Castrop-Rauxels kuriosester Sportplatz: Wenn der Flachpass zur Volleyauflage wird

mlzVfR Rauxel

Hybridrasen sind im Profifußball in Mode: ein Gemisch aus Rasen und Kunstrasen. Auch in Castrop-Rauxel gibt es einen Hybridplatz - aber in ganz anderer Form und mit kuriosen Geschichten.

Rauxel

, 19.12.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Generationen von Fußballern haben auf dem Sportplatz an der Vördestraße, der 1954 errichtet wurde, das Fußballspielen gelernt. Seine Beschaffenheit macht ihn zu Castrop-Rauxels kuriosestem Sportplatz.

Wer das Waldstadion in Rauxel nicht kennt und das Eingangstor betritt, über dem groß der Name des Vereins VfR Rauxel 08 prangt, der ahnt noch nicht ganz, was sich dahinter verbirgt. Dass es sich um einen Rasenplatz handelt, das sieht jeder auf den ersten Blick.

Die Ascheschichten in den Strafräumen

Doch der Platz hat zwei Besonderheiten - eine in jedem Strafraum. Im Grunde handelt es sich um einen Hybridrasen, allerdings in besonderer Form. Denn auf einer Breite von etwa 8 Metern, vom Tor ausgehend, erstreckt sich über eine Länge von bis zu 20 Metern eine Ascheschicht. Das ist in dieser Form einmalig in der Umgebung: Rasen allüberall, aber rund ums Tor Asche-Rechtecke.

„Die Gegner fluchen alle über unseren Platz“, sagt Christopher Lammers, Kapitän des VfR Rauxel in der Kreisliga C. „Bei Fehlpässen zeigen sie immer auf den Platz und schütteln mit dem Kopf.“

Das Luftbild zeigt im Setember 2019 das Waldstadion des VfR Rauxel an der Vördestraße. Vor den Toren sind die Ascheflächen zu sehen.

Das Luftbild zeigt im Setember 2019 das Waldstadion des VfR Rauxel an der Vördestraße. Vor den Toren sind die Ascheflächen zu sehen. © Jens Lukas

Das Problem: Zwischen dem Rasen und der Aschefläche gibt es im Übergang eine Kante, und die ist mehrere Zentimeter hoch. Dadurch wird ein Flachpass durchaus auch mal zur Volleyauflage direkt am Strafraum. Oder zum Fluch für den Torhüter.

VfR-Keeper Pascal Wagner hat damit reichlich Erfahrungen gemacht. „In einem Spiel kam der Ball flach auf mich zu, und plötzlich sprang der hoch und über mich hinweg“, erzählt der Torwart.

Große Löcher auf dem Rasenplatz

Zwar schaut der Rasen im späten Herbst immer noch erstaunlich Grün und satt aus, doch wer sich auf dem Sportplatz bewegt, der merkt schnell: Hier ist Fußballspielen ein Problem. „Irgendwo in der Nähe des Strafraums ist ein großes Loch, das findet man schnell“, verrät Christopher Lammers. Auf dem Rasenplatz einen sauberen Pass zu spielen, das erscheint da nahezu unmöglich. Selbst der Pass des feinsten Technikers fängt aufgrund des unebenen Geläufs zu holpern an.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Das Waldstadion - so sieht der Sportplatz des VfR Rauxel aus

