Gewalt vor den Augen der Kinder: Karatekick und Faustschlag beim FC Frohlinde

mlzPit-Steinert-Gedächtnisturnier

Es sollte ein freundschaftliches Turnier sein, eine Woche vor dem Saisonbeginn im Jugendfußball: Der FC Frohlinde hatte befreundete Clubs eingeladen. Und dann gab es diesen einen Ausraster.

Frohlinde

, 03.09.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Spaß sollten sie sorgen, die erstmals ausgespielten Juniorenfußball-Turniere am Wochenende beim FC Frohlinde. Es ging um die Pit-Steinert-Gedächtnispokale. Und dann das: Vor den Augen der Kinder gab es am Samstag eine Prügelei unter Erwachsenen. Beteiligt waren Trainer und Zuschauer.

Es passierte während des E-Junioren-Spiels des FC Frohlinde II gegen den VfB Börnig. Die Kinder sind gerade einmal 9 oder 10 Jahre alt.

Der Börniger Trainer Christian Weiß schilderte das Geschehen am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion so: „Es war ein ganz ruhiges Spiel von beiden Seiten. Negativ auffällig wurde lediglich der Frohlinder Trainer gleich nach dem ersten Foul an einem seiner Spieler. Ein Foul ist danach aber auch gegen uns passiert – und wir sind ruhig geblieben.“

Eskalation nach einem Pressschlag

Der Frohlinder Trainer war Umut M. (41), der in der Saison zuvor als Aushilfs-Trainer fungierte und erst vor wenigen Tagen die Verantwortung vom Teamverantwortlichen Dirk Vierhaus übernommen hatte.

Gewalt vor den Augen der Kinder: Karatekick und Faustschlag beim FC Frohlinde

© privat

„Der FC Frohlinde steht für Sportlichkeit, Fairness und Gastfreundschaft.“
Dirk Werdelmann

Eine Mutter eines Frohlinder Spielers berichtete, dass die Situation nach einem weiteren Foul an einem FCF-Spieler eskalierte. Börnigs Trainer Weiß sprach von einem Pressschlag, bei dem sich der Frohlinder Spieler gewiss mehr wehgetan habe als sein eigener Schützling.

Weiß: „Daraufhin wurde der Frohlinder Trainer mir gegenüber und dem Schiedsrichter, der noch Teenager ist, äußerst aggressiv.“

Faustschlag ins Gesicht

M. habe ihn mit der Brust mehrmals weggedrückt, erklärte Weiß: „Ich habe ihm gesagt, dass er sich beruhigen solle. Er wurde aber immer aufbrausender.“

Die Szene gipfelte laut Christian Weiß darin, dass M. Anlauf genommen habe und ihn per Faustschlag niederstreckte. Der Börniger Trainer sagte: „Ich habe den Schlag einfach hingenommen, weil ich vor den Kindern nicht gewalttätig auftreten darf. Das hat auch mein Sohn mit ansehen müssen.“

Dann griffen weitere Zuschauer in den Streit ein

Danach ging es aber weiter. Ein 67-jähriger Herner eilte herbei, um Weiß zu schützen. Auch diesen soll Umut M. angegriffen haben. Daraufhin habe der Sohn des 67-Jährigen eingegriffen: Er sprang mit dem Fuß voraus M. in den Rücken. Die Frohlinder Mutter betonte: „Das ist vor den Augen der Kinder aber ebenfalls nicht in Ordnung.“

Wie zu hören war, kam es dazu noch zu weiteren Aggressionen von M. gegenüber Zuschauern, die schlichten wollten.

SG-Trainer rief die Polizei dazu

Ein Trainer von der SG Castrop, die ebenfalls beim Turnier mitspielte, rief daraufhin die Polizei. Diese traf an der Brandheide ein und nahm die Aussagen der Beteiligten auf.

Hier soll sich Umut M. als Opfer und nicht als Täter dargestellt haben, so Christian Weiß: „Das ist mir unverständlich. Schließlich war er der einzige Aggressor. Niemand anderer von den beiden Mannschaften - kein Spieler und kein Zuschauer - ist ausgerastet.“

Sportplatzverbot ausgesprochen

Der 2. Frohlinder Jugendleiter Dirk Werdelmann und seine Vorstands-Mitstreiter reagierten schnell. Sie entbanden M. von seiner Trainer-Aufgabe und verhängten ein Sportplatzverbot an der Brandheide gegen ihn. Werdelmann: „Er darf die Anlage nicht mehr betreten. Wie andere Vereine reagieren – wie etwa der VfB Börnig – ist diesen überlassen.“

Dirk Werdelmann veröffentlichte kurz nach dem Vorfall auf Facebook eine Vereins-Nachricht des FC Frohlinde: „Wir bedauern diesen Vorfall sehr und entschuldigen uns bei allen Kindern, Eltern und Gästen“, hieß es da.

„Vereinsintern arbeiten wir das Geschehen auf und ziehen die entsprechenden Konsequenzen für die Zukunft. Der FC Frohlinde steht für Sportlichkeit, Fairness und Gastfreundschaft. Diese Werte sind für uns unverrückbar.“

Neue Begegnung geplant

Damit soll aber noch nicht Schluss sein. Dirk Werdelmann sagte: „Wir wollten den teilweise durch die Situation verstörten Kindern zeigen, dass sie absolut nichts falsch gemacht haben. Wir werden uns mit beiden Mannschaften bald noch mal für ein Freundschaftsspiel in Börnig treffen.“

Die Redaktion versuchte am Montag, eine Stellungnahme von Umut M. zu bekommen. Der war allerdings nicht zu erreichen.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt