Wie Soccerwatch den Amateurfußball im Westmünsterland live ins Netz bringen will

mlzFußball

Die Firma Soccerwatch.tv aus Essen will den Amateurfußball in der Region flächendeckend sichtbar machen. Die Sparkasse unterstützt das Vorhaben. Wir erklären, was dahinter steckt.

Ahaus

, 23.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Eine neue Dimension tut sich für Amateurfußballer im Westmünsterland auf. Künftig können alle Vereine der Region die Spiele ihrer Mannschaften von den Alten Herren bis zu den A-Junioren, von der Westfalenliga bis zur Kreisliga D, live im Internet zeigen. Die Firma Soccerwatch.tv aus Essen geht gemeinsam mit der Sparkasse Westmünsterland in die Offensive und hat den Vereinen ihr Angebot in mehreren Info-Veranstaltungen unterbreitet. Hier sind Fragen und Antworten zu dem Thema.

Was genau bietet Soccerwatch.tv den Vereinen an?
Die Firma hat ein Kamerasystem entwickelt, das Fußballspiele mittels künstlicher Intelligenz selbsttätig filmt und live ins Internet überträgt. Zum Paket gehören auch Spielzusammenfassungen, außerdem kann ein „Trainertool“ dazugebucht werden, das die Coaches zur Videoanalyse nutzen können.

Wie funktioniert das technisch?
Üblicherweise wird das Kamerasystem an einem Flutlichtmast an der Mittellinie auf etwa sieben Metern Höhe angebracht. Die sechs Kameras stellen ein Bild zusammen, das per Mobilfunk über einen Cloudserver ins Internet übertragen wird. Dort ist es mit Verzögerung für jeden User kostenlos zu sehen, entweder live oder hinterher in voller Länge. Die integrierte Software erstellt nach den Spielen jeweils eine Zusammenfassung mit den Highlights. Mit Freigabe über die Verbandsseite fussball.de schalten die Vereine das jeweilige Spiel für den Stream frei.

Welche Kosten kommen auf die Vereine zu?
Für die Nutzung des Kamerasystems und des Trainertools fallen monatlich insgesamt rund 136 Euro an. Durch die Kooperation mit der Sparkasse Westmünsterland bietet Soccerwatch das Paket für monatlich 82 Euro an. Die Sparkasse unterstützt die Vereine dabei im ersten Jahr mit 60 Euro, im zweiten mit 40 und im dritten mit 20 Euro pro Monat. Darin enthalten sind Installation, Hardware, Software und Versicherung. Die Kooperation ist zunächst für drei Saisons angelegt.

Wie sieht die Rechtslage für die Aufzeichnungen aus?
Grundsätzlich gilt ein Fußballspiel als Veranstaltung von öffentlichem Interesse, sodass das Filmen gestattet ist. Jeder Zuschauer erklärt sich stillschweigend damit einverstanden, möglicherweise gefilmt zu werden, sobald er die Sportanlage betritt. Dazu sollen die Vereine mehrere Hinweisschilder auf ihrer Anlage anbringen. Schiedsrichter und auch Spieler haben jedoch die Möglichkeit, der Aufnahme zu widersprechen. „Uns ist aber kein Fall bekannt, wo das bisher passiert wäre“, erklärt Stefan Wiesenberg, Gesellschafter bei Soccerwatch. Er erklärt außerdem, dass an Sportplätze angrenzende Privatgrundstücke direkt von der Kamera verpixelt werden können. Spiele unterhalb der A-Jugend zeigt Soccerwatch aus Datenschutzgründen nicht.

Wie Soccerwatch den Amateurfußball im Westmünsterland live ins Netz bringen will

© picture alliance/dpa

Welchen Nutzen haben die Vereine?
Neben der Tatsache, dass sie ihre eigenen Spiele analysieren und auch Gegner beobachten können, bietet Soccerwatch verschiedene Sponsoringmodelle an. Die Logos der Sponsoren sind dann wahlweise auf der Vereinsseite bei Soccerwatch, in der Wiederholung eines Spiels, in der Liveübertragung oder auch beim Highlight-Clip zu sehen. Von den Sponsoring-Einnahmen erhalten Soccerwatch und der Verein jeweils 50 Prozent.

Und was verspricht sich die Sparkasse von der Kooperation?
„Zunächst mal glauben wir, dass das Angebot für die Vereine der absolute Hammer ist“, sagt Dieter Meier, Marketing-Chef der Sparkasse Westmünsterland. „Aber auch die Medien, die Firma Soccerwatch und wir als Sparkasse profitieren von der Kooperation. Wir können dadurch ganz andere Zielgruppen erreichen als mit reinen Finanzthemen.“

Wie ist die Resonanz der hiesigen Vereine?
Mehrere Vereine haben bereits die Verträge unterzeichnet und wollen zur Saison 2019/20 mit dem Streaming starten. Beim FC Ottenstein soll das erste Kamerasystem im Altkreis Ahaus installiert werden. Für den Vereinsvorsitzenden Frank Lefering war vor allem das Preis-Leistungs-Verhältnis der Grund für die Vertragsunterzeichnung. „Wir können uns als Verein digital gut darstellen, außerdem kann ich mir vorstellen, dass sich die Spieler auch besser auf dem Platz verhalten, wenn sie gefilmt werden.“

Die SpVgg Vreden hat gleich zwei Kameras, für den Hauptplatz und den Kunstrasen, bestellt. „Das ganze System hat auf mich einen guten Eindruck gemacht. Für unsere Mannschaften und Trainer ist es eine gute Sache, schade finde ich aber, dass nicht auch Jugendspiele unterhalb der A-Jugend gezeigt werden“, sagt der Vorsitzende Christoph Kondring. Bei der SpVgg sei das Angebot auch für Sponsoren interessant, die überregionales Publikum erreichen wollen.

Noch zu keiner Entscheidung ist etwa die DJK Stadtlohn gekommen. „Wir müssen uns die Frage stellen, welchen konkreten Nutzen wir davon haben. Da geht es auch ums Finanzielle“, sagt Abteilungsleiter Günter Boll.

Die Befürchtung, dass wegen der Übertragung weniger Zuschauer zum Platz kommen würden, hegen die meisten Vereine nicht.

Und wie sehen es eigentlich die Schiedsrichter?
Paulo Goncalves, Vorsitzender der Kreisschiedsrichter, erklärt: „Wir werden das Thema erst auf unserem nächstem Lehrgang in größerer Runde besprechen. Ich persönlich stehe der Sache eher positiv gegenüber. Wir können das Videomaterial zu Schulungszwecken nutzen. Andererseits können einige Kollegen vielleicht nicht so gut damit umgehen, wenn sie ihre Fehler auf die Weise unter die Nase gerieben bekommen. Gut ist, dass Schiedsrichter auch die Möglichkeit haben, eine Aufnahme abzulehnen.“

Was sagt der Kreisvorstand zu dem Vorhaben?
Horst Dastig, Vorsitzender des Kreisfußball-Ausschusses, wolle erst einmal Erfahrungen sammeln, ehe er sich ein Urteil erlaube. „Der Verband hat das Ganze genehmigt, deshalb spricht erst einmal nichts dagegen. Wenn es den Vereinen zugute kommt, ist es sicher positiv.“

Info: Spielszenen und Tore vom Portal Soccerwatch.tv gibt es künftig auch auf der Website der Münsterland Zeitung.
Lesen Sie jetzt