Der TuS Ickern warf vor 40 Jahren an der letzten Aufstiegschance vorbei

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Im Frühjahr 1979 musste der Landesligist TuS Ickern ohne einen Leistungsträger das Topspiel gegen den OSC Thier Dortmund II bestreiten. Die Gäste hatten Nationalspieler in ihren Reihen.

Castrop-Rauxel

, 01.02.2019, 05:16 Uhr / Lesedauer: 3 min

Heute vor 40 Jahren, am 1. Februar 1979, berichtete diese Zeitung darüber, dass die damaligen Landesliga-Handballer des TuS Ickern das Topspiel gegen den OSC Thier Dortmund II mit 9:15 (6:6) verloren. Die Überschrift zum Artikel lautete „Speckbacher fehlt überall“.

Gemeint war Helmut Speckbacher, der Vater von Stephan Speckbacher (Trainer und Spieler der HSG Rauxel-Schwerin). „Helmut war wirklich unser bester Spieler damals“, sagte sein damaliger Mitspieler Friedhelm Reimann – Spitzname „Fitze“. Dieser war am Tag des Spiels gegen Dortmund 18 Jahre alt.

Der Mitspieler mit der technischen Finesse

Über seinen einstigen Mitspieler, der elf Jahre älter war, sagte Reimann am Dienstag: „Er war unser Spielmacher und für den Gegner unberechenbar. Der warf auch einfach ´mal den Ball aus dem Handgelenk ins Tor.“ Dieses Können konnte Helmut Speckbacher gegen Dortmund II nicht in die Waagschale werfen. Denn er saß nach einem Feldverweis eine vierwöchige Sperre ab.

Trainer der Ickerner war damals Klaus („Olly“) Tiews. Er war damals zeitgleich Kreisläufer des Bundesligisten TuS Wellinghofen. Als Aktiver hatte Tiews im Mai 1974 seinen Höhepunkt. Er bestritt das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft vor 11000 Zuschauern in der Dortmunder Westfalenhalle. Das Duell ging mit 14:19 gegen den VfL Gummersbach verloren.

Diese Spieler spielten damals beim TuS Ickern

Tiews war Kenner der Dortmunder Handball-Szene und betonte vor dem Duell mit der Bundesliga-Reserve von Thier: „Ich kenne jeden einzelnen der Gästespieler.“ Der Ickerner Coach selbst konnte beinahe seine Bestbesetzung aufbieten: Als Torhüter fungierten Lambert Wuttke und Werner Agatz spielten, deren Söhne Andre und Jens später ebenfalls Keeper beim TuS waren. Die Feldspieler waren Sigfried (Siggi) Kraft, Herbert Dörre (Herby), Jürgen Klaskala (Kasi), Heribert Hinz (Harry), Volker Golbs, Werner Piel (Sammy), Hansi Wagner, Friedhelm Reimann, Helmut Speckbacher und Wilhelm Treeck.

Reimann, der noch hätte in der Jugend spielen können, sagte über seinen damaligen Trainer: „Ich habe sehr von ihm profitiert und viel gelernt. Mein Coach hat mich auf der Außenposition sowie als Manndecker eingesetzt.“

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Reiner Jahnke (heute 72 Jahre alt), damals Geschäftsführer der Handball-Abteilung, hatte mit dem Vorsitzenden Edgar Neurode letztlich Klaus Tiews für den TuS gewinnen können. Er sagte am Donnerstag: „Ich weiß nicht mehr genau, wie wir das geschafft haben.“ Noch erinnern kann sich Jahnke aber, dass sich Tiews später auch um die Oberliga-Frauen kümmerte. Jahnke vertrat bei Terminüberschneidungen bei den Landesliga-Spielen den Trainer.

Der Waltroper Reiner Jahnke ist dem Handballsport noch verbunden – als Funktionär auf Ebene der Rechtssprechung. Er ist aktuell Beisitzer des Bundessportgerichtes des DHB. Seine sportlichen Anfänge hatte Jahnke sowie auch Friedhelm Reimann im Fußball bei Arminia Ickern.

Der TuS Ickern warf vor 40 Jahren an der letzten Aufstiegschance vorbei

Friedhelm Reimann ist dem TuS Ickern auch heute noch verbunden. © Volker Engel

Die Heimstätte der Arminen war in direkter Nachbarschaft zu jener der TuS-Handballer. Diese trainierten in der Barbarahalle an der Waldenburger Straße. In der engen Turnhalle fanden aber nicht die Meisterschaftsspiele statt: Das Duell mit Dortmund ging in der ASG-Sporthalle in der Castroper Altstadt über die Bühne – vor rund 200 Zuschauern. Reimann erinnert sich an die Heimspiele. Er berichtete: „Oftmals haben wir Spieler die Tribüne, die damals im Schubladensystem gebaut war, für unsere Fans rausgezogen und aufgebaut.“

Und eben jene Fans waren im Vorbericht zur Partie ein Thema. Trainer Klaus Tiews hatte angemahnt, dass diese in den vorherigen Partien nicht so lautstark aufgetreten seien wie gewohnt. Der Funke sei „nicht übergesprungen“.

So lief das Spiel gegen die Dortmunder ab

Im Topspiel war Kampf dann Trumpf gewesen, wie im Zeitungsartikel zu lesen war. Spielerisch seien die Gäste überlegen gewesen. Trotz vieler Abspielfehler konnten die Ickerner zur Pause ein Unentschieden (6:6) halten. Bereits hier war ihr Bemühen vergeblich, Dortmunder Würfe von den Außenpositionen zu verhindern. Vor allem die ehemaligen Nationalspieler Peter Neuhaus und Bruno Tietze nahmen mehrfach erfolgreich Maß.

Der Reporter der Partie schrieb: „Hinzu kam, dass die Schiedsrichter den Ickernern wahrlich nicht wohlgesonnen waren. Oft agierten sie mit zweierlei Maß.“

Nach dem Seitenwechsel zogen die Dortmunder durch vier Torferfolge in Serie vorentscheidend davon. TuS-Trainer Tiews stellte auf eine offene Manndeckung um. Ohne Erfolg. Im Gegenteil: Jetzt konnten Neuhaus und Tietze ihre Routine ausspielen.

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Fazit: Speckbacher fehlte an allen Ecken und Enden. Selbst wenn die Latten- und Pfostentreffer gesessen hätten, wären die Gäste der Sieger geblieben. Die Aufstiegschance war passé.

Friedhelm Reimann, der noch guten Kontakt zu seinen Teamkameraden hält, meinte dazu: „Die Landesliga war unsere Heimat, hier waren wir gut aufgehoben.“ Ausgebrochen war der TuS danach Anfang der 1990er Jahre und landete – mit Reimann – nach mehreren Aufstiegen zur Saison 1997/98 in der Oberliga.

Danach ging es allerdings steil bergab. Zur Saison 2003/04 stiegen die Ickerner gar in die Kreisliga ab. Nach der Landesliga-Rückkehr (2007/08) gab es zuletzt wieder ein Tief, durch das der TuS wieder Kreisligist ist.

Das macht Friedhelm Reimann heute

Friedhelm „Fitze“ Reimann beendete seine aktive Laufbahn vor zwei Jahren in der dritten TuS-Mannschaft. Seinem Verein und dem Handball ist er noch immer verbunden – und dadurch auch der Familie Speckbacher. Denn Reimann hilft nicht nur mit dem Wischer in der Halle, sondern pfeift auch Junioren-Partien, unter anderem mit Helmut Speckbachers Enkelin Leonie.

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