Die Raptoren bestehen ihre Feuertaufe am Fuchsweg

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In Merklinde haben die Raptoren zugeschnappt. Nicht die Dinosaurier, sondern die Sportler, die unter dem Namen Raptors Castrop ihre Flagfootball-Premiere gefeiert haben.

Merklinde

, 21.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Frederic Stodt hat den Ball, ein Verteidiger stellt sich ihm in den Weg. Er versucht, ihn mit einem Querlauf auszustechen. Stodt ist schnell, sehr schnell. Dennoch gelingt es dem Verteidiger, ein Stoffband - die so genannte Flag - von Stodts Gürtel zu zupfen. Damit ist der Spielzug beendet.

Beim Football hätte man Stodt zu Boden - anstatt die Flag vom Gürtel - gerissen. Beim Flag-Football geht es ebenso athletisch, aber weniger rabiat zu. Anstatt des Ballträgers wird seine Flag attackiert. Ansonsten sind die Regeln nahezu identisch mit dem American Football. Wie beim Football geht es beim Flagfootball darum, den Ball in die gegnerische Endzone zu bringen. Dafür gibt es Punkte.

Halbzeitstand ungewiss

Zur Halbzeit verlassen die Castrop Raptors das Spielfeld auf dem Merklinder Kunstrasen am Fuchsweg. Die Begrenzungen reichen hier von Strafraum zu Strafraum des Fußball-Feldes. Das Spielfeld ist halb so breit. Den Halbzeitstand kennt Jonas Ehm nicht genau. „Wir liegen zwei Touchdowns zurück“, sagt der groß gewachsene Henrichenburger. Er und seine Castrop Raptors sind nicht zum Punkte-Zählen dort. Es ist ihr erstes Flagfootball-Spiel überhaupt. Sie wollen wissen, wie weit sie das Training bislang gebracht hat. Premieren-Gegner sind die Duisburg Dockers, die bereits einige Spiele absolviert haben.

Die Castroper Raptors traten zu ihrer Premiere gegen die Duisburg Dockers an: (hinten, v.l.) Jonas Ehm, Felix Schindelhauer, Numan Toklu, Jonas Plempe, Matthias Harker, (vorn, v.l.) Florian Dunaj, Leon Nachtwey, Nassir Tamouh, Frederic Stodt und Stefan Block.

Die Castroper Raptors traten zu ihrer Premiere gegen die Duisburg Dockers an: (hinten, v.l.) Jonas Ehm, Felix Schindelhauer, Numan Toklu, Jonas Plempe, Matthias Harker, (vorn, v.l.) Florian Dunaj, Leon Nachtwey, Nassir Tamouh, Frederic Stodt und Stefan Block. © Volker Engel

Fünf Spieler einer Mannschaft stehen jeweils auf dem Feld. Je nachdem, wer gerade dran ist, schickt ein Team ihre Angreifer (Offense) oder Verteidiger (Defense) auf den Kunstrasen. Dort wechseln Positionen allerdings immer wieder. Bis hin zum Quarterback, dem Schlüsselspieler.

Griff ins Leere

Jonas Plempe beginnt den Spielzug, spielt das Leder zu Numan Toklu, der einen langen Pass zu Stodt spielt, doch der bekommt den Ball nicht unter Kontrolle und verliert ihn. Das war der letzte Versuch. Nun sind die Duisburger dran. Ihre Nummer 87 sprintet los, Jonas Ehm versucht sie mit einem Griff zur Flag zu stoppen. Doch der Duisburger dreht sich im Lauf um die eigene Achse - und Ehm greift ins Leere. Die Gäste spielen ihre Routine aus und haben am Ende rund doppelt so viele Touchdowns erzielt, wie die Castrop Raptors.

Die Castroper Raptors (blaue Hemden) traten zu ihrer Premiere in Merklinde gegen die Duisburg Dockers an.

Die Castroper Raptors (blaue Hemden) traten zu ihrer Premiere in Merklinde gegen die Duisburg Dockers an. © Volker Engel

Doch das Ergebnis ist im ersten Spiel nicht die wichtigste Erkenntnis. „Wir haben athletisch bereits ein ganz gutes Level erreicht“, erklärt Jonas Ehm, „taktisch und spielerisch müssen wir uns aber noch verbessern. Die wichtigste Erkenntnis ist aber, dass wir andere Gegner als uns selbst brauchen, um Abläufe zu entwickeln.“ Daher sollen im August weitere Testspiele folgen.

Und auch Stodt zieht eine positive Bilanz: „Wir müssen uns nicht verstecken, aber es gibt noch einiges zu tun.“ Sein Team müsse künftige Gegner öfter überraschen. Der eher kleine 22-Jährige war als U17-Bezirksliga-Fußballer im Trikot der Spvg Schwerin bereits für seine Schnelligkeit bekannt. Aus Zeitgründen hat er vor ein paar Jahren mit dem Fußball aufgehört.

Von der Taktik begeistert

Gemeinsam mit dem ein Jahr älteren Jonas - der einst beim TuS Henrichenburg kickte, aber nach eigener Aussage „nie wirklich begnadet“ war - sah er öfter Football-Übertragungen. Beide begeistern sich für die taktischen Finessen der Sportart, scheuen aber das Verletzungsrisiko der Vollkontakt-Variante. Nun ist daraus Castrop-Rauxels erstes Flagfootball-Team entstanden.

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„Da wir uns selbst trainieren, müssen wir keine Konzepte eines Trainers umsetzen“, sagt Ehm, „das bringt nicht nur Spaß, sondern fördert auch den individuellen Ehrgeiz.“ Seit März trainieren die Castroper Raptoren. Ehm: „In der Zeit hat der eine oder andere Spieler eine Entwicklung hingelegt, die niemand erwartet hätte.“

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