Stefan Weiß ist jetzt Kapitän beim Deutschen Meister

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Noch heute schwärmt der 39-Jährige Stefan Weiß von Roland Rauxel und den Derbys gegen Post SV. Doch mit seinem jetzigen Verein TTV Metelen sind Nachbarschaftsduelle kaum weniger aufregend.

Castrop-Rauxel

, 26.09.2019, 11:33 Uhr / Lesedauer: 3 min

In seiner gesamten Tischtenniszeit von 28 Jahren, „war Roland Rauxel die beste Zeit“, sagt Stefan Weiß, „ich würde sofort wieder dort spielen, wäre ich nicht inzwischen zu weit weg.“

Dabei ist er sich nach eigener Aussage überaus glücklich in seiner neuen Wahlheimat Metelen, einer kleinen Gemeinde im Münsterland – sportlich sowie privat. Beim TTV Metelen spielt Weiß in der dritten Saison in der Verbandsliga, also eine Klasse höher als beim Landesligisten Roland Rauxel. Der DJK hatte er 2015 noch zur Landesligarückkehr verholfen, dann wechselte der Tischtennis-Stadtmeister von 2011 nach Bochum. „Natürlich wollte ich den Verein im Aufstiegskampf nicht im Stich lassen“, so Weiß, „aber anschließend, in der Landesliga, konnte ich nicht mehr in Rauxel spielen, da waren so viele andere Dinge, die meine Zeit forderten.“

Stefan Weiß ist jetzt Kapitän beim Deutschen Meister

Ein Foto aus dem Jahr 2007: (v.l.) Thorsten Wasielak, Stefan Weiß, Christoph Pauly, Christian Bojak, Marc Heydemann, Torben Krumme prägten als eingeschworene erste Mannschaft die DJK Roland Rauxel. Noch heute treffen sie sich einmal im Jahr zum Grillen und Plaudern.

So schloss er sich dem TT-Team Bochum an, ebenfalls in der Landesliga am Ball, aber Trainingshalle und Heimspielstätte lagen ganz in der Nähe seines damaligen Wohnortes in Hattingen.

Aus denselben Gründen hatte sich Weiß bereits zuvor für zwei Jahre Richtung SV Bommern verabschiedet, bevor er für zwei Spielzeiten an die Bahnhofstraße zurückkehrte, wo er zunächst mit Roland abstieg und dann in die Landesliga zurückkehrte. Insgesamt sieben Jahre spielte der heutige Münsterländer für Rauxel.

Zuviele Egos in Bochum

„In Bochum habe ich mich damals nicht so richtig wohlgefühlt, auch wenn ich dort am Verbandsliga-Aufstieg mitgewirkt habe“, so Weiß, „da waren zu viele Ego-Spieler.“ Vor drei Jahren brach der 39-Jährige dann seine Zelte im Ruhrgebiet ab und zog ins beschauliche Metelen. „Die Liebe und der Job“, hätten ihn zum Umzug bewogen, so Weiß. 2017 schloss sich der Ex-Rauxeler dem TTV Metelen an, wo er als Kapitän an Platz fünf spielt.

Am Samstag verlor Weiß mit Metelen 6:9 zum Saisonstart in Hiltrup, gewann aber ein Einzel. Der 39-Jährige hat derzeit Probleme mit der Schulter. Sein Ziel für die Saison lautet daher: „Fit bleiben und die Verbandsliga halten.“ Im Traditionsverein – TTV Metelen wurde in der Saison 1957/58 Deutscher Meister – will Weiß natürlich mit gutem Beispiel vorangehen. „Wenn ich sage, ich spiele die Saison, dann fehle ich nicht fünf Spieltage pro Halbserie, hier vermisse ich ein wenig die Geschlossenheit, die ich aus Rauxel kenne.“

