Eckhard Schultz - Vom Olympiasieger zum erfolgreichen Finanz-Manager

mlzWas macht eigentlich...?

Seinen Karrierehöhepunkt hatte Eckhard Schultz 1988 als Ruder-Olympiasieger in Seoul. Heute ist er im Finanz-Sektor unterwegs und feierte dort seinen zweiten, ganz eigenen Olympiasieg.

Castrop-Rauxel

, 08.05.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Kann der pure Zufall entscheidend sein, Olympiasieger zu werden? Bei Eckhard Schultz lautet die Antwort: „Ja.“ Mit 14 Jahren wollte er Tennis spielen und suchte sich einen Verein - er landete beim RV Rauxel auf der Wartburginsel zwischen Alter Fahrt und Rhein-Herne-Kanal. „Wir haben in Horneburg gewohnt, von dort bis zum RV Rauxel war es nur ein Steinwurf.“ Aus dem Tennisspieler wurde plötzlich ein Ruderer.

Denn wie das RV im Klub-Namen andeutet, handelt es sich um einen Ruderverein, in dem aber auch Tennis gespielt wird. So kam Eckhard Schultz fast zwangsläufig zum Rudersport - ein Glücksfall. Für den Jugend-Vierer wurde eine Verstärkung gesucht. Groß gewachsen wurde er vom Trainer angesprochen. Der Horneburger Junge stieg ins Boot - und erst als Olympiasieger wieder aus. „Im Tennis wäre ich wohl nicht so erfolgreich geworden“, sagte Schultz heute. Klar: Mehr als Olympiasieger geht nicht.

Schultz trainierte lieber statt auf Partys zu gehen

Erste Ruder-Erfolge kamen schnell: Landesmeister im Vierer mit 15 Jahren, mit 17 Junioren-Weltmeister im Achter. Der junge Mann zeigte Trainingshärte, Ehrgeiz, Teamfähigkeit und Stehvermögen. Aus dem Zufall wurde Leidenschaft. Als andere Teenager auf Partys gingen, ein paar Bierchen tranken, gab’s für Eckhard Schultz nur Schule und Training. „Ich habe nichts verpasst - wir hatten viel Spaß.“

Zur Person

Das ist Eckhard Schultz

Der 54-jährige Eckhard Schultz ist in Wolfsburg geboren, zog aber mit fünf Jahren mit seinen Eltern nach Horneburg. Sein größter sportlicher Triumph ist der Gewinn der Goldmedaille bei Olympia 1988 in Seoul mit Wolfgang Maennig, Thomas Möllenkamp, Matthias Mellinghaus, Ansgar Wessling, Armin Eichholz, Thomas Domian, Schlagmann Bahne Rabe, Steuermann Manfred Klein und Trainer Ralf Holtmeyer. Aktuell wohnt Schultz in Neuss und ist Finanz-Vorstand beim börsennotierten Wohnungsbau-Spezialisten LEG in Düsseldorf.

Nach der altsprachlichen Schulausbildung mit Latein und Altgriechisch am Recklinghäuser Gymnasium Petrinum absolvierte Eckhard Schultz neben dem Ruder-Training eine Banklehre, danach ein Wirtschaftsstudium an der Uni Bochum. „Meine Tage begannen morgens um fünf Uhr mit der ersten Trainingseinheit, gegen 22 Uhr war ich wieder daheim.“ Selbstbewusst war Eckhard Schultz auch. Beim Antrag auf Sporthilfe im Jahr 1980 trug er unter sportliche Ziele „Olympiasieger im Deutschlandachter“ ein - 1988 hat er geliefert.

Schultz präsentiert seine sportlichen Erfolge nicht öffentlich

Die Familie Schultz wohnt heute in Neuss. Dort schlummert die Olympia-Goldmedaille im Keller. „Von einem Schrein mit den sportlichen Erfolgen halte ich nichts. Bei uns im Haus gibt es überhaupt nur ein Foto von der Siegerehrung in Seoul.“

Bei der Rückkehr von den Olympischen Spielen 1988 gab es für die mit Gold dekorierte Achter-Crew im Dortmunder Ruder-Leistungszentrum eine große Feier. Beim RV Rauxel wurde Eckhard Schultz zum Ehrenmitglied auf Lebenszeit ernannt, Die Stadt Castrop-Rauxel gab einen Empfang im Rathaus mit Eintrag ins Goldene Buch.

Eckhard Schultz - Vom Olympiasieger zum erfolgreichen Finanz-Manager

Die Goldmedaille von Seoul 1988 hat Eckhard Schultz in seinem Keller verstaut. © Eckhard Schultz

2018 trafen sich die Gold-Ruderer in Nizza, um das 30-Jährige nach Seoul zu feiern. Zwei fehlten: Thomas Domian und Schlagmann Bahne Rabe, der nach der sportlichen Karriere an Magersucht erkrankte und mit nur 38 Jahren gestorben ist. „Bahnes Tod war ein harter Schlag für uns alle.“ In Nizza wurde natürlich auch gerudert. „Wir haben beim dortigen Ruderclub angefragt, ob sie uns einen Achter leihen könnten. Zuerst waren die skeptisch, als sie hörten, dass wir Olympiasieger sind, haben sie uns ein spezielles Boot geliehen, mit dem wir auf dem Meer rudern konnten, was riesigen Spaß gemacht hat.“

