Die überkreislichen Handball-Ligen in Westfalen werden in der neuen Saison durch die Aufstiegsregelung ordentlich aufgebläht. © dpa
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Handballverband zum Aufstieg am Grünen Tisch: „Für die Kreise ist es eine blöde Situation“

Die Aufsteiger der überkreislichen Handball-Ligen stehen fest. Ab der Landesliga gibt es demnächst aufgeblähte Ligen. Das birgt gleich mehrere Probleme, wie auch Bernd Kuropka vom Verband weiß.

Am Grünen Tisch wurde entschieden: Der Handballverband Westfalen hat am Montagnachmittag über die Aufsteiger in den überkreislichen Ligen informiert. Wie eine Abfrage des Verbands ergeben hat, kam eine sportliche Austragung der Play-off-Spiele für die meisten Vereine nicht mehr infrage. Dadurch kommt jetzt eine andere Wertung zum Tragen.

Dabei spielt auch das Abschneiden der jeweiligen Mannschaften aus den Spielzeiten 2018/19 und 2019/20 eine wichtige Rolle. Aus den erzielten Punkten wurden Quotienten gebildet. In den meisten Fällen steigt das Team mit dem höheren Quotienten aus den Spielzeiten 2018/19, 2019/20 und 2020/21 auf. Es gibt aber auch Ausnahmen.

Geringerer Quotient reicht in einigen Fällen für den Aufstieg – wie kann das sein?

Etwa in der Frauen-Landesliga 4. Hier steigt die Reservemannschaft des HC TuRa Bergkamen auf – obwohl der kumulierte Quotient aus drei Spielzeiten geringer ist als der des Hammer SC. „Dafür gibt es eine einfache Erklärung“, führt Bernd Kuropka, stellvertretender Vorsitzender der Technischen Kommission des Handballverbands Westfalen, aus. „TuRa hat in der Saison 2020/21 kein einziges Spiel bestritten, der Hammer SC hingegen schon. In den Spielzeiten 2018/19 und 2019/20 lag TuRa aber jeweils vor dem Hammer SC.“

So kommt es, dass TuRa als Aufsteiger feststeht – wie in vier weiteren Fällen, in denen der Aufsteiger einen niedrigeren Quotienten als der Zweitplatzierte aufweist.

Dass die Aufsteiger jetzt auf diese Weise ermittelt wurden, sei natürlich nicht die Optimal-Lösung. Kuropka: „Wir hätten die Aufsteiger natürlich viel lieber sportlich ermittelt, keine Frage.“ Ob diese Regelung am Ende besser sei als ein Szenario ohne jegliche Aufsteiger, weiß er nicht genau. „Es ist ein zweischneidiges Schwert. Für die einzelnen Handballkreise ist es eine blöde Situation, da sie viele Mannschaften verlieren, die ab jetzt im Verband gemeldet sind. Da es keine Absteiger gibt, wird das Niveau innerhalb der Kreise immens geschwächt. Dafür wird die Qualität im Verband aber auch gestärkt“, so Kuropka.

„In den nächsten Jahren wird es massenweise Absteiger geben“

In der kommenden Saison führen die zahlreichen Aufsteiger aber unweigerlich zu Problemen. „Wir müssen zusehen, dass wir relativ zügig wieder auf den alten Stand kommen und die Ligen wieder ausdünnen. In den nächsten Jahren wird es daher massenweise Absteiger aus dem Verband geben. Angefangen in der Oberliga bis runter in die Landesliga – und dann auch in die Kreise“, sagt Kuropka. Das sei dann auch eine gute Sache für die einzelnen Kreise, die somit wieder an Qualität dazugewännen.

Bernd Kuropka ist beim Handballverband Westfalen stellvertretender Spieltechniker und stellt die Alternative zu den Aufstiegsrunden vor.
Bernd Kuropka ist beim Handballverband Westfalen stellvertretender Spieltechniker und stellt die Alternative zu den Aufstiegsrunden vor. © ksv © ksv

Sorgen macht sich Kuropka derweil aber auch wegen der schieren Masse an überkreislichen Spielen: „Die müssen wir auch alle mit einem Schiedsrichtergespann besetzen. So viele Schiedsrichter haben wir gar nicht, um den Spielbetrieb dauerhaft mit so vielen überkreislichen Mannschaften zu bestreiten.“

Einspruch möglich – aber wohl nicht wirklich erfolgversprechend

Innerhalb von 14 Tagen haben die durch die Anwendung der Quotientenregel benachteiligten Teams nun die Möglichkeit, Einspruch gegen die Entscheidung einzulegen. Ob es Mannschaften geben wird, die davon Gebrauch machen, kann Kuropka natürlich noch nicht wissen. „Es kann sein, dass noch einer dazwischenfunkt. Bei manchen Vereinen wird es sicherlich Überlegungen geben“, meint er.

Die Chancen auf Erfolg dürften aber gering sein. Denn: „Die Vereine müssen sich an die eigene Nase packen. Vielleicht ärgert sich der eine oder andere jetzt, weil er in den Spielzeiten zuvor, die jetzt für die Aufstiegsregelung eine Rolle spielen, nicht besser abgeschnitten hat.“ Kuropka verweist an dieser Stelle nochmals auf die Statuten: „Darin steht, dass die spielleitende Stelle des Handballverbands über den Aufstieg entscheidet – und nicht, wie sie es tut. Die Aufstiegs-Entscheidung ist ja auch durch das Präsidium abgenickt worden.“

Über den Autor
Volontär
Jahrgang 1992. Geboren und aufgewachsen in Unna. Kennt den Kreis Unna wie seine Westentasche, hat in seinem Leben aber noch nie eine Weste getragen. Wollte schon als Kind Sportreporter werden und schreibt seit 2019 für Lensing Media über lokale Themen - auch über die Kreisgrenzen hinaus.
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Marcel Schürmann

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