Stefan Weiß ist jetzt Kapitän beim Deutschen Meister

Stefan Weiß im Jahr 2015. © Volker Engel

Zur Saison 2006/07 war Weiß vom Landesliga-Absteiger TV Gerthe an die Bahnhofstraße gewechselt, wo er an Brett zwei zur Mannschaft um Spitzenspieler Christoph Pauly zählte. Ein Team, das das Gesicht des Vereins nachhaltig prägen sollte. Neben dem Spitzen-Duo waren es Torsten Wasielak, Torben Krumme, Christian Bojak, Marc Heidemann und der damalige Youngster Robin Gude, die immer wieder für Schlagzeilen sorgten. Einmal im Jahr trifft sich die alte Truppe zum Grillen und Plaudern. „Die Entwicklung von Robin ist schon sensationell, was Robin Gude inzwischen für Bilanzen spielt“, schwärmt Weiß.

Und natürlich gibt es jene unvergesslichen sportlichen Momente, die Weiß gedanklich immer wieder an die Bahnhofstraße zurückbringen. „Manchmal waren über 50 Leute in der kleinen Halle, das war eine super Stimmung“, so der 39-Jährige, „wie bei diesem Wahnsinnsspiel gegen TTF Bönen.“ Beim Stand von 8:7 für Rauxel, gewann Weiß an der Seite von Mathias Böhm das Abschlussdoppel. Einer ihrer Gegner damals: Heiko Raatz. „Der spielte damals auf Oberliga-Niveau“, erläutert Weiß.

Kaputter Ball im Derby

Oder die Landesliga-Derbys gegen den Stadtrivalen Post SV. „Einmal habe ich gegen Carsten Hölper gespielt und es stand super knapp im fünften Satz. Carsten hat sich dann volle Pulle in den Ball gelegt, der dadurch kaputt ging, sodass ich ihn nicht returnieren konnte“, erinnert sich Weiß.

Eher eine kleine Nickligkeit, im Vergleich dazu, wie offenbar Lokalderbys im Münsterland geführt werden. Ochtrup liegt nur acht Kilometer entfernt von Metelen. Dort spielt der SC Arminia in der NRW-Liga und die Reserve in der Verbandsliga. „In der Saison, als uns der Abstieg drohte, ging es für beide Ochtruper Mannschaften um nichts mehr“, erinnert sich Weiß, „dennoch haben die ihre erste Mannschaft nicht antreten lassen und 200 Euro Strafe in Kauf genommen, nur damit deren ,Zweite‘ mit voller Kapelle spielen konnte. Eigentlich eine ziemliche Frechheit.“ Seine Mannschaft bekam eine ordentliche Klatsche und entging nur knapp dem Abstieg.

Duell mit dem Ex-Club?

Sein absoluter Wunschgegner künftiger Verbandsliga-Spielzeiten wäre sein Ex-Club, die DJK Roland Rauxel. Da sich Metelens Staffel von Rheine bis nach Herne ausdehnt, wäre das zumindest geografisch möglich. Und Rauxel hat es immerhin schon zweimal in die Aufstiegsrelegation geschafft. Vom vor Jahresfrist angestrebten Aufstieg, sehen sich die Rauxeler aber derzeit selbst zu weit entfernt. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, meint Weiß.

Wie es nächste Saison für den 39-Jährigen weitergeht, ist noch nicht ganz klar. „Das dritte Kind ist unterwegs, wir bauen ein Haus, vielleicht werde ich ein Jahr Pause machen“, so Weiß. Ans Karriereende denkt er aber noch nicht. Dafür an ein eventuelles Comeback in Rauxel – bei den Herren 40. In dieser Altersklasse darf ein Spieler auch dann antreten, wenn er regulär für einen anderen Verein an der Platte steht. „Es wären dann ja nur ein, zwei Termine pro Saison, die ich antreten würde“, so Weiß, „wir Ehemaligen aus der ersten Mannschaft haben beim Grillen bereits laut darüber nachgedacht.“

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