Türkischer Militär-Gruß ist zweiter Stein des Anstoßes beim Herner Abbruchspiel

mlzFußball-Kreisliga A

Neben dem Angriff auf einen Linienrichter kann eine Szene des Spiels des FC Castrop-Rauxel bei RWT Herne vor dem Sportgericht landen.

Castrop-Rauxel

, 14.10.2019, 18:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hohe Wellen schlägt weiterhin das in der 73. Minute abgebrochene Kreisliga-A-Fußballspiel des FC Castrop-Rauxel bei RWT Herne. Neben dem gewaltsamen Übergriff eines Herner Spielers auf einen der Linienrichter wird in der Öffentlichkeit eine weitere Szene diskutiert: Die Gastgeber sollen ihren Treffer zur 2:1-Führung mit einem militärischen Gruß gefeiert haben.

Durch diesen Jubel scheint die türkische Militäroffensive in Nordsyrien jetzt auch Auswirkungen auf den heimischen Fußballsport zu haben. Hernes Trainer Serhat Hakan wurde am Sonntag im Internet bei WAZ.de zunächst mit den Worten zitiert: „Meine Spieler zeigten den militärischen Gruß, um sich mit ihrem Land solidarisch zu zeigen. Für uns ist das eine normale Aktion gewesen, ohne politischen Hintergrund.“

Der türkische Militärgruß hatte auch im Profi-Fußball in den vergangenen Tagen einen großen Wirbel ausgelöst. Türkische Nationalspieler hatten mit gleicher Geste den 1:0-Sieg gegen Albanien gefeiert.

Anfeindungen gegen Profis


Nationalspieler Cenk Tosun hatte ein Foto der türkischen Spieler beim Militärgruß auf Instagram hochgeladen. Die beiden deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Emre Can hatten das Foto zunächst mit „Gefällt mir“ markiert. Anschließend hatten Gündogan und Can ihre „Likes“ wieder zurückgenommen. Anfeindungen blieben ihnen jedoch nicht erspart.

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Bernd Götte (Herne), der 2. Vorsitzende des Fußballkreises Herne/Castrop-Rauxel, sagte am Montag zu dem Vorfall in der Kreisliga A: „Offiziell habe ich keine Kenntnis davon, dass es einen solchen Jubel gab. Wenn es allerdings so gewesen ist, dulden wir solch eine Aktion mit politischer Aussage nicht.“

Heinz Rychlik (Sodingen), der Vorsitzende der Kreisspruchkammer (KSK), erklärte: „Mir liegt derzeit der Sonderbericht des Schiedsrichters noch nicht vor. Daher kann ich zu dem Fall nichts sagen. Vorrangig werden wir den Angriff auf den Linienrichter verhandeln.“ Sollte im Sonderbericht nichts von dem unsportlichen Verhalten beim Torjubel stehen, hätte sein Gremium wegen dieses Deliktes mit dem militärischen Gruß keine Handhabe.

Warten auf Sonderbericht

Andreas Pelzing, Staffelleiter der Kreisliga A, erwartet nun einen Sonderbericht des Schiedsrichters. „Erst dann werde ich über Sanktionen entscheiden“, sagte Pelzing. Die Herner Mannschaft soll in der Vergangenheit öfter negativ aufgefallen sein. Aufgrund dessen war ein Schiedsrichtergespann angefordert worden. Die Wahl fiel auf den Dortmunder Dominik Sellung und seine Assistenten. „Ungewöhnlich war, dass Türkspor selbst die Initiative für die Ansetzung ergriff“, sagte Pelzing.

Castrop-Rauxels Vorsitzender Uwe Blase sprach von einem „bedauerlichen Vorfall“ bei der Attacke gegen den Linienrichter. Es habe RWT-Verantwortliche gegeben, die deeskalierend auf die eigenen Spieler eingewirkt hätten.

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