Die Ickerner behaupten, dass dem Verein 9000 Euro für Abrissarbeiten von der Stadt versprochen wurden. Die darf aber nur der Stadtsportverband auszahlen. Der lehnte ab. Was passiert jetzt?

Ickern

, 29.06.2018, 16:48 Uhr / Lesedauer: 4 min

Darf Eintracht Ickern die Fußball-Stadtmeisterschaft austragen oder nicht? Eine Frage, die in den vergangenen Wochen die gesamte heimische Fußball-Szene beschäftigte. Nun ist klar: Eintracht darf es nicht. Warum genau eigentlich nicht?

Die Art und Weise, wie mit dem Verein in den vergangenen Monaten umgegangen worden sei, macht die Verantwortlichen an der Uferstraße, allen voran Geschäftsführer Sebastian Horstknepper, mächtig sauer. Der hatte in der vergangenen Woche einen Anruf bekommen: Die Stadt habe dem Klub mit sofortiger Wirkung die Austragungsrechte des Turniers entzogen. „Wir fühlen uns wie ein Spielball zwischen der Stadt, dem Stadtsportverband (SSV) und dem Immobilienmanagement“, sagte Horstknepper noch am selben Tag im Gespräch mit der Redaktion.

Stadt hat das Geld 2017 zugesagt

Das ginge nun schon seit etlichen Monaten so, vor allem in Bezug auf den Abriss des alten und den Bau des neuen Vereinsheims auf dem Sportplatz an der Uferstraße. Konkret: Die Verantwortlichen behaupten, dem Klub stehe ein Betrag zwischen 8000 und 9000 Euro für die Abrissarbeiten des alten Baus zu. Zugesagt im Sommer 2017 von der Stadt. Der Verein könnte damit die Schulden in Höhe von fast 10.000 Euro tilgen. Der Restbetrag sollte durch die Einnahmen der Stadtmeisterschaft abgestottert werden.

Beide Einnahmequellen scheinen endgültig versiegt. Sogar eine Insolvenz-Anmeldung ist im Norden der Stadt plötzlich ein Thema.

Die Frage ist nun: Was passiert mit den vermeintlich versprochenen 9000 Euro?

Das ist die Version der Geschichte von Eintracht Ickern

Am 23. Mai 2017 fand ein Treffen zwischen Vertretern der Stadt, unter anderem Bürgermeister Rajko Kravanja, Wilfried Heyden, damals Leiter des Bereichs Sport und Bäder, und Gregor Kania, technischer Leiter des Immobilienmanagements, und Vertretern des Vereins statt.

Nachzulesen ist das im Gesprächsprotokoll, das der Redaktion vorliegt. Es ging dabei um den Abriss des alten Vereinsheims, das vor mehr als 30 Jahren ohne Baugenehmigung, also als Schwarzbau, errichtet worden war und daher entfernt werden musste. Festgelegt wurde im Mai 2017 folgendes: „Der Abriss der alten Hütten soll in einem Zeitraum von zwei Monaten erfolgen. Zur Sicherheit werden 4000 Euro der noch verbliebenen 7000 Euro SSV-Fördermittel einbehalten und ggf. nach Ablauf der zwei Monate für den Abriss eingesetzt, falls der Verein den Abriss nicht wie zugesagt im vereinbarten Zeitraum beauftragt.“

Das Geld hat der Klub nicht erhalten, so Horstknepper, da die Frist für die Fördergelder abgelaufen gewesen seien. Die Eintracht sollte für die Abrisskosten einen neuen Antrag stellen. 9000 Euro veranschlagten die Ickerner angeblich dafür. „Herr Heyden sagte uns damals, wir sollen schnellstmöglich anfangen. Über die finanzielle Abwicklung wollte er sich im Nachhinein kümmern“, so Horstknepper. Das taten die Ickerner auch. Das Geld ist bis heute jedoch nicht überwiesen worden.

