Schießl: „Unser Hobby-Sport gehört akut leider nur zu den Luxusproblemen“

Gastkommentar

Bei den Handballer der HSG Rauxel-Schwerin kommt über die Lockerungsmaßnahmen in NRW wenig Freude auf. Geschäftsführer Marco Schießl hat daher einen Offenen Brief verfasst.

Castrop

16.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Handballer Marco Schießl fungiert bei der HSG Rauxel-Schwerin als Geschäftsführer und hat die Sicht seines Vereins in einem Offenen Brief dagelegt.

Handballer Marco Schießl fungiert bei der HSG Rauxel-Schwerin als Geschäftsführer und hat die Sicht seines Vereins in einem Offenen Brief dagelegt. © Volker Engel

Das Bundesland Nordrhein-Westfalen hat am 6. Mai angekündigt, dass ab dem 30. Mai die Ausübung von Sportarten auch mit unvermeidbarem Körperkontakt und in geschlossenen Räumen wieder gestattet sei. Sportliche Wettbewerbe im Kinder-, Jugend- und Amateurbereich sei dann ebenso zulässig.

Marco Schließl, Geschäftsführer und seit Jahrzehnten aktiver Handballer der HSG Rauxel-Schwerin, hat sich zu diesen Lockerungsmaßnahmen im Namen des HSG-Vorstandes geäußert.

Trotz der nachvollziehbaren und begründeten Öffnung von Sportplätzen und Sporthallen durch die Stadt Castrop-Rauxel in dieser Woche, möchten wir als HSG DJK Rauxel-Schwerin keinen Trainingsbetrieb in einer Sporthalle im Monat Mai anbieten, da wir uns in der gesundheitlichen Verantwortung für unsere Mitgliederinnen und Mitglieder sehen.


Bestärkt werden wir in dieser Entscheidung durch offene Diskussionen zur Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs unter einigen Spielern und Trainern der HSG in der letzten Woche. Auch hier zeigte sich Einigkeit, das Training in der Halle, wenn auch eingeschränkt, freiwillig nicht sofort wiederaufzunehmen. Aber es gibt nun das, was viele lange vermisst haben: eine Perspektive, wonach wir Anfang Juni wieder unseren Sport stufenweise angehen werden. Das freut uns alle sehr.


Bilden einen Teil des HSG-Vorstandes: (v.l.) Helge Hahn (2. Vorstand Finanzen), Marco Schießl (Geschäftsführer), Karl Schiemann (1. Vorsitzender), Björn Wieser (2. Vorsitzender) und Patrick Schulte (1. Vorstand Finanzen).

Bilden einen Teil des HSG-Vorstandes: (v.l.) Helge Hahn (2. Vorstand Finanzen), Marco Schießl (Geschäftsführer), Karl Schiemann (1. Vorsitzender), Björn Wieser (2. Vorsitzender) und Patrick Schulte (1. Vorstand Finanzen). © Volker Engel




In Summe untermauert die Haltung der gesamten HSG die verantwortungsbewusste und familiäre Atmosphäre in unserem Verein. Bereits in der Vergangenheit zeigte die HSG bei Krisen immer einen besonders guten Zusammenhalt. Ihn wollen wir weiterhin leben und damit der Tradition unseres ehemaligen Vorsitzenden Willi Kückelmann folgen. Auch wenn es unsere Landesregierung sicherlich gut meint: Solange zum Beispiel Schulen nicht in einen kompletten Regelbetrieb mit Präsenzunterricht zurückkehren, solange können wir vonseiten der HSG auch keinen uneingeschränkten Trainingsbetrieb für unseren Vollkontaktsport anbieten. Hier haben wir die Verantwortung für unsere Mitglieder und möchten kein Risiko eingehen.




Der offene Brief von Frank Fligge vom ASC Dortmund an den Ministerpräsidenten des Landes NRW bringt diese Einstellung unseres Erachtens auf den Punkt. Zitat: „Wir reden über Handball. Da ist man sich nahe. Fasst sich an. Da landet die Hand auch schon einmal im Gesicht des Gegners. Von Abstand und Hygiene sind wir da so weit entfernt, wie die Erde vom Mars.“

Unser Hobby-Sport gehört akut leider nur zu den Luxusproblemen. Wir haben bei der Stadt Castrop-Rauxel daher bis Ende Mai keinen Hallenbedarf angemeldet.
Dennoch wollen und können wir als Verein nicht still stehen und versuchen das Beste aus der Situation zu machen. So bieten unsere Trainer teilweise ein Onlinetraining an und es gibt kleinere Lauftreffs an der frischen Luft unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften.




Aktuell haben wir ein der Stadt Castrop-Rauxel vorzulegendes Hygienekonzept und einen eingeschränkten Trainingsplan mit Gültigkeit ab Anfang Juni erarbeitet und in der Schublade. Wir sind also vorbereitet. Denn letztlich sind wir in der Verpflichtung gegenüber unseren beitragszahlenden Mitgliedern, das Vereinsleben langsam wieder aufleben zu lassen. Bei der Vorstandssitzung am 22. Mai werden wir uns daher nochmals intensiv über die sukzessive Wiederaufnahme unseres Handballsports beraten.“

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