Torwart Michael Esser spricht über Corona-Tests und ein mögliches Karriereende

mlzMichael Esser

Aus Castrop-Rauxel in die weite Welt des Fußballs. Michael Esser ist nach unzähligen Stationen Stammkeeper bei Hannover 96. Die freien Tage verbringt er bei seiner Familie in Obercastrop.

Castrop-Rauxel

, 14.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Michael Esser identifiziert sich mit Castrop-Rauxel. Das ist nicht selbstverständlich. Der Torwart des Fußball-Zweitbundesligisten Hannover 96 startete 1993 bei den Mini-Kickern von Arminia Ickern seine bewegte Laufbahn, die ihn nach unzähligen Stationen zum zweiten Mal nach Hannover führte. Dort ist er Stammtorwart, seine Familie lebt aber nach wie vor in Obercastrop. Wir sprachen mit dem 32-Jährigen über den Spagat in einer schwierigen Zeit mit Corona-Auflagen, über den Alltag eines Fußball-Profis, über seine Ziele und über sein Karriereende.

Lassen Sie uns zunächst über Corona reden, der Sport muss mal hinten anstehen. Hannover 96 stand ja im März schon einmal komplett in Quarantäne mit zwei Fällen. Timo Hübner war sogar der erste Profi im deutschen Profi-Fußball, der mit Corona infiziert war. Wie sieht’s bei Ihnen aktuell aus?

Bei der ersten Quarantäne war ich ja nicht in Hannover, ich bin ja erst wieder seit dem Sommer aus Hoffenheim zurück, habe das also nicht unmittelbar mitbekommen. Bei mir persönlich läuft es soweit, ich bin gesund, das ist die Hauptsache. Aber mein zwölf Jahre alter Sohn musste in Quarantäne, vorsichtshalber. Daran erkennt man: Corona kommt immer näher.

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Können Sie uns mal einen Einblick geben, wie es im Tagesablauf eines Profis zugeht unter Corona-Bedingungen? Wie oft werden Sie eigentlich getestet?

Es hat sich natürlich einiges geändert bei uns im Ablauf. Zweimal in der Woche müssen wir morgens um 8 Uhr einen Abstrich machen lassen. Um 10 Uhr sind wir dann auf dem Trainingsplatz. Dann warten wir auf die Ergebnisse. Jeder hofft natürlich, dass alle negativ sind. Nach dem Training ist es viel ruhiger geworden als vor der Corona-Zeit. Für mich persönlich heißt das: Ich bleibe lieber zuhause, halte mich weniger in der Öffentlichkeit auf, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren.


Es heißt ja immer, die psychische Belastung durch die Kontaktbeschränkungen sind sehr belastend. Wie gehen Sie damit um?

Das macht mir nicht so viel aus. Ich denke, die Einschränkungen werden eine bestimmte Zeit lang dauern, sind aber dann auch mal wieder vorbei. Ich besinne mich in dieser Corona-Zeit auf die schönen Sachen im Leben. Ich denke und hoffe, mit dieser Einstellung die Zeit gut zu überstehen.

Verbringt seine freien Tage bei der Familie in Castrop-Rauxel: Hannovers Torwart Michael Esser.

Verbringt seine freien Tage bei der Familie in Castrop-Rauxel: Hannovers Torwart Michael Esser. © dpa

Ihre Laufbahn ist ja schon sehr besonders. Sie haben schon für unzählige Klubs gespielt. Los ging es bei Arminia Ickern, dann folgten in der Jugend die Stationen VfR Rauxel, SV Sodingen, VfL Bochum, SpVgg Erkenschwick, Wacker Obercastrop, VfB Habinghorst. Im Seniorenbereich ging es zum VfL Bochum 2, erste Profi-Station war dann der VfL Bochum, ein Jahr später Sturm Graz, dann der SV Darmstadt, 2017 ging’s zum ersten Mal nach Hannover. Sind Sie eher der unruhige Typ, den es nirgendwo hält?

Ganz im Gegenteil, vom Charakter her bin ich eher der ruhige Typ. Und die Wechsel im Profi-Bereich kann ich erklären. Der Wechsel von Bochum nach Graz war sportlich eine spannende Herausforderung. In Österreich hatte ich eigentlich einen Dreijahresvertrag, den ich erfüllen wollte. Aber als der SV Darmstadt aus der Bundesliga angefragt hat, war mir klar: Das musst du machen. Das war natürlich sehr attraktiv - und eine tolle Chance, auch wenn wir leider abgestiegen sind.

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Wie fassen Sie die drei Jahre danach zusammen? Sie sind 2017 als eingeplante Nummer eins aus Darmstadt gekommen, mussten sich aber überraschend hinter Philipp Tschauner einsortieren. Im nächsten Jahr wurden Sie die Nummer eins, bis plötzlich Ron-Robert Zieler zurückkam und Sie wieder auf der Bank saßen. Dann folgte ein halbes Jahr Hoffenheim, um jetzt wieder die Nummer eins zu sein in Hannover. Sie haben mal von einer Achterbahnfahrt gesprochen.

Ja, das stimmt natürlich schon. Irgendwie was das ja auch wie eine Achterbahnfahrt. Aber das macht Hannover 96 ja auch ein Stück weit auch aus. Hier ist immer was los.


Wie haben Sie die sechs Monate in Hoffenheim erlebt. Konnten Sie sich dort weiterentwickeln, obwohl Sie auf der Ersatzbank saßen?

Auf jeden Fall. Das Training war absolut top. Die Bedingungen hier sind auch super, aber dort gibt es eben nochmal mehr Möglichkeiten und Personal. Aber natürlich hatte ich auch den Wunsch zu spielen, deshalb habe ich das Angebot aus Hannover sofort angenommen.

Macht sich noch keine Gedanken über sein Karriereende: Michael Esser will so lange spielen, wie ihn seine Beine tragen und er gesund ist.

Macht sich noch keine Gedanken über sein Karriereende: Michael Esser will so lange spielen, wie ihn seine Beine tragen und er gesund ist. © dpa

Als Torwart haben Sie oft einen einsamen Job. Wie ist das ohne Zuschauer im Rücken?

Mit dem Anpfiff schalte ich alles aus, war Drumherum abläuft, und konzentriere mich nur aufs Spiel. Natürlich ist es schöner mit Fans zu spielen, die Stimmung ist besser. Aber wie gesagt. Ich versuche, alles um mich herum auszublenden.

Was glauben Sie, spielen Sie nochmal in der 1. Bundesliga? Kann „96“ wieder aufsteigen?

Die 1. Bundesliga ist auf jeden Fall mein sportlicher Traum und auch ein Grund, warum ich zurückgekommen bin. Wir sind 2019 abgestiegen, haben also etwas geradezurücken.

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Zurück nach Castrop-Rauxel. Welche Beziehung haben Sie zu Ihrem Geburtsort?

Eine sehr intensive. Meine Eltern wohnen ebenso wie meine Familie in Castrop-Rauxel. In Hannover habe ich eine kleine Wohnung, an den freien Tagen fahre ich aber immer wieder zurück ins Ruhrgebiet. Es sind ja nur zwei Stunden mit dem Auto.

Sie werden bald 33 Jahre alt. Für einen Torwart ist das kein Alter. Haben Sie schon mal über ihr Karriereende nachgedacht?

Nicht wirklich, ich habe auch keine bestimmt Zahl vor Augen. Wenn die Leistung stimmt und ich gesund bleibe, dann will ich noch einige Jahre spielen. So lange, wie meine Beine mich tragen.

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