Schläger gegen Schläger anstatt Umarmung bei Tennis-Senioren

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Das Coronavirus bringt die Tennis-Senioren-Szene durcheinander. Begrüßungsrituale müssen entfallen, dafür trifft man auf unverhoffte Gegner. Ein Streifzug durch die Turnierlandschaft.

Castrop-Rauxel

, 16.09.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist eine eigenartige Mischung aus Rückkehr zur Normalität und Ausnahmezustand auf den Tennisplätzen. Seit einigen Wochen werden wieder Senioren-Turniere ausgetragen, wo sportlicher Ehrgeiz auf die Abwägung gesundheitlicher Risiken trifft. Angst vor einer zweiten Ansteckungswelle gibt es offenbar nicht. Die Turniere sind gut besucht.

An neue Rituale gewöhnt

„Es geht alles ein bisschen anders“, sagt Karin Gaudigs vom TC Castrop 06, „man kann niemanden mehr umarmen. Das macht man sonst so, wenn man sich seit ein paar Wochen nicht mehr auf dem Platz gegenüber gestanden hat.“ So erlebte sie es im Juli beim Internationalen Seniorentennis-Turnier auf Usedom und ebenso am Freitag (11. September) in Dinslaken bei den Dunlop Senior Tour Masters. „Aber man gewöhnt sich daran, statt Abklatschen nach dem Match, drückt man nun Faust an Faust oder Schläger an Schläger“, schildert die mehrfache Westfalenmeisterin.

Auch Dieter Düwel (TC Castrop 06) spielte auf Usedom mit, bei den Herren 65. „Alle Leute haben sich gut verhalten, sehr diszipliniert“, sagt er, „aber es wissen auch alle, wenn einer gegen die Regeln verstößt, wird vielleicht alles dicht gemacht.“ Bei der Umsetzung von Hygiene-Regeln macht Not offenbar erfinderisch – beispielsweise wenn es um die maximal erlaubte Personenzahl in den Umkleidekabinen geht. „Bei den Krefeld Open haben kleine Hölzchen angezeigt, wie viele Leute bereits drin sind“, berichtet Düwel.

Dieter Düwel (TC Castrop 06) traf in Düsseldorf unverhofft auf den Weltranglisten-Ersten seiner Altersklasse.

Dieter Düwel (TC Castrop 06) traf in Düsseldorf unverhofft auf den Weltranglisten-Ersten seiner Altersklasse. © Volker Engel

Anfang September bestritt er in Dormagen sein erstes ITF-Turnier seit Ausbruch der Coronapandemie. Die International Tennis Federation zögerte, bevor sie auf die Plätze zurückkehrte. „Es wurde Fieber gemessen, man musste schriftlich versichern, dass man sich nicht in einem Risikogebiet aufgehalten hat und frei von Symptomen ist“, erklärt Düwel.

Auf ein Bier mit dem Weltmeister

Corona führt auch zu sportlichen Verwerfungen. Anfang August stand Düwel in Düsseldorf beim DSD Senior Cup Anfang August unverhofft Frits Raijmakers gegenüber. Der Niederländer ist die Nummer Eins der Weltrangliste bei den Herren 65. „Ich hatte keine Chance“, so Düwel, „einmal hatte ich beim Stand von 40:15 einen Netzroller, aber das war´s auch.“ So verlor er in zwei Sätzen. Beim anschließenden Bier habe ihm der Niederländer erzählt, dass er sich eigentlich nur fit halten wolle. ITF-Turniere fanden da ja noch nicht statt. „Es war aber ein Erlebnis gegen einen Weltmeister zu spielen“, so Düwel.

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Und auch Karin Gaudigs erlebte Ungewöhnliches. Beim Badwerk Cup in Mönchengladbach verlor sie gegen Susanne Veismann, die deutsche Nummer Eins der Damen-55-Rangliste. „Es waren nur drei Spielerinnen in dieser Altersklasse gemeldet“, berichtet Gaudigs, „die dritte Spielerin erschien gar nicht erst, so blieb es bei einem Spiel für mich. Ich habe am Ende 560 Punkte für die Deutsche Rangliste bekommen. Für eine Stunde Tennis spielen.“

Helmut Schulz (TC GW Frohlinde) vermisst die Geselligkeit nach dem sportlichen Wettstreit.

Helmut Schulz (TC GW Frohlinde) vermisst die Geselligkeit nach dem sportlichen Wettstreit. © Volker Engel

Jenseits der Ranglisten ist auch Willi Trippe vom TC GW Frohlinde bei den Herren 65 am Ball. „Ich habe das Gefühl, dass in Gelsenkirchen und Kamen diesmal sogar mehr Leute angemeldet waren als sonst“, sagt er, „viele Turniere wurden ja abgesagt und die Leute sind froh, dass sie wieder Tennis spielen können.“

Diesen Eindruck bestätigt Felix Wortmann vom Deutschen Tennis Bund in Hamburg: „Derzeit gibt es weniger Turniere, daher sind diese von Anzahl und Qualität der Spieler tendenziell besser besetzt. Die Leute sind heiß drauf zu spielen.“

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Helmut Schulz (GW Frohlinde) vermisst die Geselligkeit nach dem sportlichen Wettkampf. „Da sitzt man normalerweise noch zusammen und trinkt ein Bier. Das ist wie eine große Familie“, schildert er, „aber wegen Corona sind da viele vorsichtig geworden.“ Am Tisch ist der Abstand schließlich geringer als auf dem Tennisplatz.

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