Ostern 2000: Der SuS Merklinde feiert einen Derbysieg in letzter Minute

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Vor 20 Jahren war nicht die Landesliga, sondern die Bezirksliga das Ende der Castrop-Rauxeler Fahnenstange im Fußball. Die Aushängeschilder des Jahres 2020 spielten noch keine Hauptrolle.

Merklinde

, 10.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war Ostern vor 20 Jahren. Und es wurde Fußball gespielt. Vor allem die älteren Hasen unter den Fans des damaligen Bezirksligisten SuS Merklinde werden sich noch an das Jahr 2000 erinnern. Denn ihre Mannschaft war damals in Castrop-Rauxel das Fußball-Maß aller Dinge. Nicht der aktuelle Landesliga-Spitzenreiter SV Wacker Obercastrop (damals abschließend Zweiter der Kreisliga A) und sein Klassenkamerad FC Frohlinde (Bezirksliga-Elfter). Auch nicht die derzeitigen Bezirksligisten Spvg Schwerin (Neunter der Kreisliga A) und SG Castrop (Sechster der Kreisliga B).

Nachdem der SuS Merklinde im Jahr 1984 nach drei Spielzeiten aus der Landesliga abgestiegen waren, stand er auf seinem Ascheplatz am Fuchsweg kurz vor der Rückkehr in diese Spielklasse. Merklindes aktueller Sportlicher Leiter, Martin Broll, war im Jahr 2000 Spieler beim SuS - und sagte im Gespräch mit unserer Redaktion: „Wir hatten eine starke Mannschaft. Wir hätten den Aufstieg packen können.“ Vor allem weil es auch tolle Ereignisse gab. Wie etwa Tore in den Schluss-Sekunden mancher Spiele.

Fuat Yaman rettet den SuS Merklinde im Derby gegen Rauxel

Einen spektakulären Last-Minute-Treffer landete dabei Fuat Yaman beim 2:1-Sieg im Oster-Derby gegen den VfR Rauxel. Die Spieler von VfR-Trainer Uwe Esser, der später viele erfolgreiche Jahre beim SV Wacker Obercastrop erlebte, hatten dem Spitzenreiter schwer zu schaffen gemacht. Der Berichterstatter schrieb damals: „Rauxel war ganz stark und die ersatzgeschwächten Merklinder haben eigentlich keine Chance gehabt.“

Das erste Tor erlaubte ihnen dann VfR-Akteur Gordon Schwarze, der eine harte Flanke von Olaf Lipperheide in den Winkel des eigenen Gehäuses abfälschte. Nach dem Wechsel dominierte Rauxel wieder. Der Ausgleich durch Maik Rose fiel in der 85. Minute. SuS-Torhüter Michael Mende, der zuvor zahlreiche Chancen zunichte machte, musste mit anschauen, wie die Kugel ins Tor trudelte.

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Merklindes Trainer Olaf Senking vergrub auf der Trainerbank seinen Kopf in den Händen, wie es Presse-Fotograf Andreas Bischof damals im Bild festhielt. Aber dann kam Fuat Yaman, der schon 90 Minuten in der zweiten Garnitur mit zwei Toren hinter sich hatte. Er schmiss sich in der Nachspielzeit in eine Flanke von Lipperheide und brachte den Ball zum 2:1 (93.) über die Linie. Die Schlagzeile über dem Zeitungsartikel konnte der Merklinder, der nebenbei beim ABC Merklinde noch Billard spielte, für sich beanspruchen. Die Überschrift lautete: „Yaman mit Siegtreffer nach 183 Minuten.“

Die Punkte waren sicher, aber einige Zähler im April vor 20 Jahren wurden verschenkt. Wie beim 1:1 im Derby gegen den FC Frohlinde. Dort rettete ein später Elfmeter-Treffer von Mounier Bazzani (85.) nur einen Punkt. Der Zähler reichte da noch, um die Spitze zu verteidigen. Diese war dann nach einem 2:2 beim Hörder SC weg. Am Ende der Saison lachte also der Dortmunder Verein SC Fatih, der anstatt Merklinde mit vier Punkte Vorsprung auf den SuS (3.) in die Landesliga marschierte. Der VfR Rauxel wurde Fünfter. Rang elf ging an Frohlinde, der spätere Landesligist VfB Habinghorst wurde Zwölfter.

Ein Streit sorgte für den Rausschmiss zweier Spieler

Beim SuS Merklinde hatten sich vor der Saison 1999/2000 personell einiges getan. Vom VfB Waltrop brachte Broll neben Trainer Olaf Senking die Spieler Frank-Michael Isbruch und Stefan Friebel mit. Dass der Aufstieg nicht gelang, macht Broll in der Rückschau auch an einigen Entscheidungen fest.

So wurden nach einem Streit zwischen Mounier Bazzani und Christoph Schaumberg beide Spieler suspendiert. Senking erinnert sich jetzt noch an den Vorfall und meint „alles richtig gemacht zu haben“. Broll betont: „Das hätten wir damals anders regeln sollen, dann wären wir aufgestiegen.“ Schaumberg, erzählt Martin Broll, wäre heute noch darüber sauer, weil er sich keiner Schuld bewusst war.

Im Jahr 2017 fanden Martin Broll (l.) und Olaf Senking beim SuS Merklinde wieder zueinander. Broll holte Senking erneut als Trainer, dieser stand bis 2019 an der Seitenlinie.

Im Jahr 2017 fanden Martin Broll (l.) und Olaf Senking beim SuS Merklinde wieder zueinander. Broll holte Senking erneut als Trainer, dieser stand bis 2019 an der Seitenlinie. © Volker Engel

Die Landesliga rückte für die Merklinder 2004 wieder in den Fokus. Mittlerweile kickten sie am Fuchsweg auf Kunstrasen. Mit Trainer Armin Theis waren sie zu Ostern erneut Bezirksliga-Spitzenreiter. Wieder brach der SuS ein, musste Mengede 08/20 den Vortritt lassen - und wurde letztlich sogar nur Tabellenvierter.

Trainer Olaf Senking verließ aus familiären Gründen nach dem verpassten Aufstieg 2000 den Verein. Von Sommer 2017 bis Januar 2019 hatte er sich nochmal für den SuS engagiert. Diesmal ohne Blick zur Landesliga. Der SuS Merklinde spielt mittlerweile in der sechsten Saison in der Kreisliga A - und ist nicht mehr das fußballerische Maß der Dinge in der Europastadt.

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