Sport und Familie: Wie bekommt man das unter einen Hut?

mlzSport im Alltag

Es bedarf logistischer Meisterleistungen: Tischtennisfamilie Schuchardt und die handballbegeisterten Clausens berichten, wie sie Sport und Familie in Castrop-Rauxel zeitlich in Einklang bringen.

Castrop-Rauxel

, 02.01.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen ist manchmal schon schwierig genug. Sind Eltern dann auch noch sportlich aktiv, können die Wochenenden zu einer logistischen Herausforderung werden. Ohne Hilfe geht es kaum.

Rückblende: Mai 2019, die Tischtennisspielerinnen des Post SV um Nicola Schuchardt blicken der zweiten Relegationsrunde um den Verbandsliga-Aufstieg entgegen. „Am Samstagnachmittag feiern wir Lottas Geburtstag, eigentlich wollte ich da nicht spielen“, erklärte damals Nicola Schuchardt, „aber jetzt habe ich die Spiele so verlegt, dass ich einmal vorher und einmal nachher spielen kann.“ Das Emoji am Ende ihre Textnachricht machte unmissverständlich klar, dass die inzwischen 42-Jährige von diesem stressigen Terminplan alles andere als begeistert ist. Lottas fünfter Geburtstag sollte zwischen zwei Aufstiegsspielen über die Bühne gehen.

Entspannter Kindergeburtstag

Doch die zweite Relegationsrunde fiel dann überraschend aus. „Zum Glück hat ein Konkurrent zurück gezogen“, so Nicola Schuchardt. Ihr Team war in die Verbandsliga zurück gekehrt. Und einem entspannten Kindergeburtstag von Töchterchen Lotta stand nichts mehr im Wege.

Sport und Familie: Wie bekommt man das unter einen Hut?

Nicola Schuchardt spielt mit dem Post SV seit Jahren in der Verbandsliga. Bereits als Jugendliche trat sie für die erste Mannschaft aus Obercastrop an. © Volker Engel

Bereits in Runde eins war die Post-Kapitänin hin- und hergerissen zwischen Kind und Sport. „Lotta hatte 40 Fieber und ich war hin- und her gerissen, ob ich am Wochenende nach Bonn fahre zum Tischtennis spielen oder bei meinem kranken Kind bleibe, während mein Team nicht antreten kann. Lotta ging es aber im Laufe des Tages besser und wir sind durch das Antreten in Bonn letztlich aufgestiegen.“
Ein paar Wochen zuvor ist Lottas Vater, Christoph Schuchardt, im Stadtderby der 2. Kreisklasse am Ball. An einem Donnerstagabend tritt sein Post SV III bei Roland Rauxel V an. Nicola bringt derweil daheim Lotta zu Bett. „Wenn es nicht zu spät wird, kommen wir auch zugucken, wenn Nicola spielt“, sagt Christoph Schuachardt, „Lotta stellt dann die Zähltafel um, die Regeln kennt sie schon ein wenig.“

18 Partien pro Saison auf dem Spielplan

18 Partien stehen jeweils pro Saison auf dem Spielplan. „Jeder von uns macht somit 14 Partien pro Saison“, so Christoph Schuchardt, „zwei- bis dreimal überschneiden sich unsere Spieltermine. Im Vorfeld der Saison wird bereits darauf geachtet, dass die Überschneidungen nicht Überhand nehmen. „Das ist von Vereinsseite gut gemanagt.“

Kollidieren die Spieltermine, helfen manchmal Lottas Großeltern aus. „Logistisch kann das zur Katastrophe werden“, so Nicola Schuchardt, manchmal fahre ich dann den ganzen Tag nur hin und her.“

Klappt es mal nicht mit der großelterlichen Unterstützung, muss ein Elternteil auch mal beim Tischtennis aussetzen. Dass Nicola Schuchardt einige Klassen höher spielt – sozusagen fast am anderen Ende innerhalb des Westdeutschen Tischtennisverbandes – bestimmt aber nicht darüber, wer den Schläger in der Tasche lassen muss. „Die Liga ist egal. Das macht keinen Unterschied, hat es auch nie gemacht“, sagt Christoph Schuchardt, „zum Derby hätte ich auf jeden Fall gehen können, da hätte Nicola zurück gesteckt.“

Bei den Schuchardts wird man wohl noch eine ganze Weile Termine koordinieren müssen, damit beide Ehepartner ihrem sportlichen Hobby frönen können. „Tischtennis kann man bis ins hohe Alter spielen“, so Christoph Schuchardt, „also da brauche ich nicht ans Aufhören zu denken.“

Die Clausens lernten sich beim Handball kennen

Sebastian und Karen Clausen haben sich beim Handball kennengelernt. Als der 39-Jährige, der seit 1998 bei der HSG Rauxel-Schwerin spielt, für zwei Jahre zum TV Börnig-Sodingen wechselte, liefen sich die beiden beim Training über den Weg. Inzwischen haben die Clausens zwei Töchter, fünf und ein Jahr alt.

Das gemeinsame Leben dreht sich oft um Handball, aber nicht ausschließlich. „Wir kennen das gar nicht anders“, erklärt Sebastian Clausen. Manchmal wird Handball sogar zum Tabu. „Wir können beide schlecht verlieren, dann blenden wir das Thema zu Hause aus.“

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Sebastian Clausen und Karen Clausen - sozusagen Hand in Hand beim Zweikampf. Zu einem Testspiel trat die HSG Rauxel-Schwerin 2013 gegen die Landesliga-Frauen des Bochumer HC an. © Foto Jens Lukas

Der 39-Jährige wirkt mittlerweile hauptsächlich als Landesliga-Trainer bei der HSG, 1998 war er als Spieler unter Coach Stephan Pade in diese Spielklasse aufgestiegen. 2019 gelang Clausen als Trainer die Landesliga-Rückkehr. Bei der HSG 2 ist er noch manchmal selbst am Ball, trainiert zudem den Nachwuchs. „Diskussionen wie ,Lass uns Dienstagabend doch besser mal ins Kino gehen‘, entstehen bei uns nicht“, sagt er. Dann ist er in der ASG-Sporthalle.

Karen Clausen spielt in der Landesliga für den Bochumer HC. Nach der Geburt der zweiten Tochter ist sie seit Oktober wieder im Training, ebenfalls dienstags. Die 35-Jährige will noch einige Jahre dort spielen.

Unterstützung durch die Großeltern

Der Dienstagabend funktioniere nur mit Unterstützung der Großeltern. „Das hat bei der einen Tochter gut geklappt, warum nicht auch bei der anderen“, so Sebastian Clausen, „donnerstags bin ich dann ja zu Hause.“

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Clausen gegen Clausen: Im Testspiel setzte sich der damalige Bezirksligist Rauxel-Schwerin mit 51:29 (17:11) durch. Damit gewann Sebastian Clausen nicht nur das Spiel, sondern auch eine Wette gegen seine Frau Karen. Dafür musste der Vorsprung der Männer mindestens 15 Tore betragen. © Foto Jens Lukas

Die fünfjährige Lucy kommt schon mal mit zu den Spielen in die Halle. „Für sie ist das aufregend“, so Sebastian Clausen, „meine Schwiegereltern sind oft bei den Spielen meiner Frau dabei.“ Und falls nicht, wechselt man sich mit dem Hüten der Kinder. Da passt der eine aus dem Team mit auf die Kinder der anderen auf.

„Man kann nicht alle Hobbys über Bord werfen, weil man Kinder hat“, sagt Sebastian Clausen, „das ist gar nicht negativ den Kindern gegenüber gemeint, aber man hat ja auch eigene Bedürfnisse.“ Inzwischen geht Lucy zum Mini-Training der HSG. Noch ein Handball-Termin für die Clausens.

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