Marc Kruska: „Mit einer lustlosen Einstellung hätte ich diese Belohnung nie bekommen“

mlzInterview

Mit 31 Jahren durfte sich Marc Kruska seinen Traum vom Fußball auf internationaler Bühne erfüllen. Der Fußballer von F91 Düdelingen musste dafür aber seinen Lebensrhythmus umstellen.

Castrop-Rauxel

, 27.12.2018, 11:30 Uhr / Lesedauer: 6 min

Im Fußball steht die luxemburgische erste Liga nicht gerade für hochklassigen Sport. Der Rauxeler Marc Kruska (31) wagte im Sommer dennoch den Schritt zu F91 Düdelingen. Schließlich durfte er mit dem Klub, nachdem es zur Champions-League-Qualifikation nicht reichte, in der Europa League auflaufen. Unser Redakteur Marcel Witte sprach mit Kruska über das vergangene halbe Jahr, spezielle Erfahrungen in Mailand, Erinnerungen an frühere Hallenturniere und die Zukunft im Fußball.

Hallo Herr Kruska, haben Sie sich in Luxemburg gut eingelebt?

Auf jeden Fall, es war ein sehr rasantes, halbes Jahr mit sehr vielen Spielen und schönen Erlebnissen.

Sie sprechen die schönen Erlebnisse schon an. Sie haben zum ersten Mal in Ihrer Karriere im Europapokal gespielt. Das waren besondere Spiele, oder?

Das war definitiv etwas besonderes, weil ich das international auf dem Niveau noch nicht erlebt hatte. Wir hatten natürlich auch super Gegner.

Was haben Sie nach der Auslosung über die Gegner gedacht? Der AC Mailand galt aufgrund seiner erfolgreichen Vergangenheit als der Favorit, schied aber letztlich als Dritter aus. Haben Sie die anderen Gegner eher in der Kategorie „schlagbar“ gesehen?

Über schlagbar oder nicht haben wir nicht viel nachgedacht. Nach der Auslosung haben wir uns nur gedacht: „Geil, das sind tolle Gegner! Olympiakos mit den coolen Fans, Mailand ein Traditionsverein und von Betis Sevilla wusste man auch, dass die eine besondere Mannschaft sind. Wir haben uns einfach darauf gefreut und nicht darüber nachgedacht, ob man gegen diese Gegner etwas reißen kann. Wir wollten das Bestmögliche rausholen und dass wir uns am Ende mit einem Punkt belohnt haben, was ja auch eine Sensation war, war dann nochmal das i-Tüpfelchen.

Zur Person

Das ist Marc Kruska

Marc Kruska: „Mit einer lustlosen Einstellung hätte ich diese Belohnung nie bekommen“

Marc Kruska spielte ein halbes Jahr lang für den SV Werder Bremen II in der 3. Liga. © nordphoto

Marc Kruska, geboren am 29. Juni 1987, lernte das Fußballspielen beim VfR Rauxel auf dem Sportplatz an der Vördestraße. 1999 wechselte er als C-Junior zu Borussia Dortmund, wo er am 13. November 2004 beim Auswärtsspiel in Kaiserslautern sein Profi-Debüt gab. Im Januar 2009 wechselte Kruska zum FC Brügge, für den er allerdings nur 15 Spiele machte, ehe es den Rauxeler im Sommer 2009 zum Zweitligisten Energie Cottbus zog. Dort war er lange Kapitän, wechselte dann aber im Januar 2014 zum FSV Frankfurt. Über den SC Paderborn (2016-2017) und den SV Werder Bremen II (Rückrunde 2018) kam er dann im Sommer 2018 zu F91 Düdelingen.

Sie waren also am Ende nicht enttäuscht, dass es nur zu einem Punkt in der Gruppe gereicht hat?

Nein, man muss das auch realistisch sehen. Wir sind eine Mannschaft aus Luxemburg und haben einen Marktwert von etwa drei Millionen Euro. Die anderen Mannschaften haben Marktwerte von mehreren hundert Millionen Euro. Wir waren einfach stolz dort spielen zu dürfen und haben auch immer eine gute Leistung abgeliefert, außer in den beiden Spielen gegen Olympiakos (0:2, 1:5/Anm.d.Red.), die waren einfach zu stark.

In Mailand hat ihr Team sogar zwei Tore beim 2:5 erzielt. Wie war es für Sie im Guiseppe Meazza in Mailand zu spielen? Leider kamen ja nur knapp 15000 Zuschauer, obwohl das Stadion etwa 80000 Plätze fasst.

Es war natürlich schön in solch einem Stadion zu spielen. Von der Zuschauerzahl her war es nicht so toll, da habe ich schon andere Sachen erlebt. Aber es war ein Riesen-Highlight in diesem halben Jahr.

Ihr Sohn Jaro war auch in Mailand dabei. Das war für ihn sicher auch ein besonderes Erlebnis, oder?

Ja, genau. Ich habe ihm auch ein wenig versucht zu vermitteln, dass das wahrscheinlich das letzte Mal sein wird, dass der Papa in so einem großen Stadion spielt. So einem kleinen Menschen das zu erklären, ist natürlich nicht so einfach, aber ich glaube, er hat es dann verstanden. Er hat sich riesig gefreut, ich habe ihn dann nach dem Spiel auch mit auf den Platz genommen, obwohl man das eigentlich nicht durfte. die Security hat auch gemeckert, aber das war mir dann egal. Das war für ihn ein Highlight, wovon er vielleicht in ein paar Jahren noch erzählt.

Schaut Ihr Sohn Ihnen öfters bei den Spielen zu oder war das nun zu den europäischen Spielen eine Besonderheit?

Bei einigen Spielen ist er dabei. Er freut sich immer und ist sehr, sehr begeistert dabei.

Marc Kruska: „Mit einer lustlosen Einstellung hätte ich diese Belohnung nie bekommen“

Marc Kruska zeigt die Richtung an. Der 31-Jährige übernimmt bei F91 Düdelingen aufgrund seiner vielen Erfahrung im Profifußball die Verantwortung auf dem Platz. © imago/Majerus

Einige Ihrer Teamkollegen gehen nebenbei noch einem normalen Beruf nach. Sie wiederum haben ihre gesamte Karriere als Profi gespielt. Wie bewerten Sie diese Situation innerhalb der Mannschaft?

In der Zeit, in der wir jetzt international gespielt haben, waren alle Profis, die Spieler wurden von der Arbeit freigestellt. Das hätte auch sonst gar nicht geklappt, denn wir haben morgens trainiert und waren international ja auch mehrere Tage unterwegs. Wir haben etwa sieben, acht Spieler im Kader, die normal arbeiten. Die werden ab Januar dann wieder ihrem normalen Beruf nachgehen und weiterhin natürlich Fußball spielen. Aber der größte Teil im Kader sind Profifußballer.

Ist das vielleicht ein Nachteil, weil sich manche Spieler nicht zu 100 Prozent auf den Fußball konzentrieren können?

Das ist nicht natürlich nicht so einfach. Gerade am Anfang war das für mich auch eine Umstellung, denn wir haben dann abends um 18 Uhr trainiert, damit alle zum Training kommen können. Daran musste ich mich brutal gewöhnen, weil ich kannte diese Situation nicht. Ich hatte immer meinen Rhythmus, dass ich morgens zum Training fahre gegen 10 Uhr und wir vielleicht auch nochmal nachmittags gegen 15 Uhr trainieren. Ich war dann passend zum Abendessen zuhause. Hier bin ich erst gegen 21 Uhr zuhause und kann dann erst etwas essen.

Sie mussten also ihren kompletten Lebensrhythmus umstellen?

Ja, genau. Ich musste schauen, was mache ich morgens? Ich bin alleine hier, die Familie ist in der Heimat. Das war nicht so einfach. Ich musste mich an diese Situation gewöhnen.

Düdelingen ging vor der Saison als Favorit ins Rennen und gewann zuletzt auch dreimal in Folge die Meisterschaft. Derzeit ist Ihr Team Dritter. Allerdings kamen ja auch die internationalen Spiele dazu. Hatten Sie und ihre Teamkollegen dadurch Probleme?

Das war durchaus ein Grund am Anfang, denn der Trainer hat versucht, zwei Mannschaften spielen zu lassen. Die einen, die international spielen, und die anderen, die in der Liga ran dürfen. Das ist dann aber nicht so aufgegangen. Wir haben dadurch einige Punkte liegen gelassen, weil wir uns mehr auf die Europa League konzentriert haben. Aber jetzt sind wir wieder dran und haben nur drei Punkte Rückstand bei noch 13 Spielen - also alles gut. Jetzt können wir uns auf die Meisterschaft konzentrieren. Wir wollen Meister werden, um wieder an der Qualifikation zur Europa League teilnehmen zu dürfen.

Aktuell sind Sie aufgrund der Winterpause in der Heimat. Wie oft schaffen Sie es sonst nach Castrop-Rauxel?

Eigentlich bin ich immer einmal die Woche da, um die Familie und Freunde zu sehen.

Einer Ihrer früheren Rauxeler Kollegen, Christopher Nöthe, bekommt derzeit bei Arminia Bielefeld gar keine Spielpraxis mehr. Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Ja, wir schreiben uns öfters bei WhatsApp und haben regelmäßig Kontakt. Es ist ein schwieriges Jahr für ihn. Er ist verletzt gewesen, der Trainer mag seine Spielweise nicht so richtig, dann ist es nie einfach. Ich hoffe, dass er bald wieder spielen kann. Wenn nicht bei Bielefeld, dann woanders. Ich drücke ihm die Daumen, dass er wieder zum Zuge kommt, denn auf dem Platz zu stehen ist im Fußball einfach das Wichtigste.

Sie haben selbst eine ähnliche Situation durchlebt in Paderborn und durften an manchen Wochenenden nur in der Oberliga ran. Welche Tipps können Sie Christopher Nöthe geben, damit er diese Zeit gut durchsteht?