Konstruktive Ordnung der Verhältnisse

Was sagt die Stadt dazu? Nichts Konkretes. Bezüglich der 4000 Euro antwortete Pressesprecherin Nicole Fulgenzi: „Die Mittel der Sportpauschale werden vom Stadtsportverband verwaltet. Für die Auszahlungsmodalitäten ist es sicher zielführender, den direkten Kontakt zu suchen.“ Ferner führte sie aus: „Die Vertreter der Stadt haben im Laufe der Zeit – von der Arbeitsebene bis zum Bürgermeister – wiederholt das Gespräch gesucht und versucht, an einer konstruktiven Ordnung der Verhältnisse mitzuwirken.“

Am Donnerstagnachmittag erreichen wir bezüglich dieses Themas Ulrich Romahn, den Vorsitzenden des Stadtsportverbands. Er stellt klar: „Die SSV-Fördergelder waren damals für den Neubau des Vereinsheims beantragt worden. Nach zwei Jahren ist diese Frist für den Förderbescheid abgelaufen“, so Romahn. Folglich seien die für den Neubau beantragten 4000 Euro nicht überwiesen worden.

Erst anfangen, wenn Antrag durch ist

Zum neuen Antrag äußert sich Romahn wie folgt: „Für die Abrissarbeiten stand nie ein Betrag in Höhe von 9000 Euro, sondern von 4000 bis 5000 Euro für Container und Bagger im Raum. Ich habe damals gesagt: Fangt mit den Arbeiten erst an, wenn der neue Antrag genehmigt worden ist. Eintracht hat aber schon vorher angefangen, weshalb der Antrag abgelehnt worden ist.“ Richtig sei hingegen, dass die Verwaltung zugesagt habe, sich für die Genehmigung der Gelder einzusetzen. „Auf die Ausschüttung der Gelder hat die Stadt aber keinen Einfluss“, betont Romahn erneut.

Also ein Kommunikationsfehler zwischen Stadtverwaltung und Verein? „Das bewerte ich nicht“, so der SSV-Vorsitzende. „Dazu kann ich auch keinen Kommentar abgeben, weil ich nicht dabei war, als Stadt und Verein das kommuniziert haben.“

Verein fühlt sich im Stich gelassen

Fakt ist, dass sich der Klub vor allem von der Stadtverwaltung in dieser Hinsicht im Stich gelassen fühlt. In der vorletzten Woche gab es nochmals ein Gespräch zwischen Eintracht und Vertretern der Stadt. „Herr Kania hat da nochmals bestätigt, dass es von Herrn Heyden die Zusage zur Unterstützung gab“, sagte Sebastian Horstknepper.

Denn langsam wird es finanziell eng. Der Klub hat Schulden bei der Stadt und bei privatwirtschaftlichen Akteuren, etwa einer Baufirma und dem Getränkezulieferer, wird aktuell nur durch Privatkapital am Leben gehalten. Nun darf Eintracht Ickern auch die Stadtmeisterschaft nicht austragen – offiziell, weil Vereinbarungen nicht eingehalten worden sind. „Einer unserer Geldgeber hätte nie einer weiteren Finanzspritze zugestimmt, wenn Vertreter der Stadt ihm nicht versichert hätten, dass er das Geld auf jeden Fall zurückbekommt.“

Nachweise fehlen

Pressesprecherin Nicole Fulgenzi erklärt: „Diverse, direkt nach dem Gespräch zugesagte Nachweise sind bislang nicht vorgelegt worden. Auch die Forderungen zum Erhalt der Sondernutzungserlaubnis sind trotz Absprache nicht erfüllt worden. Zudem wurden weitere Fakten vom Verein offen gelegt, woraufhin die Stadtverwaltung zur Einschätzung kam, dass von einer ordnungsgemäßen Durchführung der beantragten Veranstaltung nicht auszugehen ist.“

Geschäftsführer Horstknepper sagt hingegen, man hätte die ausstehende Sportstättennutzungsgebühr in Höhe von 5325 Euro zahlen können, wenn die vermeintlich versprochene Unterstützung auf dem Eintracht-Konto eingegangen wäre. Beides war nun nicht der Fall, weshalb die Fronten zwischen Stadt und Verein verhärtet bleiben, Gespräche vonseiten der Verwaltung beendet sind. Horstknepper: „Wenn wir uns nicht mehr zu helfen wissen, müssen wir uns juristische Unterstützung suchen.“

Lesen Sie jetzt