Tennis-Spieler aus Frohlinde: So erlebt Adam Barnes die Brände in seiner Heimat Australien

mlzFeuer in Australien

Trotz Rauch und Flammen soll am Montag das Tennis-Turnier Australian Open starten. Der Frohlinder Adam Barnes, gebürtig aus Australien, kritisiert das. Er denkt an seine Familie in Down Under.

Castrop-Rauxel

, 16.01.2020, 14:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man würde Nick Kyrgios nicht zu nahe treten, wenn man ihn als Tennis-Rüpel bezeichnet. Schon mehrmals wurde er wegen Undiszipliniertheit auf dem Feld verwarnt und bestraft. Im vergangenen Jahr pfefferte der 24-Jährige bei einem Turnier in Rom erst seinen Schläger und dann einen Stuhl über den Platz. Disqualifikation.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit über den Australier. In seiner Heimat toben seit Monaten Brände. Teile des Landes sind verwüstet. Weil Kyrgios als Tennis-Profi einen anderen Einfluss hat als der durchschnittliche Australier, hat er ein Spendenturnier organisiert. Roger Federer, Rafael Nadal, Novak Djokovic. Sie alle kamen. Und sammelten fünf Millionen australische Dollar für die Opfer der Waldbrände.

Adam Barnes verfolgte die Brände über die Medien

Öfter als gewöhnlich ist dieser Tage Tennis-Kollege Adam Barnes mit den Gedanken in „Down Under“. Vor mehr als 20 Jahren kam der junge Australier nach Europa, um Profispieler zu werden. Der heute 44-Jährige wurde schließlich in Frohlinde sesshaft und lief viele Jahre für den TC GW Frohlinde auf.

Seine Eltern leben im Süden der Großstadt Melbourne. Die Flammen kommen aus Richtung Norden und haben riesige Flächen Land völlig zerstört. „Mit ihnen ist alles okay“, sagt Barnes. Bekannte von ihm saßen in Australien schon auf gepackten Koffern. Immer bereit zu gehen, falls das Feuer zu nahe kommt.

Tennis-Spieler aus Frohlinde: So erlebt Adam Barnes die Brände in seiner Heimat Australien

Adam Barnes am Ball für den TC GW Frohlinde. © Volker Engel

„Wir haben das hier natürlich über die Medien verfolgt. Über die Feiertage war die Situation vor Ort am schlimmsten“, so Barnes. Die Bilder der Flammen gingen um die Welt. Viele Millionen Tiere wie Koalas und Kängurus sind im Feuer umgekommen. „Wir haben auch Geld gespendet“, sagt Barnes.

Die Aktion der Tennis-Profis mit Kyrgios, Federer und Co. habe ihn daher persönlich berührt und sehr gefreut. Vor allem weil Kyrgios in der Szene nicht der beliebteste ist, die anderen Stars aber trotzdem bei der Aktion mitgemacht hätten.

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Was er hingegen nicht verstehen kann, ist, dass in Melbourne ab kommenden Montag (20.1.) das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres ausgetragen werden soll: die Australian Open.

Adam Barnes: Australian Open sollten verschoben werden

Aktuell werden noch die Qualifikationen ausgespielt. Viele Tennis-Profis klagten über Atemnot. Barnes plädiert im Gespräch mit dieser Redaktion dafür, den Wettbewerb zu verschieben – wie viele andere Experten aus der Szene. „Warum muss man erst darauf warten, dass etwas Schlimmes passiert, um es abzusagen?“, so Barnes. „Die Spieler sind alle top fit und haben trotzdem ihre Probleme.“

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Dass es im australischen Sommer, der in unsere Wintermonate fällt, zu Wetterkapriolen kommt, ist nicht ungewöhnlich. Barnes hatte in der Vergangenheit zwischen Weihnachten und Neujahr dort auch schon mal an Turnieren teilgenommen, als die Wälder im Land brannten. Er konnte die meterhohen Flammen sehen. Die Temperaturen lagen bei „nur“ 40 Grad. Nun ist es teilweise noch zehn Grad heißer. „Das ist schon heftig“, weiß der Australier. Dazu käme der Wind.

Immerhin: In den kommenden Tagen soll es Regen geben. Dennoch liegen über Melbourne dichte Rauchschwaden. Die Organisatoren wollen trotz aller Kritik den Turnierplan durchziehen. The games must go on.

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