscher Straßenfahrer war, heute Doktor an der Uni Münster ist und sich trotzdem die Zeit für die Rennen mit uns nimmt, dann sagt das schon viel aus“, so Wienand.

Selbst in der Masters-Klasse für Senioren ab 30 Jahren, in der er sich mit vielen ehemaligen Mitstreitern aus der Junioren- und Amateurzeit messen kann, habe er noch viel gelernt. Und so ist es ihm ein besonderes Anliegen, auch „auf einem guten Niveau aufzuhören“. Neben den Rennen um den German Cycling Cup geht es nun weiter unter anderem nach Bocholt (Rund um den Gaskessel) und eben zum Nachtuhlenrennen in der Heimat. „Ein letztes Mal“, betont er noch einmal.

Besondere Erinnerungen

Ans Nachtuhlenrennen hegt er besondere Erinnerungen. Im Lauf seiner langen Karriere ist er in Stadtlohn mehrfach im Amateurrennen und auch einige Male im Eliterennen gestartet, dort, wo „auf der gesamten Strecke gesprintet wird“. In diesem Jahr wird er allerdings mit seinen Teamkollegen in der Seniorenklasse an den Start gehen.

Dennoch ist Ralf Wienand sicher, dass der RSC Stadtlohn in diesem Jahr mit Moritz Stähle und Paul Sicking auch im Rennen der Amateure bestens vertreten sein wird. „Der Moritz hat eine bestechende Form und in diesem Jahr bereits mehrere Rennen gewinnen können.“ Und Paul Sicking sei schon aufgrund seiner Erfahrung hoch einzuschätzen. Schließlich habe er sein Können in Stadtlohn mit seinen Siegen im Amateurrennen gleich mehrfach unter Beweis gestellt.

Lesen Sie jetzt