Veilchen für den Weltmeister

Jiu-Jitsu in Stadtlohn

STADTLOHN Das "Veilchen" unter dem rechten Auge und ein angeknackster Zeh zeigen Hans-Werner Höing, dass die nationale Konkurrenz auf Tuchfühlung dem Weltmeister gehen wollte: Der 35-jährige Stadtlohner Jiu-Jitsu-Kampfsportler hat am Wochenende nach der Weltmeisterkrone nun auch die Deutsche Meisterschaft gewonnen.

von Von Bernhard Mathmann

, 28.10.2009, 12:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hans-Werner Höing (l.) ist Jiu-Jitsu-Weltmeister und Deutscher Meister; trainert wird der Stadtlohner von Serkis Gülbers.

Hans-Werner Höing (l.) ist Jiu-Jitsu-Weltmeister und Deutscher Meister; trainert wird der Stadtlohner von Serkis Gülbers.

"Im vorletzten Kampf gegen einen Magdeburger Konkurrenten ging es schon ordentlich zur Sache", berichtet Höing. In dem Drei-Minuten-Kampf hätten sich beide Titelanwärter nichts geschenkt: In der Semi-Kontakt-Auseinandersetzung sollte ein minimaler Punkte-Vorsprung den Ausschlag zugunsten des Stadtlohners geben.

"Ein blaues Auge ist in unserem Sport eher selten, da die Schläge und Tritte nicht wie in den Voll-Kontakt-Sportarten durchgezogen werden. Kleinere Blessuren aber kommen immer mal wieder vor", schmunzelt der DJK-Kämpfer, der bereits als 13-Jähriger an der Owweringschule den ersten Kontakt zur fernöstlichen Kampfsportvariante gefunden hatte.

Fünf Siege standen nach den fünf Kämpfen in Stendal bei Magdeburg am Wochenende zu Buche: Nach dem ersten Titelgewinn Ende der 90er Jahre steht Höing wieder an der nationalen Spitze.

Im belgischen Antwerpen hatte er eine Woche zuvor bei der Weltmeisterschaft der IMAF (International Martial Arts Federation) alle Konkurrenten hinter sich gelassen und seinen Titelgewinn aus dem Jahr 2007 in Emden erfolgreich verteidigt. Bei der Zwei-Tages-Veranstaltung kristallisierte sich schnell Höings Favoritenstellung heraus: Im Halbfinale aber war ein harter Kampf nötig, um einen belgischen Kontrahenten zu besiegen. Im Finale gegen einen polnischen Kämpfer siegte Hans-Werner Höing dann souverän.

Noch bevor der Stadtlohner, für das Turnier bestens vorbereitet durch seinen langjährigen Trainer und Trainingspartner Serkis Gülbers (51) aus Vreden, in der traditionellen Jiu-Jitsu-Variante nach dem Weltmeistertitel gegriffen hatte, stellte er sich in der modifizierten Kampfform "Mixed Ju-Jutsu" der Konkurrenz: Nach jeweils einer Minute Karate, einer Minute Judo (Standrandori) und einer Minute Bodenkampf zog er von einer Runde in die nächste ein - am Ende stand dort die Bronzemedaille zu Buche.

"Diese Kampfform sagt mir nicht so zu. Ich bleibe beim traditionellen Jiu-Jitsu-Wettkampf", erklärt Höing. Ob er allerdings bereits Mitte Dezember in Kiew/Ukraine an einem international bedeutenden Turnier seine weltmeisterlichen Qualitäten auf die Matte bringen kann, weiß er noch nicht: "Noch sind die finanziellen Fragen nicht beantwortet. Die Reise- und Unterkunftskosten muss ich ja selbst tragen."

bernhard.mathmann@muensterlandzeitung.de

Jiu Jitsu („Die sanfte/nachgebende Kunst“) ist eine von den japanischen Samurai stammende Kampfkunst der waffenlosen Selbstverteidigung. Jiu Jitsu bietet ein breites Spektrum von Möglichkeiten zur Selbstverteidigung und zur friedlichen Lösung von Konflikten. Jiu Jitsu wurde von Samurai praktiziert, um bei einem Verlust oder Verbot der Hauptwaffen (Schwert, Speer, Schwertlanze, Bogen, etc.) waffenlos oder mit Zweitwaffen weiterkämpfen zu können. Ein übergeordnetes Ziel im Jiu Jitsu ist es, einen Angreifer – ungeachtet dessen, ob er bewaffnet ist oder nicht – möglichst effizient unschädlich zu machen. Dies kann durch Schlag-, Tritt-, Stoß-, Wurf-, Hebel- und Würgetechniken geschehen. Dabei soll beim Jiu Jitsu nicht Kraft gegen Kraft aufgewendet werden, sondern – nach dem Prinzip „Siegen durch Nachgeben“ – soviel wie möglich der Kraft des Angreifers gegen ihn selbst verwendet werden.

Hans-Werner Höing, 1974 in Stadtlohn geboren, gelernter Landmaschinenmechaniker und Schweißer; verheiratet, zwei Kinder. 1987: erster Kontakt zum Jiu-Jitsu an der Owweringschule. 1990: Training bei TV Vreden. 1993: erste Prüfung zum 5. Kyo. 1994: Platz 4 bei der Bezirksmeisterschaft. 1996: Deutscher Vizemeister. 1999: mit zwei Kollegen Gründung der Jiu-Jitsu-Abteilung bei der DJK Stadtlohn. 2005: Träger des 4. DAN; Abteilungsleiter und Zusammenarbeit mit Trainer Serkis Gülbers. Bronzemedaille bei der EM der IMAF. 2007: DM-Silbermedaille im Kickboxen; Weltmeister in Emden; Platz vier bei den World Gares in Regensburg (WM aller Weltverbände). 2008: Knie-OP; Sieg bei den B-A-E-Open Bremerhaven. 2009: Platz zwei bei den German Open und bei der Landesmeisterschaft. Europameister in Emden, Weltmeister in Antwerpen, Deutscher Meister in Stendal. 

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