Christian Woop: Vom Amateurfußball in Herne bis in die oberste Ebene im Bundestag

mlzInterview

Das Abbruchspiel zwischen RWT Herne und dem FC Castrop-Rauxel ist längst Geschichte. Doch unser Reporter Christian Woop muss sich immer noch damit auseinandersetzen - bis hin zur Polizei.

Castrop-Rauxel

, 23.10.2019, 15:14 Uhr / Lesedauer: 3 min

Militärgruß, Spielabbruch, Interviewmarathon: Unser freier Mitarbeiter und Journalismus-Student Christian Woop (23) aus Habinghorst wird die Geschehnisse rund um den 13. Oktober wohl so schnell nicht vergessen. Er war vor Ort, als die Kreisliga-A-Partie zwischen RWT Herne und dem FC Castrop-Rauxel abgebrochen wurde. Anschließend erlebte er Tage an denen sein Handy nicht mehr still stand. Wir sprachen mit ihm über die Geschehnisse sowie den anschließenden Interviewmarathon - bis hin zur Aussage bei der Polizei.

Hallo Christian, Du warst beim Spiel in Herne vor Ort. Wie hast Du die Partie wahrgenommen? Hättest du zum Beginn des Spiels gedacht, dass Du dich anschließend mit so vielen Themen auseinander setzen musst?

Man hat von Anfang an gemerkt, dass es ein Topspiel war. Rot-Weiß Türkspor ging aggressiv in die Zweikämpfe und mit vielen Emotionen ins Spiel, was aber auch völlig in Ordnung war. Die Spieler haben allerdings früh begonnen, fast jede Szene zu kommentieren, aber dementsprechend auch eine Gelbe Karte wegen Meckern bekommen. Es war aber im Grunde einfach ein intensives Kreisliga-A-Spiel. Dass es dann so eskaliert, kam für alle wohl überraschend.

Nun haben die Herner Spieler nach dem Tor von Rot-Weiß Türkspor den Militärgruß gezeigt. Der hatte aber letztlich mit der Eskalation gar nichts zu tun, oder?

Nein, ich habe mir den Salut zwar in meinem Block notiert, um später daraus eine eigene Geschichte zu schreiben, hätte aber nie diese Verbindung zum Abbruch gezogen. Zumal zwischen Gruß und Abbruch rund 50 Spielminuten lagen. Ich habe im Nachhinein noch mit einigen Leuten vom FC Castrop-Rauxel gesprochen und die hatten das gar nicht mitbekommen. Mit dem Spiel an sich hatte das überhaupt nichts zu tun, diesen Zusammenhang hatte allein Türkspor im Nachgang konstruiert.

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Nachdem Du deinen Text zum Spiel bzw. zu den Geschehnissen geschrieben hattest, war die Partie für dich selbst aber noch nicht abgehakt. Was kam dann auf dich zu?

Dadurch, dass die politische Ebene noch dazu kam, war mir schon klar, dass das ein Nachspiel haben könnte. Am Tag nach dem Spiel, als ich in der Universität saß, hat mich die Bild-Zeitung über Facebook angeschrieben und wollte mein Foto vom Spiel kaufen. Dann hatte ich mit dem Kicker Kontakt und für das Fußballmagazin die Geschichte unter dem Stichwort „Gewalt im Fußball“ auch noch einmal aufgeschrieben. Wiederum einen Tag später hatte sich der SWR (Südwestrundfunk, Anm.d.Red.) bei mir gemeldet, der einen Beitrag zum Verhältnis zwischen Türken und Kurden in Deutschland drehen und dieses Spiel als Aufhänger nehmen wollte. Höhepunkt der Geschichte war dann ein Interview-Termin mit Cem Özdemir (Mitglied des Bundestages für Bündnis 90/Die Grünen, Anm.d.Red.) zu dem Thema, der leider kurzfristig abgesagt werden musste. Vom Amateurfußball in Herne ging es dann letztlich bis in die oberste Ebene im Bundestag.

Zusätzlich zu den beruflichen Anfragen und Aufgaben war dein Privatleben aber auch von den Vorfällen bestimmt. Du musstest bei der Polizei vorstellig werden.

Genau, ich wurde von der Polizei kontaktiert, weil ich der einzige neutrale Zeuge vor Ort war. Jeder andere hatte einen Bezug zu den Teams. Mein Text zu den Vorfällen diente als Primärquelle, dann musste ich noch einmal ein paar Fragen beantworten.

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Du bist für uns weiter auf den Sportplätzen unterwegs. In der jüngsten Vergangenheit gab es in der näheren Umgebung mehrere Gewaltvorfälle im Fußball. Fühlst Du dich auf den Sportplätzen weiterhin sicher?

Ja. Man darf jetzt nicht glauben, dass es wöchentlich eskalieren wird. Es gibt einige Fälle, über die auch bundesweit berichtet wurde und dadurch kommt das Gefühl auf, dass es immer vermehrt auftritt. Aber das gleiche Gefühl haben manche Menschen in Sachen Kriminalität auch, obwohl es laut Polizei-Statistik nicht so ist. Allerdings ist es vor dem gesamten Hintergrund auch kein Wunder, dass immer weniger Leute einen Schiedsrichterposten annehmen wollen. Die Intensität der Angriffe auf die Unparteiischen hat schon zugenommen.

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