Kommt es auf die Größe an? Der größte Torwart Castrop-Rauxels - und ein ganz kleiner

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Die Torhüter Pascal Schrötter (Arminia) und Christopher Ebeling (Wacker) begegnen sich wegen des Größenunterschieds nicht auf Augenhöhe. Dennoch hätte der eine gerne die Stärken des anderen.

Castrop-Rauxel

, 21.01.2020, 12:19 Uhr / Lesedauer: 3 min

František Plánička war klein, aber ein ganz Großer der Torwart-Zunft. Geboren 1904 in Prag, damals noch Teil Österreich-Ungarns, führte er 30 Jahre später die Tschechoslowakei zur Vize-Weltmeisterschaft. Ein tollkühner Flieger im Strafraum, der als „Katze von Prag“ in die Fußball-Geschichte eingegangen ist. Trotz seiner Körpergröße.

Kleiner als 1,80 Meter das war er auf jeden Fall. Manche sagen 1,78 Meter, andere gar 1,72 Meter. Die Online-Enzyklopädie Wikipedia macht da widersprüchliche Angaben. Je nachdem welche Version man aufruft, die deutsche oder die englische.

Mindestmaß von 1,90 Meter?

Die Gegensätze sind offensichtlich zu dem, was man heute als Gardemaß für einen Keeper hält. Da kommt es auf diese paar Zentimeter Widerspruch nicht an. Manuel Neuer misst beispielsweise 1,93 Meter. Alisson Becker vom FC Liverpool, erst kürzlich zum Welttorhüter gewählt, ist mit 1,91 Meter etwas kleiner.

„Alle sagen immer: Torhüter müssen groß sein, am besten mindestens 1,90 Meter, die langen Recken sind die stärksten. Aber das ist so einfach nicht richtig“, sagte mal der ehemalige Nationaltorwart Timo Hildebrand (VfB Stuttgart, Schalke 04).

Schrötter ist quasi ein Libero

Pascal Schrötter aus Castrop-Rauxel sieht das genauso. Der 24-Jährige ist derzeit an der Hüfte verletzt, steht sonst aber im Tor des A-Kreisligisten Arminia Ickern. Größe: 1,72 Meter. Etwa wie František Plánička.

Heutzutage spiele man im Amateurbereich überwiegend mit Viererkette. Und da „ist ein moderner Torwart eher ein mitspielender Torwart, quasi der Libero“, sagt Schrötter. Aber gerade bei hohen Flanken wünsche er sich schon die gewissen Zentimeter mehr.

Kommt es auf die Größe an? Der größte Torwart Castrop-Rauxels - und ein ganz kleiner

Christopher Ebeling während der Hallenstadtmeisterschaft © Volker Engel

Dieses Problem hat Christopher Ebeling (21 Jahre) mit seinen 2,05 Meter nun wirklich nicht. Das Bild bei der Hallenstadtmeisterschaft Anfang Januar hatte schon etwas kurioses an sich: Der Schlussmann des Landesliga-Tabellenführers Wacker Obercastrop überragte sein Tor. „Beim Nachhintengehen muss ich auf den Kopf achten“, sagte Ebeling damals am Mikrofon unserer Reporter und musste schmunzeln: „Ich bin aber daran gewöhnt. Wenn ich durch Türen gehe, muss ich auch immer den Kopf einziehen.“

Hüne ist nur schwerlich im Eins-Gegen-Eins zu besiegen

In der Halle, im Eins-gegen-Eins, war der Wacker-Mann nur schwer zu überwinden. Kommt er raus und macht sich breit, wird es für den Stürmer eng - gerade bei den kleineren Toren, auf die unter dem Hallendach gespielt worden war.

Und auf dem Feld strahlt allein die Länge Ebelings Präsenz im Strafraum aus, zum Beispiel bei Ecken. „Als großer Keeper hat man vielleicht Probleme, bei flachen Bällen schnell runter zu kommen, dafür müssen kleinere dann eher an der Sprungkraft üben. Letztlich ist es viel Trainingssache“, meint Ebeling.

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Yann Sommer von Borussia Mönchengladbach gehört mit 1,83 Metern zu den kleineren Bundesliga-Torhütern. „Er kann trotzdem die Bälle aus dem Winkel fischen und ist ein Weltklasse-Torwart“, sagt Ebeling. Das gleiche Beispiel nennt auch Schrötter, unabhängig von seinem Wacker-Kollegen. „Er gehört für mich aktuell zu den besten Torhütern in der Bundesliga. Da sieht man, dass die Körpergröße nur ein Faktor von vielen ist, um ein guter Torwart zu sein“, findet Ickerns verletzter Schlussmann.

Beweglichkeit in der Hüfte ist wichtig

Worauf kommt es noch an? Beweglichkeit in der Hüfte etwa. „Wir machen viel koordinatives Training. Nicht zur um schnell runter, sondern auch um schnell hochzukommen“, berichtet Ebeling, der seit Sommer mit Wackers neuem Torwart-Trainer David Menke arbeitet. Seitdem hätten er und David Scholka sich noch mal gesteigert, sagen viele aus dem Obercastroper Umfeld.

Und wie erreichen 2,05 Meter schnellstmöglich den Boden? „Durch Schüsse rechts und links nah an den Körper, zu denen man immer wieder heruntergehen muss, bringen viel Routine rein“, sagt der Hüne Ebeling.

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Sechs Jahre beim VfL Bochum

Pascal Schrötter hatte in der Jugend sechs Jahre lang für den VfL Bochum gespielt. Auch da war er einer der Kleinsten. Weiter als bis zur C-Jugend ging es deshalb nicht. Dennoch hat er vieles von dort mitgenommen.

Eine besondere Ausbildung, die ein Keeper im Amateurbereich nur in den seltensten Fällen genießen kann: Sprungkraft, Strafraumbeherrschung, Spielverständnis. Diese Fähigkeiten hat er beibehalten.

Viele Stürmer sehen ihm das nicht an. „Man wird vor allem vor dem Spiel vom Gegner unterschätzt, wenn sie sagen: Bei dem Torwart nur hochschießen“, sagt Schrötter. „Umso schöner ist es, wenn man ihnen das Gegenteil beweisen kann.“

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