16.12.2019
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Der Eingangsbereich des Waldstadions an der Vördestraße.© Volker Engel
Der Eingangsbereich des Waldstadions an der Vördestraße.© Volker Engel
Der Eingangsbereich des Waldstadions an der Vördestraße.© Volker Engel
Asche im Strafraum, der Rest ist Rasen - ein kurioser Anblick.© Marcel Witte
Asche im Strafraum, der Rest ist Rasen - ein kurioser Anblick.© Marcel Witte
Bundesliga-Flair gibt es im Waldstadion an der Vördestraße nicht. Stattdessen gibt es dort allerdings Castrop-Rauxels kuriosesten Sportplatz.© Marcel Witte
So wirklich gerade sind die Außenlinien im Waldstadion nicht.© Marcel Witte
Die Tribüne des Waldstadions an der Vördestraße.© Volker Engel
Asche im Strafraum, der Rest ist Rasen - ein kurioser Anblick.© Marcel Witte
Übergänge wie diese gibt es einige auf dem Sportplatz. An einer dieser Stellen hat sich auch Rauxels Kapitän Christopher Lammers verletzt.© Marcel Witte
Die Bank der Heimmannschaft des Waldstadions an der Vördestraße.© Volker Engel
So sieht es dann aus, wenn zwei Teams auf dem Sportplatz spielen.© Marcel Witte
So sah der Sportplatz im Sommer aus - die Feuerwehr musste beim Gießen helfen.© Archiv
Wie dieses Bild einer Jugendmannschaft des VfR von 1965 zeigt, bestand auch damals der Sportplatz schon in seiner jetzigen Form. Auf dem Bild zu sehen (oben, v.l.) Platzwart und Kassierer Heinrich Winkelmann, Norbert Ostreiz, Adam Duglay, rainer Saabe, Dieter Marx, Wolfganng Schulte sowie (unten v.l.) Heinz Graczyk, Hermann Kleine-Budde, Günter Schulz, Wolfgang Manthey, Rainer Nuhnen und Udo Dittloff.© Archiv

Lammers selbst hat auch schon schlechte Erfahrungen im Waldstadion gemacht. Sein Außenband wurde in Mitleidenschaft gezogen. „Ich bin beim Schuss an der Kante zwischen Asche und Rasen umgeknickt“, sagt der Mannschaftskapitän.

Platz ist auch für die Heimmannschaft kein Vorteil ist

Aufgrund der unvorhersehbaren Probleme und dem Mix aus Asche und Rasen sei der Platz daher für die Kreisliga-C-Fußballer des VfR Rauxel auch kein Vorteil. „Wir spielen zwar öfter als die Gegner auf diesem Platz, aber auch wir kennen ja nicht alle Löcher. Zumal ja immer neue dazu kommen“, sagt Lammers.

Nebenplatz

Flutlicht in Eigenregie errichtet

Die Fußballer des VfR Rauxel haben das Problem, dass sie abends nicht auf ihrem Platz trainieren können, da das Waldstadion kein Flutlicht hat. Des Öfteren weichen sie auf andere Plätze aus. Doch auf dem kleinen Nebenplatz, im Grunde genommen handelt es sich nur um eine Wiese, können die Rauxeler nun auch in der Dunkelheit spielen. In Eigenregie haben sie vier Flutlichter angebracht, um auf der Wiese trainieren zu können.
Castrop-Rauxels kuriosester Sportplatz: Wenn der Flachpass zur Volleyauflage wird

© Andreas Keuchel

Das zeigt auch die Heim- und Auswärtsbilanz: In der Heimbilanz ist der VfR Vierter, in der Auswärtsbilanz Erster. Große Unterschiede gibt es nicht: Die Rauxeler haben sowohl heim als auch auswärts jeweils einmal verloren.

Kuriose Geschichten haben sie sich aber fast nach jedem Heimspiel zu erzählen. Und manchmal wird der Hybrid-Platz aus Asche und Rasen doch zu einem Vorteil für die Rauxeler.

Elfmeter- und Mittelpunkt nicht auf einer Linie

So wie im Kreispokal-Heimspiel gegen den hoch favorisierten Westfalenligisten SV Sodingen. Das Spiel Anfang August ging zwar mit 1:3 verloren, doch die Erinnerung an den 1:0-Führungstreffer des VfR Rauxel in der 36. Minute bleibt.

„Man muss wissen: Der Elfmeter- und der Mittelpunkt sind auf unserem Platz nicht auf einer Linie. Der Torwart von Sodingen orientierte sich aber daran und stand plötzlich etwas zu weit neben seinem Tor“, sagt Christopher Lammers.

Der Kapitän nutzte das nämlich eiskalt aus. Mit einem Schuss aus 25 Metern brachte er den VfR Rauxel gegen den Westfalenligisten in Führung. Keeper Pascal Wagner sagt: „Da hat uns der Platz mal enorm geholfen.“

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