Ingo Anderbrügge attackiert die Bundesregierung: „Kindern wird ihr Vereinssport genommen“

mlzCoronavirus

Zu Beginn seiner Profi-Laufbahn war Ingo Anderbrügge viele Stunden des Tages in Castrop-Rauxel. Mit seiner Fußballschule kehrte er mehrfach zurück. Jetzt sorgt er mit Aussagen bundesweit für Aufsehen.

Castrop-Rauxel

, 05.11.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Sommer 1980 hatte der 16-jährige Ingo Anderbrügge gerade die Schule mit der Mittleren Reife abgeschlossen. Der spätere Fußball-Profi beim BVB und Schalke 04 verschlug es danach nach Castrop-Rauxel. Der Dattelner bewarb sich und absolvierte drei Jahre Ausbildung bei Klöckner-Becorit, einem Bergbauausrüster hinter dem Hauptbahnhof in Rauxel. Im Ein- und Verkauf, Buchhaltung, Vertrieb und Planung.

Anderbrügge gastiert mit Fußballschule in Castrop-Rauxel

Eigentlich ist Anderbrügge auch bei den späteren Gastspielen seiner „Fußballfabrik“, einer Fußballschule, die bundesweit Camps organisiert, in Castrop-Rauxel für seine Ruhe und ruhige Ansprache bekannt geworden. Jetzt aber hat er dem sich offenbar angestauten Frust im Internet bei Facebook Luft gemacht. Der Dattelner verfasste einen langen Text mit der Forderung: „Die Bundesregierung hat die verdammte Pflicht, den Menschen nicht Hoffnung, Zuversicht und Perspektiven zu rauben!“

Der heute 56-jährige Ingo Anderbrügge ruft nicht vom hohen Ross herunter. Auch den Uefa-Pokal-Sieger 1997 mit Schalke trifft der zweite Corona-Lockdown. Er hat kein Verständnis dafür. Er berichtet in seinem Facebook-Post: „Ich musste im Frühjahr vier Monate mein Unternehmen schließen, meine 15 Mitarbeiter schweren Herzens nach Hause schicken und hatte schlaflose Nächte.“

Aufgeben sei für ihn aber keine Option gewesen, betont er. Anderbrügge erklärt: „Wir haben im ersten Lockdown tolle Konzepte für kontaktfreien Sport im Outdoor- und Indoor-Bereich entwickelt, waren bei Städten, Kreisen und Bundesländern vorstellig, und überall wurde unser Konzept anerkannt. Ich hatte Hoffnung und schaute mit Zuversicht auf den Rest des Jahres.“

Nach einem 2:1-Sieg im Jahr 1996 gegen Bayern München zogen Ingo Anderbrügge und Schalke 04 in den Uefa-Pokal ein.

Nach einem 2:1-Sieg im Jahr 1996 gegen Bayern München zogen Ingo Anderbrügge und Schalke 04 in den Uefa-Pokal ein. © picture-alliance / dpa

Ex-Profi hat Sorge um Kinder und Jugendliche

Und jetzt? Diese Zuversicht sei ihm und seinem Team wieder genommen worden, schreibt Ingo Anderbrügge und bringt seinen Standpunkt deutlich zum Ausdruck. „Die Bundesregierung“, meint er, „hat nicht nur die Pflicht, unser Land vor Katastrophen zu schützen, sie hat auch die Pflicht, Gefahren richtig einzuschätzen und rational zu handeln. Zudem hat die Bundesregierung aber auch die verdammte Pflicht, dieses Land nicht zu verunsichern, keine Angst zu schüren und den Menschen nicht Hoffnung, Zuversicht und Perspektiven zu rauben!“

Ingo Anderbrügge sorgt sich vor allem um die Kinder und Jugendlichen. „Jeden Tag werden im Fernsehen, im Radio, in den Zeitungen und im Internet die schlimmen Zahlen heruntergelesen, und es wird Verunsicherung verbreitet“, schreibt der 292-fache Bundesliga-Spieler.

Ingo Anderbrügge: „Die Regierung sieht nur die schwarzen Schafe“

„Im Sport gewinnt man als Einzelsportler oder auch als Team kein einziges Spiel mit Angst und Verunsicherung, dazu braucht es Zuversicht, Motivation und positive Gedanken.“ Ingo Anderbrügge fragt: „Warum hört man nicht auf Experten wie Hendrik Streeck, Andreas Gassen oder Jonas Schmidt-Chanasit?“

Ingo Anderbrügge meint, dass die Maßnahmen der Bundesregierung in keiner Relation mehr stünden. „Alle werden über einen Kamm geschoren“, schreibt der ehemalige Auszubildende in Rauxel und fragt: „Wo bleibt die Klassifizierung der Branchen? Warum belohnt man nicht diejenigen, die sich an alle Vorgaben und Hygienekonzepte halten? Das sieht die Regierung nicht. Sie sieht nur die schwarzen Schafe und pauschalisiert uns alle.“

Übrigens: Für den 8. bis 10. April 2021 ist geplant, dass Ingo Anderbrügge mit seiner „Fußballfabrik“ beim TuS Henrichenburg an der Lambertstraße einen Halt mach. Hoffentlich.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt