2009 war Johannes Hennemann mit 83 Jahren der älteste Sportabzeichen-Absolvent. Dennoch sind die Prüfungen keine reine Seniorensport-Veranstaltung.

Castrop-Rauxel

, 13.01.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit 66 Jahren, sang Schlagerbarde Udo Jürgens einst, fange das Leben erst richtig an. In den vergangenen Jahrzehnten scheinen viele Senioren dieses Motto verinnerlicht zu haben – noch dazu überaus sportlich: Sichtbar war das auch im Jahr 2009 beim Sportabzeichen-Familienfest des Stadtsportverbands (SSV). Dort war Johannes Hennemann damals mit 83 Jahren der älteste Sportabzeichen-Absolvent, der ausgezeichnet wurde.

Der Artikel in dieser Zeitung zur Veranstaltung war mit den Worten „Höher, schneller, älter“ überschrieben – weil wieder viele ältere Semester die Prüfungen abgelegt hatten. Johannes Hennemann hatte mal wieder bewiesen, dass man auch im hohen Alter erfolgreich Sport treiben kann. Vor zehn Jahren verbuchte er sein mittlerweile 40. Sportabzeichen in Gold.

Kopf an Kopf mit Werner Kehl

Hennemann wurde vor zehn Jahren nur von Werner Kehl übertroffen. Der damalige Übungsleiter von der Versehrtensport-Gemeinschaft (VSG) legte bereits zum 45. Mal das Sportabzeichen in Gold ab. Auf 40 erfolgreiche Prüfungen wie Hennemann kam auch Horst Kraus.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Ute Spengler (heute 54 Jahre alt) das Amt der SSV-Sportabzeichen-Obfrau frisch von Karin Kern übernommen. Sie konnte in ihrer Statistik für 2008 „eine steigende Zahl von Absolventen“ erfreut registrieren. Über 800 seien es gewesen. Spengler: „Es melden sich vor allem wieder mehr Bewerber mittleren Alters an“, sagte sie damals. Denn inzwischen hatte der SSV einen völlig neuen Kreis von Sportabzeichen-Anwärtern: nämlich Bewerber für Polizei, Bundeswehr und Zoll. Die mussten das Abzeichen vorweisen.

Ute Spengler erinnerte sich am Donnerstag an die Zeit und sagte: „Damals wie heute hat man sich durch die Senioren während des Übungsabends im Stadion an der Bahnhofstraße sowie auf dem Platz an der Uferstraße in Ickern wie in einer großen Sportabzeichen-Familie gefühlt. Ich habe mich immer gefreut, wenn ich die vertrauten Gesichter nach dem Winter wiedergesehen habe.“ Oft wurde neben dem Sport auch über private Dinge geredet. Ute Spengler: „Man kannte sich nach einigen Jahren persönlich. Einige brachten nach und nach ihre Familien mit – sodass es neue Generationen von Prüflingen gab.“

Von Vorteil sei gewesen, dass die Sportplätze umgebaut und mit modernen Leichtathletik-Anlagen versehen wurden. Das lockt bis heute auch Sportler aus anderen Städten an. Wie etwa aus Dortmund-Mengede. Ute Spengler sagte: „Wir hatten im Jahr 2018 einige Studenten der Bochumer Ruhr-Uni. Die wohnten unter anderem auch in Düsseldorf – und wussten zu schätzen, dass man bei uns auch bei Wind und Wetter die Prüfungen ablegen kann.“

16 eigene Urkunden

Ute Spengler selbst nennt einige Sportabzeichen-Urkunden ihr Eigen. Letztmals hat sie im vergangenen Jahr die Prüfungen erfolgreich absolviert, zum 16. Mal. Seit 1990 lebt die studierte Chemikerin, die heute im Gebäudemanagement der Vestischen Kinderklinik in Datteln beschäftigt ist, in Castrop-Rauxel. Ute Spengler engagiert sich mittlerweile seit mehr als zehn Jahren als Prüferin für das Sportabzeichen. Als sich die vorherige Amtsinhaberin Karin Kern 2008 aus Altersgründen zurückzog, rückte sie auf den Posten der „Chefin“.

Aktuell sucht Ute Spengler Leute, die ihr ehrenamtlich bei Übungsabenden und den Prüfungen helfen. Denn vor allem in der Ferienzeit könne es passieren, dass ihr aktuelles Team sich reduziert.

In den 80er-Jahren war das Sportabzeichen-Familienfest, bei dem die Urkunden überreicht wurden, ein gesellschaftliches Ereignis in Castrop-Rauxel. Die Damen kamen im Abendkleid, die Herren hatten sich auch herausgeputzt und sorgten bei Koch-Wilms für ein volles Haus. Die Absolventen ließen sich etwas einfallen: Männer-Ballett, Bauchtänzerin, Aerobic auf der Tanzfläche. Viele Jahre wurde mit großem Programm gefeiert.

Die Zahlen beim Sportabzeichen blieben damals auf hohem Niveau relativ stabil. 1982 wurden in Castrop-Rauxel 1279 Abzeichen erworben. Im Jahr 1985 waren es 1583. „Weiteren Zulauf löste der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker aus, als er sich 1985 mit 65 Jahren zum ersten Mal den fünf Prüfungen stellte und das Sportabzeichen erwarb.

Dann ging es jedoch bald bergab mit den hiesigen Zahlen. 1989 waren es nur noch 1069, im Jahr drauf bereits weniger als 1000 – und zwar 965. 1998 konnte Karin Kern noch 600 Sportabzeichen vermelden. Doch der Abwärtstrend hielt zunächst an.

2001 waren es nur noch 451 Urkunden. Im selben Jahr zog der Sportabzeichen-Ball zur Gaststätte Wetterkamp nach Henrichenburg um. 2018 zählte Ute Spengler über 500 Absolventen.

Wenig Schul-Beteiligung


Sinkend ist allerdings die Schul-Beteiligung, obwohl die drei Schulen mit den meisten Sportabzeichen-Erwerbern vom SSV mit einem Geldpreis bedacht werden. Nur die Grundschulen Alter Garten (Henrichenburg) und Elisabethschule (Obercastrop) sowie das Ernst-Barlach-Gymnasium als einzige weiterführende Schule nahmen teil.

Seit drei Jahren gibt es eine neue Form für das Sportabzeichen-Familienfest. Das ist nunmehr eingebettet in den Neujahrsempfang des Bürgermeisters. Der geht diesmal am Samstag, 2. Februar, ab 18 Uhr in der Europahalle über die Bühne.

Auch der Termin für den Startschuss der Sportabzeichen-Saison 2019 steht schon fest: der 8. Mai. Dann trifft sich die Sportlergemeinde zu den ersten Übungsstunden im Stadion an der Bahnhofstraße.

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