Castrops treueste Seele - Ernst Rux

Sportlerporträt

CASTROP-RAUXEL Der Schreibtisch in Ernst Rux’ Dachkammer ist gut sortiert. Der 77-Jährige sitzt vor seinem PC, tippt Daten von Nachwuchs-Fußballern in ein Formular. „Mein Büro“, erklärt der Habinghorster. Ein Büro – das brauch er wahrlich. Rux ist leidenschaftlicher Fußballer geblieben, jetzt allerdings als Funktionär.

von Von Florian Kopshoff

, 16.10.2009, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ernst Rux vor dem Vereinsheim der SG Castrop, das jetzt seinen Namen trägt.

Ernst Rux vor dem Vereinsheim der SG Castrop, das jetzt seinen Namen trägt.

Ernst Rux hat viele Ämter: Er ist Jugendleiter bei der SG Castrop, darüber hinaus Geschäftsführer des Clubs, zudem Staffelleiter mehrerer Amateur-Fußballligen und zuständig für den Bereich Freizeit- und Breitensport im Fußballkreis Herne.Vereinsheim nach ihm benannt Finanziell lohnt sich das nicht. Im Gegenteil: Oft zahlt Rux noch drauf. Besonders für seine große Liebe: Die SG Castrop. Die taufte nicht nur deswegen ihr neu errichtetes Heim im Stadion an der Bahnhofstraße „Ernst Rux-Vereinshaus“. Rux ist Ur-Castroper. Aus Holz und Stein half er nicht nur ein Vereinshaus zu errichten. In den vergangenen Jahren stand der 77-Jährige praktisch täglich am Spielfeldrand. Über Geld will er eigentlich gar nicht reden. Rux ist einfach leidenschaftlicher Fußballer geblieben. Auch wenn seine Zeit auf dem Platz im Alter von 52 Jahren abrupt endete. 1984 zog ein Arbeitsunfall einen humorlosen Schlusstrich unter das Kapitel „aktiver Fußball“. Der gelernte Schlosser erlitt einen Trümmerbruch im Knie. Ballsport? Ab jetzt ausgeschlossen. Das Ende einer 37-jährigen Karriere.Wechsel zu Rauxel 1947 war Rux Mitglied des SV Castrop 02 geworden. In B- und A-Jugend stand er in Diensten der Castroper. „Da war ich ein kleiner Moppel“, schmunzelt Rux heute. Nach einem Jahr Jungliga (einer Übergangsklasse für junge Seniorenspieler) hängte Rux die Fußballschuhe zwischenzeitlich an den Nagel. Nur noch mit den Kameraden aus der Lehrwerkstatt der Zeche Victor III/IV trat er gegen den Ball. 1952 begegnete Rux mit seinem Zechen-Team der fußballerischen Konkurrenz von der Zeche Victor I/II, besetzt mit vielen Spielern des VfR Rauxel, der damals gerade in die Bezirksklasse aufgestiegen war. Victor III/IV siegte und Rauxels Spieler überredeten Rux zum Beitritt. „An mein erstes Spiel für Rauxel erinnere ich mich noch genau“, sagt Rux: „ Da haben wir 0:4 gegen die SG Erin verloren.“Spielertrainer der SG-Reserve 1955 folgte Rux dem Ruf der Jugendliebe und wechselte zurück zum Landesligisten SV Castrop. In der folgenden Saison stieg der SV 02 in die Verbandsliga –  damals höchste Amateur-Klasse – auf. Rux gehörte zum Stamm der Mannschaft. 1960 mussten Rux und Team den Abstieg verkraften. „Wir haben immer nur knapp verloren“, erzählt er und zwinkert: „nicht so wie die Castroper heute“. Mit dem Wiederaufstieg in die Verbandsliga 1964/65 (inzwischen waren SV Castrop und SG Erin 1911 zur heutigen SG Castrop verschmolzen) machte Rux mit dem Fußball in den erster Mannschaft Schluss. Nach kurzer Zeit im Reserveteam, das er als Spielertrainer unterstützte, trat er in den Kreis der Altherren.Auch mal zu Hause bleiben Acht Jahre nach seinem schweren Unfall nahm Rux die Betreuung der Junioren in seine Verantwortung. Bis heute übt er das Amt des Jugendleiters mit Leidenschaft aus. Mehrmals wollte er schon aufhören. Aber immer wieder überredeten die Castroper ihre treuste Seele zum Weitermachen. Trotzdem: Ein wenig möchte der 77-jährige sein Engagement demnächst schon zurückschrauben. Die Tätigkeit beim Fußballkreis Herne will er im nächsten Jahr beenden. Den Posten als Platzwart der SG Castrop hat er jüngst abgegeben. „Gott sei Dank“, sagt Rux und freut sich: „Heute Abend bleibe ich zu Hause.“

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