Exoten versalzen Deutschland die Suppe bei der Generalprobe

Vor der Korfball-WM

Die deutsche Korfballnationalmannschaft hat ihr abschließendes Testspiel vor der WM in Südafrika verloren. Das DTB-Team musste sich dem Neuling Surinam mit 24:26 (13:11) geschlagen geben.

Castrop

, 21.07.2019, 18:02 Uhr / Lesedauer: 3 min
Exoten versalzen Deutschland die Suppe bei der Generalprobe

Die Mannschaft von Surinam war am Wochenende in Castrop-Rauxel zu Korfball-Länderspielen zu Gast. © Volker Engel

Mit dem südamerikanischen Land, das nördlich von Brasilien liegt, verbindet man nicht unbedingt den Sport Korfball. Was viele aber nicht wissen: Surinam ist eine ehemalige Kolonie der Korfball-Hochburg Niederlande und startet ebenfalls bei der WM in Südafrika Anfang August. Denn der komplette surinamische Kader spielt in der renommierten ersten oder zweiten niederländischen Liga. Dementsprechend reduzierte sich der Anreiseweg der Surinamer von 7800 Kilometer auf gerade einmal 300 Kilometer. Korfball-Nationaltrainer Wilco van den Bos berichtete nach der 24:26-Niederlage seines Teams gegen die Südamerikaner, dass Surinam in Korfballer-Kreisen unter den besten Vier bei der WM gehandelt wird.

Exoten versalzen Deutschland die Suppe bei der Generalprobe

Lea Witthaus vom Schweriner KC gelangen gegen Surinam fünf Körbe. © Volker Engel

Sechs Castrop-Rauxeler fliegen zur WM

Aus Castrop-Rauxel fahren sechs Korbjäger zur Weltmeisterschaft: Johanna Treffts, Lea Sander (beide KV Adler Rauxel), Lea Witthaus, Johanna Gnutt, Anna Schulte und Pascal Demuth (alle Schweriner KC). Lea Witthaus, die mit fünf Treffern gegen Surinam die erfolgreichste Werferin war, kann den Trubel um das südamerikanische Team nicht wirklich verstehen. „Keine Frage sie haben gute Einzelspieler, aber man konnte einige Schwächen im Spielsystem erkennen.“

Exoten versalzen Deutschland die Suppe bei der Generalprobe

Johanna Treffts vom KV Adler Rauxel. © Volker Engel

8:2-Führung nach 15 Minuten

Trotz Respekt vor dem unbekannten Gegner startete Deutschland gut in das Spiel. Aufgrund des Testspiel-Charakters hatte man sich dazu entschieden nicht wie üblich zwei Halbzeiten zu spielen, sondern die 60-minütige Partie in sechs Teile aufzuteilen. Nach 15 Minuten konnte Deutschland sich durch schnelles Kombinationsspiel mit sechs Treffern Vorsprung auf 8:2 absetzen. In einer anschließenden Drangphase der Surinamer traf Deutschland oftmals die falsche Entscheidung vor dem Korb und musste fünf Treffer in Folge hinnehmen. Danach gestaltete sich der Spielverlauf bis zur Halbzeit sehr ausgeglichen.

Exoten versalzen Deutschland die Suppe bei der Generalprobe

Pascal Demuth (am Ball) vom Schweriner KC. © Volker Engel

Präzise Weitwürfe

Die Verteidigungsreihen beider Teams ließen sich gegenseitig kaum Raum, sodass es kaum Abschlüsse gab. Gleichzeitig konnten die Offensivkräfte der Teams durch präzise Distanzwürfe hüben wie drüben glänzen. Mit einem knappen aber verdienten 13:11 ging es für die Deutschen in die Pause. In der zweiten Spielhälfte konnte man zunächst keine Krafteinbußen auf beiden Seiten erkennen. Ab der 40. Minute merkte man allerdings den Deutschen an, dass ihre Dynamik etwas nachließ. Immer öfter kam Surinam zu Chancen und ging am Ende vorletzten Spielabschnittes mit 21:20 in Führung.

Exoten versalzen Deutschland die Suppe bei der Generalprobe

Johanna Gnutt (am Ball) vom Schweriner KC. © Volker Engel

Die 70 Zuschauer in der Sporthalle der Willy-Brandt-Gesamtschule konnten das aber nur ahnen. Denn die große Anzeigetafel an der Bahnhofstraße zeigte ihnen das Ergebnis nicht. Das Resultat sahen nur die Sportler selbst auf einem Monitor, der hinter der Wettkampfleitung aufgebaut war.

Spannende Schlussphase

In der Schlussphase des Spiels wurde es dann noch einmal spannend. Beim Stand von 22:24 wurde Deutschland ein Strafwurf zugesprochen. David Liepold (SG Pegasus) versagten allerdings die Nerven. Er verpasste die Chance zum 23:24. Danach folgten Körbe im Wechseltakt und nach 60 Minuten stand eine 24:26 Niederlage zu Buche.

Deutschland verlor zwar seine WM-Generalprobe, kann aber trotzdem viel Positives aus diesem Test ziehen. „Die erste Halbzeit haben wir richtig stark gespielt. In der zweiten Halbzeit hätten wir das natürlich besser machen können“, sagte der Castrop-Rauxeler Pascal Demuth (Schweriner KC). Vereinskameradin Lea Witthaus ergänzte: „Wir hatten Vertrauen in uns und in unsere Spielweise. Das können wir defintiv auf die WM übertragen. Dass wir das Spiel verloren haben, lag vorallem an unserer schlechten Wurfauswahl in der Offensive.“

Am Samstag, 29. Juli, geht es für die deutsche Korfball-Nationalmannschaft nach Durban. In der Vorrunde treffen die Deutschen auf Gastgeber Südafrika, Japan und Portugal. Für die WM haben sich die Spieler ehrgeizige Ziele gesetzt - am Ende wolle man sich mit der Bronze-Medaille belohnen, so Demuth.

Exoten versalzen Deutschland die Suppe bei der Generalprobe

Anna Schulte (l) vom Schweriner KC. © Volker Engel

Surinam-Spieler suchte Landsleute in den Niederlanden

Die Nummer 13 der Wochenend-Gäste, Gerald van Dijk, hatte die Nationalmannschaft von Surinam 2017 selbst ins Leben gerufen. Der ehemalige niederländische Nationalspieler ist kein unbeschriebenes Blatt im Nachbarland, sondern als „Mister 1000-Körbe“ der Top-Liga bekannt. Der mittlerweile 36-Jährige suchte überall in den Niederlanden Korfballer zusammen, deren Eltern oder Großeltern aus Surinam stammen.

Exoten versalzen Deutschland die Suppe bei der Generalprobe

Lea Sander vom KV Adler Rauxel © Jochen Schittkowski

„Das war und bleibt ein großes Projekt“, sagte Gerald van Dijk selbst. 2018 gewann sein Team die Amerika-Meisterschaft und verdiente sich somit das WM-Ticket. Und van Dijk rechnet hoch: „Wenn alles so läuft, wie wir alle glauben, treffen wir im Viertelfinale wieder auf Deutschland.“

Deutschland-Trainer Wilco van den Bos meint: „Das ist auch unser Ziel. Und meiner Meinung nach sind wir für dieses Duell jetzt sehr gut vorbereitet.“

Lesen Sie jetzt