Schäden durch Kopfball-Training: Verbot in England, in Castrop-Rauxel aber noch erwünscht

mlzFußball

In England wird das Kopfballtraining aus dem Kinderfußball verbannt - aus medizinischen Gründen. Welchen Stellenwert genießt das Kopfballtraining in Castrop-Rauxel?

Castrop-Rauxel

, 02.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es tut sich etwas im Juniorenfußball: Die Pilotphase zur Reform des Kinderfußballs läuft gerade in einigen Verbänden. Aus Bayern kommen Ideen zur Neustrukturierung der Altersklassen, um der demografischen Entwicklung Tribut zu zollen. Aus England, dem Mutterland des Fußballs, kommen weitere neue Vorschläge: Hier steht die Gesundheit im Mittelpunkt.

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Die Fußballverbände Englands, Schottlands und Nordirlands verbannen Kopfbälle aus dem Trainingsprogramm für Kinder. Laut einer Studie haben Fußballer ein erhöhtes Demenzrisiko. Ob dafür Kopfbälle verantwortlich sind, ist unklar – die britischen Verbände reagieren trotzdem. In Punktspielen sind Kopfbälle zwar in allen Altersklassen weiter erlaubt. nicht aber im Training.

Der Deutsche Fußballbund (DFB) empfiehlt zwar Kopfballtraining erst ab 13 Jahren, zuletzt war ein Verbot hier aber kein Thema. Früher gab es vielerorts sogar noch Kopfballpendel. Wie sieht es heute im Jugendfußball in Castrop-Rauxel aus?

Timo Muth, Trainer der A- und B-Junioren der SG Castrop.

Timo Muth, Trainer der A- und B-Junioren der SG Castrop. © Jens Lukas

„Ecken nur noch flach reinspielen?“

Timo Muth, Trainer der A- und B-Junioren der SG Castrop, sagt: „Dieses Thema spaltet schon länger den Fußball. Ich denke, dass im Kinderfußball ein spezielles Kopfballtraining nicht gemacht werden sollte. Ab der Altersklasse U14 oder U15 macht es aber Sinn.“

Über seine eigene Trainingspraxis in U17 und U19 sagt er: „Ein spezielles Training machen wir nicht. Aber sollen wir bald bei Standardsituationen wie Eckbällen und Freistößen sagen, dass nur noch flache Bälle gespielt werden?“

Eine Schlussfolgerung aus dem britischen Trainingsverbot sei nach Meinung des SG-Coaches auch, „dass früher oder später das Kopfballspiel komplett verboten wird - auch in Spielen“.

Konstantinos Tsakiridis, Jugendtrainer beim FCF.

Konstantinos Tsakiridis, Jugendtrainer beim FCF. © Volker Engel

„Gefahren auch in anderen Sportarten“

Trainer Kostas Tsakaridis, der mit den B-Junioren des FC Frohlinde den Kreispokal gewonnen hat, sagt: „Ich finde, dass in den unteren Altersklassen kein Kopfballtraining gemacht werden sollte. Das allerdings in erster Linie aufgrund der Verletzungsgefahr beim Zweikampf.“

In den höheren Altersklassen solle man aber Übungen durchführen. „Im Wettkampf und Spiel meidet man ja auch nicht die Kopfbälle. Dann müsste man generell die Kopfbälle verbieten, was aber Quatsch wäre.“

Es gäbe auch andere Kopfverletzungen im Fußball, zum Beispiel durch Ellenbogenschläge sowie Tätlichkeiten, passieren. Der Frohlinder Übungsleiter meint: „Das wird man nicht komplett verhindern können. Ein gewisses Risiko wird immer vorhanden sein. Das ist aber in jeder Sportart so.“

Aytac Uzunoglu, Senioren-Trainer des SV Wacker Obercastrop und einst auch Nachwuchs-Coach.

Aytac Uzunoglu, Senioren-Trainer des SV Wacker Obercastrop und einst auch Nachwuchs-Coach. © Volker Engel

Aytac Uzunoglu, Trainer des Landesliga-Spitzenreiters SV Wacker Obercastrop, war einst Nachwuchs-Coach und sagt: „Dieser Diskurs ist mir seit vielen Jahren bekannt. Generell sind die gesundheitlichen Bedenken der Ärzte wahrscheinlich angebracht. Es ist gefährlich, Kinder einer so großen Wucht auf Rücken, Nacken und Kopf auszusetzen wie beim Kopfballspiel, ohne die entsprechende Muskulatur und Knochenstabilität dafür zu haben.“ Von den Spätfolgen ganz zu schweigen.

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Uzunoglu weiter: „Andererseits ist das Kopfballspiel im Erwachsenenfußball eine ganz wichtige Basistechnik - sowohl beim Verteidigen als auch beim Angreifen.“ Irgendwann müssten dafür die Grundlagen geschaffen werden. „Ab zwölf Jahren spricht man vom goldenen Lernalter. Da wäre es vielleicht sinnvoll, das Kopfballspiel aktiv ins Training einzubauen.“

Michael Wurst, Seniorentrainer beim FC Frohlinde.

Michael Wurst, Seniorentrainer beim FC Frohlinde. © Volker Engel

Michael Wurst, Trainer des Landesligisten FC Frohlinde, sagt: „Der Kopfball ist ein Bestandteil des Spiels. Man muss bei Kids sicherlich dosiert mit dem Thema umgehen, aber kein Kopfballtraining zu machen, ist keine Option.“

In den USA hatte der nationale Fußballverband bereits 2015 ein Kopfballverbot für Kinder bis zum 11. Lebensjahr verhängt. Bis zum 13. Lebensjahr darf dort nur eingeschränkt geköpft werden.

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