Heute vor 15 Jahren wurde bekannt, dass der Niederländer Martin Boschma der neue Trainer der Korfball-Nationalmannschaft wird. Er feierte zwei große Erfolge und bekam danach Probleme.

Castrop-Rauxel

, 17.02.2019, 08:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Februar 2004 stand die Korfball-Nationalmannschaft mit einer Reihe von Castrop-Rauxeler Sportlern ohne Trainer da. Mitte des Monats kam die frohe Nachricht, die heute vor 15 Jahren eine Überschrift in dieser Zeitung war: „Boschma soll´s richten“.

Martin wer? Der damals 50-jährige Niederländer, wohnte in Gulpen, 15 Kilometer westlich von Aachen. Als Trainer betreute der Beamte von 1986 bis 1994 Teams seines Stammvereins ODO Maasland sowie von 1995 bis 1998 die luxemburgische Nationalmannschaft. Anschließend trainierte er das Team von Mariarade in der 2. KNKV-Klasse (1999 bis 2002).

Boschma war nicht der einzige Kandidat, wie Dieter Fernow (2014 verstorben/Adler Rauxel) berichtete. Der damalige Vorsitzende des Technischen Komitees Korfball im DTB hatte Arie Krandendonk aus Dordrecht (bei Rotterdam), Dirk Schippers (vormals Spieler und Trainer bei Amiticia/Niederlande) sowie einen vierten Anwärter an der Angel gehabt. Den Zuschlag bekam Boschma. Fernow: „Er hat sich in Bergisch Gladbach dem TK vorgestellt und dabei einen sehr guten Eindruck hinterlassen.“ Seit dem Rücktritt von Uli Augat nach dem schlechten Abschneiden bei der WM im November 2003 war Fernow „auf der Pirsch“ gewesen.

Antritt mit Bedingung

Eine Bedingung habe Boschma an sein Engagement in Deutschland geknüpft. Er wolle einen Helfer an die Seite gestellt bekommen, der sich im heimischen Korfball auskennt. Fernow sagte damals: „Das müsste ein von allen anerkannter Co-Trainer sein.“ Auf der Suche nach einer Person, die in dieses Profil passte, war das TK zunächst nicht fündig geworden. Fernow: „Beim KC Grün-Weiß, Adler Rauxel und Selmer KV sind ausschließlich Spielertrainer am Start, in diesem Kreis werden wir wohl keinen passenden Mann finden.“

Neuer Nationaltrainer kam nicht zur Beschäftigungs-Therapie für die Korfballer

(v.l.) Martin Boschma, Klaus-Peter Hermann sowie die Physiotherapeuten Sabine Schüller und Freddy Kivelitz.

Als erstes Ziel hatte Boschma als Gastgeber der World Games 2005 in Duisburg ausgegeben, nicht Letzter wie bei der WM zu werden. Vielleicht sei gar auch der Sprung auf den dritten Platz möglich, so Fernow. Zumal er seinen neuen Fitmacher als einen sehr erfolgsorientierten und fordernden Trainer kennengelernt hat: „Der macht das nicht einfach als ,Beschäftigungs-Therapie´.“ Weshalb Fernow optimistisch war: „Wir werden einen Schritt vorwärts kommen.“ Fachlich stellte er Boschma auf eine Stufe mit dem vormaligen Nationaltrainer, Henk Deegens (Niederlande), der das Amt von 1996 bis 2001 inne hatte.

Auch auf der U23-Bank

Fernow konnte als Mann an der Seite von Boschma seinen Vereinskameraden Klaus-Peter Hermann, Vater von Auswahlspielerin Kathrin Hermann, gewinnen. Das Duo Boschma/Hermann bekam wenig später eine weitere Aufgabe übertragen. Stefan Strunk (Adler) hatte sein Amt als U23-Trainer niedergelegt. Die Lücke schlossen die A-Nationaltrainer und setzten sich auch dort auf die Bank. Das war kein Problem, da ein Teil der Nachwuchskräfte auch in der Senioren-Auswahl im Kader stand. Mit der U23 stellte sich im Juli direkt der erste Erfolg ein. In Duisburg-Rheinhausen gewannen die Nachwuchskorbjäger mit Antje Elverich, Kathrin Hermann, Katharina Holtkotte, Patrick Fernow, Benjamin Grabosch und Martin Schwarze (KV Adler Rauxel), Marcel Balzuweit (KC Grün-Weiß) sowie Sabrina Hölken und Andre Heppner (beide HKC Albatros) WM-Bronze.

Zurück in der Weltspitze

Zwölf Monate später gab es den nächsten Höhepunkt. Die A-Nationalmannschaft wurde bei den World Games Vierte in Rheinhausen. Vier Körbe erzielte Sabrina Hölken beim abschließenden 14:13-Sieg gegen Großbritannien. Damit kehrte Deutschland in die Weltspitze zurück. Dennoch lautete eine Schlagzeile zwei Tage später „Unruhe im Korbjäger-Lager“. Einen Tag nach dem Abpfiff des Turniers beraumten die Akteure der deutschen Nationalmannschaft eine Sitzung mit den Trainern im Clubheim des Schweriner KC ein. „Um über die Zukunft zu reden“, wie Rabea Cramer (Grün-Weiß) und Detlef Dülfer (Selmer KV) unisono betonten. Die Zeit bis zur Europameisterschaft im April 2006 in Portugal sei kurz. Rabea Cramer betonte damals: „Vielleicht müssen wir in dieser Zeit etwas ändern, und wir wollen mit den Trainern darüber sprechen.“ Boschma weilte aus privaten Gründen daheim in den Niederlanden. Weshalb die Korbjäger mit Hermann diskutierten.

Rücktritt schriftlich begründet

Die Konsequenz: Zwei Wochen später traten Boschma und Hermann zurück. In der schriftlichen Begründung, die Boschma an Fernow geschickt hatte, hieß es: „Besonders die älteren Auswahlspieler hatten Mühe mit anderen Rollen und Verantwortlichkeiten, die aus Sicht des Trainers von ihnen gefordert wurde. Einige Spieler waren unzufrieden, dass sie während in den wichtigen Spielen zu wenig Spielzeit bekommen hätten.“

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Das Trainer- Duo warf den Spielern einen „Mangel an Kommunikation und nicht ausreichend angenommene Initiative auf und außerhalb des Spielfeldes“ vor. Boschma weiter: „Es besteht von beiden Seiten nicht genügend Vertrauen, um die Zusammenarbeit fortzusetzen.“

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