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Sportlich ist Eckhard Schultz auch mit 54 Jahren noch. Nicht mehr auf dem Wasser, aber: „Ich habe mir im Keller unseres Hauses ein kleines Fitnessstudio eingerichtet, in dem ich zwei- bis dreimal die Woche intensiv trainiere.“ Der Olympiasieger ist verheiratet und hat drei Kinder, einen Jungen (11 Jahre) und zwei Mädchen (9 und 12). In der Freizeit fährt Schultz leidenschaftlich gerne Motorrad. Vor zwei Jahren war er auf Kuba mit dem Sohn von „Che“ Guevarra unterwegs, der dort einen Harley-Davidson-Verleih betreibt. Ende April geht es mit seinem Bruder Burghard - mit ihm wurde er 1981 für den RVR Deutscher Meister im Jugend-Achter - mit den Bikes durch Andalusien.

Die Einschwörung nach dem WM-Destster 1987

Das alles gehört zu den Dingen im Leben, die man nie vergisst. Für Schultz gehört auch das olympische Achter-Finale auf der Misari-Regattastrecke, einige Kilometer außerhalb von Seoul, dazu. Für Olympia gebaut, war die Wasserfläche nicht viel länger als die geforderte 2000-Meter-Distanz. Ein Jahr vor Seoul hatte der Deutschland-Achter sein WM-Desaster erlebt mit Platz sechs. „Trainer Ralf Holtmeyer und wir Ruderer haben uns direkt nach dem WM-Rennen total niedergeschlagen darauf eingeschworen, dass alles besser werden muss.“ Es wurde besser.

Tausende Trainings-Kilometer wurden abgespult. „Das erste Rennen 1988 auf dem Essener Baldeneysee ließ aufhorchen. Wir haben den bärenstarken UdSSR-Achter deklassiert.“ Es folgten 17 Start-Ziel-Siege bis zum olympischen Finale - mehrfach auch gegen die DDR. „Daraufhin haben die DDR-Funktionäre den Achter für Olympia gestrichen, da man nicht hinter dem Klassenfeind landen wollte.“ Die DDR war in Seoul trotzdem die Ruder-Nation Nummer eins mit achtmal Gold in 14 Rennen.

Die Probleme am Stemmbrett von Eckhardt Schultz vor dem Finale

Der Finaltag am 25. September 1988: Kurz vor dem Start eine dramatische Situation. „Wir hatten uns warm gerudert, bei abschließenden Probestarts fehlte plötzlich an meinem Stemmbrett eine Schraube. Die Gefahr war groß, dass es sich im Rennen völlig lockert. Wir meldeten das offiziell an - der Start wurde verschoben. Es dauerte mehr als eine halbe Stunde, ehe eine neue Schraube gefunden war. „Die Temperaturen sanken, wir standen in unseren dünnen Trikots auf dem Steg, uns wurde kalt“, erinnert sich Schultz.

Nicht genug der Überraschungen: Nur Start-Ziel-Siege gewohnt, lagen die Amerikaner nach 1000 Metern noch leicht vorne, die Russen gleichauf. „Wir zogen einen Zwischenspurt an, der eine kleine Führung brachte, die nicht mehr abgegeben wurde bis zur Ziellinie.“ Ab 1500 Meter rudere man wie in einem Tunnel, würde nichts mehr hören und sehen, rufe allein noch das im Training gelernte wie ein Schweizer Uhrwerk ab, erklärt Schultz. Im Ziel lag der Deutschland-Achter zwei Sekunden vor der UdSSR, die USA gewann die Bronzemedaille. Das war eine von nur elf Olympia-Goldmedaillen 1988 für Deutschland. Und auch das erste Gold für einen Deutschland-Achter nach 1968 - den nächsten Olympiasieg gab es erst wieder 24 Jahre später 2012 in London.

Eckhard Schultz - Vom Olympiasieger zum erfolgreichen Finanz-Manager

Eckhard Schultz ist heute Finanz-Vorstand beim börsennotierten Wohnungsbau-Spezialisten LEG in Düsseldorf. © nehmzow.de

Beim Olympiasieg war Eckhard Schulz 23 Jahre alt. An sich wollte er sportlich mit gebremstem Training weiter rudern bis zur WM 1990 in Tasmanien, dafür aber das Studium intensiver vorantreiben. „Das klappte nicht, die nachrückende Konkurrenz für den Achter zog an mir vorbei. Da mehr als ein Olympiasieg nicht geht, habe ich mich nur noch aufs Studium konzentriert und das auch in Rekordzeit als Drittbester des Jahrgangs abgeschlossen.“

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Beruflich ging es danach für Eckhard Schultz wie im Sport bergauf. Erste Station war die Hypotheken- und Wechselbank München. Es folgte der Einstieg bei Roland Berger, einer weltweit operierenden Wirtschafts-Beraterfirma. Den Sprung in den Immobilien-Sektor wagte er im Jahr 2002 bei der Münchner Schörghuber Gruppe. Dort stieg er rasch auf bis in die Geschäftsleitung. Es folgte 2009 der Schritt zurück nach NRW zum Düsseldorfer Wohnungsspezialisten LEG. Dort ist er nun Finanz-Vorstand und hat maßgeblich den Börsengang dieser Firma vorbereitet und durchgeführt. „Dieser erfolgreiche Börsengang war mein zweiter Olympiasieg“, unterstreicht Eckhard Schultz.

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