Tartanbahn nach achteinhalb Jahren schon kaputt - Sportler glauben an Pfusch am Bau

mlzSportplatz Uferstraße

Die Leichtathletikbahnen rund um den Kunstrasen in Ickern sind erst acht Jahre alt, aber bereits in einem maroden Zustand. Dabei kostete der Neubau insgesamt 1 Million Euro. Und nun?

Ickern

, 05.02.2019, 05:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Freude war groß am 2. Juli 2010, als die modernisierte Sportanlage an der Uferstraße in Ickern feierlich eröffnet wurde. Aus dem Fußballplatz und der Leichtathletikbahn aus Asche waren ein Kunstrasen und eine vierspurige Tartanbahn geworden.

Freude über neue Tartanbahn war groß

Klaus-Dieter Kern vom damaligen Verein Lauftreff Castrop-Rauxel gab nach einer Runde sein Testurteil ab. „Das ist ein Laufen wie auf Moos“, sagt er.

Er war wie die weiteren Gäste der Eröffnung froh, dass die ursprünglichen Pläne verworfen wurden, nur zwei 100-Meter-Bahnen anstatt der vier Rundlaufbahnen zu bauen. So sah es auch Ute Spengler, die als Sportabzeichenwartin mit ihren Prüflingen die Anlage in den Sommermonaten freitags nutzt.

Aktuell macht sie sich allerdings Sorgen: Schon im vergangenen Jahr war die Nutzung für die Laufdisziplinen nur mit Vorsicht möglich. Unserer Redaktion zeigte sie am Sonntag vor Ort, was das Problem ist: Die Gummischicht der Tartanbahn löst sich auf. Sichtbar ist das an unzähligen maroden Stellen, an denen der synthetische Belag gerissen ist und in Lappen herumliegt.

Verdacht: Wurde das Material gestreckt?

Die Sportabzeichenwartin selbst wollte den Verdacht nicht äußern. Sie hat von anderen Nutzern der Anlage aber gehört, dass womöglich beim Bau gepfuscht worden sei.

Spengler: „Böse Zungen behaupten, dass nach dem Beschluss, von zwei auf vier Bahnen zu gehen, das vorhandene Material einfach gestreckt wurde.“ Das heißt: Der Gummibelag ist womöglich nur halb so dick wie nötig.

„Es kann nicht davon die Rede sein, dass zu wenig Material verwendet wurde.“
Johannes Beisenherz

Johannes Beisenherz, der als Bürgermeister 2010 die Anlage eingeweiht hatte, erinnerte sich am Montag an die politische Entscheidung, die zu den vier Umlaufbahnen führte.

Er sagt: „Wir sind der Bitte der Sportler nachgegangen, um eine ordentliche Anlage übergeben zu können. Deshalb haben sich die Kosten unwesentlich erhöht. Es kann nicht davon die Rede sein, dass zu wenig Material verwendet wurde.“

Vorgehen soll nach dem Frost geklärt werden

Für den Bau und den Erhalt der Sportstätten ist in Castrop-Rauxel der Stadtbetrieb EUV zuständig. Dessen Vorstand Michael Werner erklärte am Montag: „Wir wissen, dass Reparaturbedarf besteht. Sobald die nächsten Frostphasen beendet sind, werden wir bei einem Vorort-Termin klären, wie wir vorgehen werden.“

Maresa Hilleringmann, Pressesprecherin der Stadtverwaltung: „Es muss noch geklärt werden, ob nicht die ausführende Firma die Verantwortung für die Schäden trägt. Aktuell ist kein Geld im Haushalt für Reparaturen veranschlagt. Eine schnelle Lösung können wir nicht in Aussicht stellen.“

Tartanbahn nach achteinhalb Jahren schon kaputt - Sportler glauben an Pfusch am Bau

Erwin Bathke hatte bei der Eröffnung der Sportanlage an der Uferstraße unter anderem die Breite der einzelnen Bahnen nachgemessen und bemängelt. © Jens Lukas

Erwin Bathke (TB Rauxel) hatte bereits 2010 bei der Eröffnung an der Uferstraße von „Pfusch“ gesprochen. Denn der Vorsitzende des Kreis-Leichtathletikausschusses Herne/Castrop-Rauxel hatte nach der Abnahme des neu gebauten Sportplatzes schon bei einigen Details Anlass zur Kritik.

Er nahm damals Maß - und stellte fest: An einigen Stellen auf den 400 Metern waren die vier Rundlaufbahnen enger bemessen als die internationale Norm von 1,22 Meter. Bathke: „Das darf nicht passieren. Schließlich ist die Anlage durch Steuergelder finanziert.“ Zudem seien viele der gelben Markierungen für die Staffellauf-Wechselzonen falsch gesetzt worden, stellte der Mann vom TBR fest.

1 Million Euro stand damals zur Verfügung

Für die Sportplatzsanierung hatte die Stadt Castrop-Rauxel vor neun Jahren Aufträge im Wert von 985.992 Euro herausgegeben. Aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung stand damals für das Projekt 1 Million Euro zur Verfügung.

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