Corona nimmt letzte Illusion: Der Profifußball lebt in einer anderen Welt als die Amateure

Klare Kante

Die Bundesliga will wieder spielen, während Amateur-Fußballer weiter auf ihr liebstes Hobby verzichten müssen. Der Sport gerät zur Zwei-Klassen-Gesellschaft, meint unser Autor.

Castrop-Rauxel

, 29.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Profifußball hat nur wenig Gemeinsamkeiten mit dem Castrop-Rauxeler Fußball. Das ist die Meinung unseres Autors in seiner "Klaren Kante".

Der Profifußball hat nur wenig Gemeinsamkeiten mit dem Castrop-Rauxeler Fußball. Das ist die Meinung unseres Autors in seiner "Klaren Kante". © dpa

Es schmerzt, aber es muss klar gesagt werden: Profifußball und das sonntägliche Geschehen auf den Sportplätzen zwischen Henrichenburg und Frohlinde haben nur gemein, dass 22 Männer auf dem Feld einem Ball hinterherjagen. Mehr nicht. Die Profis haben sich von der Basis abgekoppelt. Der Sport ist zur Zwei-Klassen-Gesellschaft geworden. Während Corona wird das deutlicher denn je.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) stampft ein Konzept aus dem Boden, damit wieder Bundesliga gespielt werden kann. Alle drei Tage sollen die Profis auf Corona getestet werden. Der absurde Spaß kostet rund 2,5 Millionen Euro.

Aberwitzige Millionensummen

Dabei geht es nicht - wie es uns einige Spitzenfunktionäre weismachen wollen - um die Existenz des gesamten Fußballs. Es geht um das „Weiter-So" einer Branche, die in den vergangenen Jahren heillos mit Millionen um sich geworfen hat und somit Ablösesummen und Gehälter ermöglicht hat, die für den einfachen Fußballfan längst nicht mehr greifbar sind. Gleichzeitig sie derart fehlgewirtschaftet hat, dass sechs Wochen spielfreie Zeit das System einfallen lassen - wie ein Kartenhaus bei einem leichten Pusten.

Ohne Frage: Dieser Mechanismus hat viele Klubs groß gemacht. Zahlreiche Arbeitsplätze sind entstanden. Auch an die gilt es in Corona-Zeiten zu denken. Es wäre leichter, wenn die Spieler nicht aberwitzige Millionen-Summen erhielten.

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Der Amateurfußball hinkt hinterher

Was bedeutet das nun für den Amateurfußball? Einen Schlag ins Gesicht. Während die Aufnahme des Bundesliga-Spielbetriebs Staatsaufgabe ist, schauen die lokalen Vereine wie so oft in die Röhre: Noch immer ist nicht klar, wie die Saison gewertet wird und wer notfalls für eine Finanzspritze aufkommt. Die Mühlen mahlen langsam, weil eine Beschleunigung nicht lukrativ ist. Sagen will das niemand.

Die Bundesliga gibt sich dieser Tage lieber als Gönner in der dunklen Stunde: "Wir spielen für euch!" Nein, sie spielt in und für ihre eigene Blase. Diejenigen, die sich wirklich um das Wohl des Fußballs als Volkssport sorgen, engagieren sich ehrenamtlich in Landes-, Bezirks- und Kreisliga-Vereinen oder dürfen momentan - aus guten Gründen - nicht ihrem Hobby nachgehen. „Unsere Amateure, echte Profis" - der Werbe-Slogan des DFB ist längst nicht mehr zeitgemäß. Eine Vorbildfunktion hat der Profifußball bloß noch für Gierhälse.

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