Das muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden. Aber bei mir war es immer so, egal ob ich gespielt habe oder nicht, ich bin immer gleich geblieben, war immer positiv. Ich habe mir nie etwas vorwerfen lassen und habe auch in der Oberliga-Mannschaft ordentlich trainiert. Ich wollte einfach immer spielen. Man muss sich immer selbst treu bleiben und versuchen sein bestes zu geben. Natürlich hat man mal schlechte Tage an denen man denkt: „Heute habe ich gar keinen Bock.“ Aber hätte ich so eine lustlose Einstellung an den Tag gelegt und mich geweigert in der Oberliga zu spielen, hätte ich womöglich nie diese Belohnung mit der Europa League bekommen.

Wie geht es für Sie weiter in Luxemburg? Spielen Sie auch in der nächsten Saison für Düdelingen?

Ich habe ja Vertrag, denn ich habe für drei Jahre unterschrieben. Man muss schauen, was die Zukunft im Fußball ergibt.

Können Sie sich vorstellen, in einem Land zu spielen, das nochmal deutlich weiter weg von Deutschland liegt oder ist das aufgrund der Familie in der Heimat ausgeschlossen?

Man weiß nie, was sich ergibt. Ein Teamkollege von mir hat ein Angebot aus Amerika bekommen, das wäre natürlich eine Erfahrung, die man nochmal mitnehmen könnte. Aber im Endeffekt müsste auch alles passen.

Marc Kruska: „Mit einer lustlosen Einstellung hätte ich diese Belohnung nie bekommen“

Auch im Zweikampf gibt Marc Kruska (vorne) immer 100 Prozent. Wie hier in der Partie gegen MOL Vidi in der Qualifkation zur Champions League. © Editpress

Parallel zum Wechsel nach Düdelingen hatten Sie auch Ihren Trainerschein angestrebt. Wie weit sind Sie damit?

Ich konnte leider noch gar nichts machen. Es gibt nichts in der Nähe, wo ich das angehen könnte. Köln wäre am Nächsten, aber das wäre eine Strecke, die ich zeitlich nicht meistern könnte. Daher kann ich das erst machen, wenn ich in Zukunft entweder in der Nähe bin und das mit dem Verein vereinbaren kann oder meine Karriere beendet habe.

Sie haben nun noch etwas Urlaub. Am ersten Januar-Wochenende findet in Castrop-Rauxeler wieder die Hallenstadtmeisterschaft statt, bei der Sie als Zuschauer auch immer Stammgast sind. Sieht man Sie auch dann wieder in der Halle?

Definitiv. Da bin ich immer gerne dabei, weil ich auch viele Spieler kenne. Ich hoffe einfach, dass die Jungs Spaß daran haben. Denn ich hatte in den letzten Jahren das Gefühl, dass die Hallenstadtmeisterschaft eher gezwungen war. Als ich Kind oder Jugendlicher war, war eine andere Stimmung in der Halle. Es war etwas besonderes, Hallenstadtmeister zu werden. Es soll nicht so sein, dass manche Teams sagen: „Puh, schauen wir mal, ob wir überhaupt fünf Mann zusammenbekommen.“ Ich gehe auch gerne mit meinen Freunden in der Soccerhalle und kicke mit denen, weil ich Spaß daran habe. Es wäre schön, das auch wieder in der Halle zu sehen. Man sieht ja auch, dass die Zuschauer das mögen, denn die Tribüne ist immer rappelvoll.

Wem drücken Sie denn die Daumen bei der Hallenstadtmeisterschaft?

Das ist schwierig. Ich bin ab und zu mal beim VfB Habinghorst und helfe dem Marc Olschewski ein bisschen beim Training. Aber ich kenne zu viele, um wem Spezielles die Daumen zu drücken. Am Ende gewinnt der Beste, das wird wahrscheinlich wieder Frohlinde oder Wacker sein, aber eigentlich hat jede Mannschaft fünf, sechs gute Spieler in seinen Reihen. Ich hoffe einfach auf spannende Spiele.

Wie verbringen Sie sonst die Tage bis zum Trainingsstart? Geht es noch in den Urlaub?

Eigentlich bleibe ich in der Heimat. Ich hatte überlegt, ob ich vielleicht nach England fliege und mir dort mal ein Spiel anschaue, schließlich wird dort ja weiterhin gespielt. Das wäre aber eher spontan. Ich schaue mir bestimmt ein paar Eishockey-Spiele mit seinem Sohn an, der ist da voll dabei und den sehe ich ja leider auch nicht so oft. Ich kenne vom Herner EV ein paar Jungs, da hat er letztens sogar einen Schläger bekommen.

Ab und an sieht man Sie auch noch beim BVB. Gehen Sie nun als Fan ins Stadion?

Ich gucke allgemein viel Fußball. Aber klar, der BVB ist immer etwas Besonderes für mich. Ich habe dort in der Jugend und später als Profi gespielt und kenne auch noch ein paar Leute. Die Sympathie ist da und wenn der BVB gewinnt, freue ich mich darüber.

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