Leichtathletin Katja Gotthardt hat die Hürden und die Heimat hinter sich gelassen

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Die Leichtathletin Katja Gotthardt wurde dreimal deutsche Meisterin, einst lief sie sogar in Sparta. Doch ihren Sport und ihre Heimat ließ sie nur wenige Jahre später hinter sich.

Castrop-Rauxel

, 23.05.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Leichtathletik ist eine wunderbare Sportart - dynamisch, ästhetisch, kämpferisch. Für die Castrop-Rauxelerin Katja Gotthardt wurde der Einstieg in die Leichtathletik in den 1990er-Jahren sogar zu einem erfolgreichen Vergnügen. Dreimal wurde sie Deutsche Meisterin. Das Licht der Welt erblickt im Mai 1980, war sie als 16-Jährige die Beste in Deutschland über 100 Meter Hürden, zwei Jahre später in der Halle im 60m Sprint, sowie ein drittes Mal in der U23-Altersklasse mit der 4x100m-Staffel vom Team Niederrhein. „Ich war aber nicht unschlagbar. Damals gab es einige Mädchen, die ebenso schnell gelaufen sind“, merkt die heute 38-Jährige bescheiden an.

Katja Gotthardts letzter Eintrag in der Frauen-Rangliste 2001 des Deutschen Leichtathletik-Verbandes: Platz 17 über 100m Hürden in 13,75 Sekunden, gelaufen im Wattenscheider Lohrheide-Stadion. Dabei fehlten nur Marginalien bis in die Top Ten. Das sportliche Aus folgte im Jahr 2002. Die Castrop-Rauxelerin musste die Freiluft-Saison abbrechen wegen ständiger Schmerzen an der Achillessehne.

Katja Gotthardt hat eine neue Sportart für sich entdeckt

Und sie verließ Jahre später sogar ihre Heimat. Seit 2016 arbeitet Katja Gotthardt beim Pharmakonzern Novartis in Österreich als Managerin in der Qualitäts-Sicherung. Die 38-Jährige wohnt im 4000-Seelen-Örtchen Langkampfen, das nächst größere 20000-Einwohner-Städtchen ist wenige Kilometer entfernt: Kufstein am Inn. In Österreich hat sie mit Klettern eine neue Sportart für sich entdeckt. Eins aber mag Katja Gotthardt trotz bester Möglichkeiten nicht: „Skifahren ist nicht mein Ding.“

Dafür hat sie ein anderes sportliches Ziel erreicht. „Zwei oder drei Jahre habe ich sportlich nichts mehr getan. Später wieder gejoggt und im Fitness-Studio trainiert.“ Und einmal griff Katja Gotthardt sogar wieder richtig an. „Ich wollte unbedingt mit einigen Freundinnen in Hannover einen Halbmarathon laufen - und habe das 2016 geschafft.“

Der Weg von der Forschung in die Industrie

Beruflich lief es ebenfalls gut. Nach dem Karriereende konzentrierte sie sich auf das Studium der Biologie an der Universität Düsseldorf - mit Diplom als Abschluss. Es folgte die Station Max-Planck-Institut Dortmund, wo sie promovierte. Dann ging es für ein paar Jahre über den großen Teich zur University of California in San Francisco, ehe es sie zurück zum Dortmunder Max Planck Institut zog, mit Wohnsitz in Castrop-Rauxel.

Nun wechselte sie vor drei Jahren von der Forschung in die Industrie und sagt dazu: „In der Forschung hangelt man sich von einem Jahresvertrag zum anderen, weiß also nie genau, wie und ob es weitergeht.“

Leichtathletin Katja Gotthardt hat die Hürden und die Heimat hinter sich gelassen

Damals ging es der Achillessehne noch gut: Katja Gotthardt dehnt sich. © Helmut Orwat

Dafür stand ihre Leichtathletik-Karriere für Kontinuität - nämlich kontinuierlich guten Leistungen. Mit dem Kinderturnen fing alles an. „Als meine Zwillingsschwester und ich in der dritten oder vierten Klasse waren, hat ein Bekannter uns den Rat gegeben: ‚Ihr könnt schnell rennen, geht doch zur Leichtathletik‘.“ Gesagt, getan. Die LG Castrop-Rauxel wurde der erste Verein. Jahre später folgte der Wechsel zum Team Niederrhein nach Kamp-Lintfort.

„Am Anfang probiert man in der Leichtathletik alle möglichen Disziplinen aus. Bei mir war schnell klar, dass ich ein Sprint- und kein Ausdauer-Typ bin.“ Warum aber sucht sich ein junges Mädchen ausgerechnet den Hürdensprint aus? „Irgendwann standen die Hürden da und es hat mir Spaß gemacht darüber zu laufen“, sagt Katja Gotthardt und gibt aber zu: „Es gab schon häufiger blaue Knie, wenn ich Hürden umgerannt habe.“

Das Leichtathletik-Erlebnis im griechischen Sparta

Neben deutschen Meistertiteln im Jugend-Bereich, gab’s für Gotthardt weitere Medaillen in Silber und Bronze. Mehrere Auftritte in Jugend-Nationalteams des DLV bei Länderkämpfen in Griechenland, England, Ungarn, um nur einige zu nennen, runden ihre sportlich erfolgreiche Vita ab.

Das internationale Debüt im DLV-Trikot erfolgte am 22. Juli 1996 beim U17-Länderkampf im griechischen Sparta. Bundestrainer Johannes Hücklekemkes nominierte die damals 16-Jährige für den Hürdensprint gegen Konkurrentinnen aus Griechenland, Tschechien und Italien. Die Überraschung: Wenige Stunden vor dem Startschuss erfuhr Gotthardt, dass dort keine B-Jugend-Hürden von 76 Zentimeter im Weg standen, sondern 84 Zentimeter hohe Frauen-Hürden. Trotzdem gewann sie in 14,02 Sekunden und holte acht Punkte für die deutsche Mannschaft. „Das war alles sehr aufregend für mich“, sagte sie kurz nach dem Lauf. Doch dann kamen die Achillessehnenprobleme.

Leichtathletin Katja Gotthardt hat die Hürden und die Heimat hinter sich gelassen

Heute ist Katja Gotthardt 38 Jahre alt und arbeitet als Managerin in der Qualitäts-Sicherung in Österreich. © Katja Gotthardt

Ihren Sport und ihre Heimat hat sie anschließend hinter sich gelassen. Wer Düsseldorf, Dortmund und San Francisco kennt, fehlt dem in Langkampfen nicht etwas? Gotthardt lacht und sagt: „Nein. In Langkampfen haben wir immerhin zwei Geschäfte und keine Ampel“, fügt dann jedoch hinzu: „Die Lebensqualität mit den Bergen drumherum und den Seen in der näheren Umgebung, in denen ich nach der Arbeit mit netten Kolleginnen schnell mal eine Runde schwimmen kann, hat schon etwas.“

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