Glatt Rot zeigte der Schiedsrichter einem Kreisliga-Kicker im letzten Meisterschaftsspiel vor dem Lockdown. Er will eine Tätlichkeit gesehen haben. Der Spieler bestreitet das. © dpa
Fußball

Rote Karte vor dem Lockdown – Kreisliga-Kicker fehlt zum Saisonstart: „Es wird schwer für mich“

Eine Rote Karte, die wohl keine war, ist für diesen Fußballer doppelt tragisch. Denn er wurde gleich für vier Spiele gesperrt. Die Sperre muss er nun noch in der neuen Saison aussitzen.

Das ist doppelt ärgerlich. Im letzten Meisterschaftsspiel vor dem Lockdown im Oktober des vergangenen Jahres holte sich der Spieler eine späte Rote Karte ab. Zu unrecht, wie er erzählt. Doch das Tragische an der Geschichte: Auch in der anstehenden Saison bleibt dem Fußballer des A-Kreisligisten FC TuRa Bergkamen zunächst nur die Zuschauerrolle. Seine Sperre hat er nämlich noch gar nicht abgesessen.

Elmond Berisha ärgert sich immer noch über die Aktion, die sich in der 83. Minute des Spiels gegen die Reserve von Westfalia Wethmar ereignete. Das Spiel war schon längst verloren, die Lüner führten mit 4:0. „Ich hatte den Ball und habe zwei, drei Spieler ausgefummelt und stand vor dem Sechzehner“, erinnert sich Berisha noch gut an die Szene. Sein Gegenspieler klammerte sich an Berishas Trikot. „Er hat so fest daran gezerrt, dass er mich schon fast zurückgezogen hat. Ich konnte nicht weiterlaufen und wollte mich dann nur losreißen.“

Ausgeleiertes Trikot, doch es gibt keinen Freistoß – dafür Rot für Berisha

Der Schiedsrichter wertete dieses Losreißen als Schlag und zückte sofort Rot. „Ich habe anschließend mit meinem Gegenspieler gesprochen. Auch er hat es so gesehen, dass es sein Foul war. Es hätte Freistoß für uns geben müssen. Auf dem Platz hat es damals niemand verstanden. Der Schiri war total überfordert“, sagt Berisha.

Elmond Berisha – hier noch im Trikot des VfK Weddinghofen im Kreispokal-Spiel gegen Westfalia Rhynern – muss seiner Mannschaft zum Saisonstart zuschauen. © Neumann © Neumann

Sein Trikot, sagt er, sei danach ordentlich ausgeleiert gewesen. „Aber was soll ich machen? Der Schiri sitzt nun mal am längeren Hebel“, ist er nicht sonderlich nachtragend. Vier Spiele Sperre erhielt Berisha in der Folge. Vier Spiele, die sein Klub seither nicht austragen konnte. Seit Oktober gab es keinen Spielbetrieb mehr.

Elmond Berisha: „Es ärgert mich und ich bereue diese Rote Karte“

Den Saisonstart 2021/22 wird Berisha mit TuRa also definitiv verpassen. „Das ist mega schade. Nach so einer langen Pause freut man sich auf jeden einzelne Spiel. Gerade mit so einer tollen Mannschaft, wie wir sie bei TuRa haben. Dass ich am Anfang nicht mitspielen kann, ärgert mich und ich bereue diese Rote Karte“, sagt der Spieler, obwohl er nochmals beteuert, dass er sie zu Unrecht erhalten hat.

Gerade mal fünf Spiele hat der 26-Jährige für seinen neuen Klub bestritten. Sein Fazit fällt so aus: „Auf jeden Fall positiv. Nach den fünf Spielen waren wir alle topfit. In der neuen Saison werden wir da weitermachen.“ Er wolle sich zwar nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen, aber: „Ein Platz in den Top-Fünf ist für uns drin. Wir wollen oben mitspielen.“

Auch Mannschaftskollege muss Sperre noch absitzen

Zuvor spielte Berisha schon bei einigen Vereinen: Kamener SC, VfK Weddinghofen und dem SuS Oberaden. „Ich bin zwar erst 26, aber schon so etwas wie ein Urgestein“, sagt er mit einem Lachen. Dass er nur ein Jahr beim SuS geblieben ist, erklärt er so: „Mir hat beim SuS die Kommunikation gefehlt. Am Anfang hat es mit der Truppe gut geklappt, aber hinterher hat der Trainer andere Prioritäten als die Mannschaft gesetzt. Mit mehr Geld kamen auch große Spieler zum SuS. Das wollte ich mir nicht länger geben.“

Ob er sich bei TuRa durchsetzen kann, obwohl er doch den Saisonstart wegen seiner Sperre verpassen wird, will Berisha aber hoffen. „Ich weiß, dass es unfassbar schwer für mich wird. TuRa hat den Kader stark aufgerüstet. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich der Aufgabe gewachsen bin.“

Der einzige Spieler, der zum Saisonstart zuschauen muss, ist Berisha übrigens nicht: Auch sein Mannschaftskollege Nils Rösener muss noch eine Sperre absitzen. Eine Woche zuvor – beim 0:0 gegen den SuS Oberaden – hatte er seinen Gegner nur mit einer Notbremse stoppen können. Ein Spiel hat er also schon ausgesetzt. Somit wird Rösener etwas eher wieder ins Geschehen eingreifen können als Elmond Berisha.

Über den Autor
Volontär
Jahrgang 1992. Geboren und aufgewachsen in Unna. Kennt den Kreis Unna wie seine Westentasche, hat in seinem Leben aber noch nie eine Weste getragen. Wollte schon als Kind Sportreporter werden und schreibt seit 2019 für Lensing Media über lokale Themen - auch über die Kreisgrenzen hinaus.
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Marcel Schürmann

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