Von Freude bis Wut: So reagieren Vereine auf die Aufstiegsregelung

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Keine Absteiger, dafür mehr Aufsteiger als erwartet. Die vorgeschlagene Regelung stößt bei vielen Klubs im Altkreis Ahaus auf Zustimmung. Aber eben nicht bei allen.

Kreis

, 06.05.2020, 18:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein wenig überraschend kam sie schon daher, die geplante Aufstiegsregelung, die der westfälische Verband am Mittwoch veröffentlicht hat. Wie zu erwarten gibt es in allen Ligen keine Absteiger, dafür dürfen aber sowohl die aktuellen Tabellenführer (jeweils anhand der Quotientenregel) als auch die Spitzenreiter der Hinrundentabelle aufsteigen. Wir haben uns im Altkreis Ahaus umgehört, was die Verantwortlichen davon halten.

Die SpVgg Vreden darf nach der Aufstiegsregelung in der kommenden Saison erstmals in ihrer Geschichte in der Oberliga antreten. Der Vereinsvorsitzende Christoph Kondring ist entsprechend zufrieden mit der FLVW-Entscheidung: „Wir sind Herbstmeister und stehen aktuell auf Platz eins. Es hätte nicht sein dürfen, dass wir nicht aufsteigen. Natürlich wäre es schöner gewesen, wenn die Mannschaft diesen Erfolg auf dem Platz hätte feiern können, aber auch so freuen wir uns alle für die Jungs.“ Neben der Ersten steigen auch die Frauen und die dritte Mannschaft auf.

Mario Worms (r.) und Trainer Rob Reekers werden die SpVgg Vreden wohl als Aufsteiger verlassen.

Mario Worms (r.) und Trainer Rob Reekers werden die SpVgg Vreden wohl als Aufsteiger verlassen. © Sascha Keirat

Auch für die Arbeit im gesamten Verein sei der Aufstieg ein verdienter Lohn, sagt Kondring, der seit 2004 Vorsitzender ist. „Natürlich gilt mein Dank auch meinen Mitstreitern und unseren Vorgängern im Vorstand, die den Grundstein für diesen Erfolg gelegt haben. Wir werden auch in Zukunft auf unsere Eigengewächse setzen, schon jetzt machen sie ja den größten Teil des Kaders aus.“

Beim Vredener Nachbarn SuS Stadtlohn herrscht eine ganz andere Stimmungslage. Der SuS erhält als Tabellenzweiter nach Angaben des FLVW keine Chance, in die Landesliga zurückzukehren, zählt also zu den Verlierern der Regelung. „Ich bin ja eigentlich ein besonnener und sachlicher Mensch, doch dieser Beschluss macht mich wütend – nicht nur aus persönlicher Betroffenheit“, so Geschäftsführer Michael Schley.

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„Wir gönnen allen Aufsteigern den verdienten Aufstieg und allen potenziellen Absteigern den Klassenerhalt. Der Beschluss hinkt aber im Sinne von Gleichbehandlung und Verhältnismäßigkeit.“ Damit spielt Schley auch darauf an, dass in manchen Ligen Klubs ohne einen einzigen Saisonsieg die Klasse halten, während Mannschaften wie der SuS, der nur drei Punkte hinter Platz eins liegt, „mehr verdient gehabt hätten“.

Gut mit der geplanten Regelung leben kann hingegen der SV Heek, der als A-Liga-Spitzenreiter für die Bezirksliga planen darf. Der Vorsitzende Andreas Oellerich möchte den Erfolg allerdings nicht zu euphorisch feiern. „Wir haben ja als einer der wenigen Vereine für eine sportliche Lösung, also die Fortsetzung der Saison, gestimmt. Aber wenn es jetzt am Grünen Tisch so entschieden wird, sage ich auch, dass unsere Mannschaft sich den Aufstieg mit 15 Siegen aus 19 Spielen verdient hat.“

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Auf den Aufstieg hatte bis zuletzt auch der ASV Ellewick gehofft, der zumindest nach der Hinrunde punktgleich mit den Heekern gewesen war, aber ein schlechteres Torverhältnis aufwies. Abteilungsleiter Michael Beuting sagt: „Ich bin da etwas gespalten. Auf der einen Seite gönnen wir den Heekern den Aufstieg, auf der anderen Seite hätten wir gern eine sportliche Lösung gehabt und uns im Rückspiel noch einmal mit ihnen gemessen. Wir werden uns intern noch mal über das Thema unterhalten.“

Unterhalten müssen sich auch die Frauen des SuS Legden noch einmal, wie Spielertrainerin Christina Krause sagt. Etwas überrascht sei sie gewesen, dass ihre Mannschaft nun als Herbstmeister gemeinsam mit dem aktuellen Spitzenreiter SpVgg Vreden aufsteigen darf. „Ich finde, dass der Verband da eine sehr faire Lösung gefunden hat. Wir hätten den Aufstieg auf jeden Fall verdient, allerdings müssen wir noch einige Fragen klären, wie unser Kader zur neuen Saison aussieht. Schließlich haben wir ja keine zweite Mannschaft oder Jugend.“

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