Die 1. Liga war für die Sportkegler Castrop-Rauxel 2003 zum Greifen nah

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Im Jahr 2003 legten die SK Castrop-Rauxel die Basis dafür, den Aufstieg zur Bundesliga spielen zu können. Hauchdünn warfen die Rüdiger Mikolon und Co. am Sprung in die höchste Liga vorbei.

Castrop-Rauxel

, 24.11.2018, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min


Anfang der 2000er -Jahre hatten die Sportkegler Castrop-Rauxel (SK) ihre Blütezeit mit bis zu 130 Mitgliedern. Die erste Mannschaft warf ihre Kugeln in der 2. Bundesliga Nord – und stand mehrmals kurz vor dem Absprung in die 1. Liga. Hauchdünn warfen die SK am Ende der Saison 2003/2004 am Aufstieg vorbei. Als Zweite der Aufstiegs-Play-Offs – punktgleich mit dem Aufsteiger KSF Neuhof.

Am 23. November 2003 – also heute vor 15 Jahren – titelte die Zeitung: „Blume krönte Sahne-Tag“. Die SK hatten durch einen 3:0-Sieg gegen den SKV Eintracht Heringen die Tabellenführung in der 2. Liga verteidigt. Vater des klaren Erfolges für die Sportkegler war Wilfried Blume, der einer geschlossenen Mannschaftsleistung im Schlussblock mit 875 Holz die Krone aufsetzte. Blume erreichte nicht nur die Tagesbestleistung, sondern spielte sich zum dritten Mal in die Top 6 des Bundesliga-Spieltages. Selbst Ulrich Eudenbach hatte mit 813 Holz noch immer 21 Zähler Vorsprung vor dem besten Gästekegler.

Auflösung droht

813 Punkte – davon können die aktuellen SK-Akteure größtenteils nur träumen. Am vergangenen Wochenende kam ihr Bester, Michael Pahsen, auf 792 Holz. Damit war er von Blumes 875 Zählern gefühlte Lichtjahre entfernt. Nach einer Durststrecke in den vergangenen Jahren sind die SK in der Westfalenliga gelandet. Und sie drohen auch aus dieser abzusteigen. Wie rund um das Keglerheim an der Wartburgstraße in Habinghorst zu hören war, könnte es bald sogar zur Auflösung des Vereins kommen.

Heimische Weltmeisterin

Rüdiger Mikolon (heute 68 Jahre alt), zu Zweitliga-Zeiten Spieler und Pressewart, sagte am Donnerstag: „Wir haben es im Klub nicht geschafft, wieder eine Jugendabteilung aufzubauen. Dazu hätte es einer Gruppe von 20 Nachwuchsspielern bedurft. Aber das ist heutzutage nicht nur in unserer Sportart ein Problem.“

Vor 15 Jahren hatten die SK ein Mädchen-Team am Start. Mittendrin: Annika Hilkmann, die 2012 dreifache Junioren-Weltmeisterin wurde. Die erste Mannschaft wurde 2003 in der Abschlusstabelle der 2. Bundesliga Vierte und ergatterte dadurch das letzte Play-Off-Ticket. Diese Platzierung wurde dem Team am Ende zum Verhängnis. Denn in der Endabrechnung der Aufstiegsrunde lagen die Europastädter mit 13 Punkten gleichauf mit der KSG Neuhof. Die Hessen hatten allerdings die Zweitliga-Saison auf Rang eins abgeschlossen und standen aufgrund dieser Platzierung besser da als die SK.

Kaum vorzustellen, aber wahr: Es geht noch knapper. Mikolon erinnert sich: „In einem Jahr hatten wir zum Abschluss der Play-Off-Runde ein Heimspiel mit jeder Menge Zuschauern und haben mit nur einem fehlenden Holz den Aufstieg verpasst – auch weil sich die Siegener Mannschaft hat hängen lassen.“ Ein Elektrofachhändler war damals Sponsor des SK-Teams und hatte eine Tombola auf die Beine gestellt. „Mit einer Waschmaschine als Hauptgewinn“, erinnert sich Rüdiger Mikolon. Der Sponsor habe auch finanziell möglich gemacht, dass so starke Akteure wie Karsten Detert, Frank Ocwirk (beide aus Herne), Eckhard Wigge (Brilon) und Matthias Gronwald (Neheim) aufliefen – und zweimal pro Woche zum Training erschienen. Der Sponsor übernahm die Aufwandsentschädigungen.

Durch den gut besetzten Kader seien die Castrop-Rauxeler auch so heimstark gewesen, meint Mikolon: „Wir haben jahrelang kein Heimspiel verloren und durch unseren Trainingsfleiß enorm hohe Zahlen gespielt.“

Die SK Castrop-Rauxel waren einst aus der Fusion der SK Castrop-Rauxel-Nord mit dem Post SV entstanden. Dadurch kamen spielstarke Akteure zusammen, die mehrere Aufstiege in Folge bis in die 2. Liga schafften. Heute ist die Zukunft ungewiss.

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