Vereins-Vorsitzender sagt: „Wir fangen bei unserem Nachwuchs nach dem Lockdown wieder bei Null an“

mlzSport und Corona

Corona-Pandemie und Lockdown haben den Amateursport fest im Griff. Auch ein 1959 gegründeter Verein, der mit Turnieren Castrop-Rauxel europaweit bekannt gemacht hat, hat sein Päckchen zu tragen.

Castrop-Rauxel

, 11.11.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In Castrop-Rauxel gibt es 68 Vereine mit insgesamt rund 12.500 Mitgliedern, die dem Stadtsportverband angeschlossen sind. Während des November-Lockdowns können sich die Aktiven nicht auf Sportplätzen und in Sporthallen treffen. Einige Individual-Sportler können ihr Training absolvieren.

Nicht so jene Athleten, die in Habinghorst in der Turnhalle 1 der Fridtjof-Nansen-Realschule beheimatet sind: die Fechter des OFC Castrop-Rauxel. Sie können ihren Sport nicht solo ausüben oder üben.

Fechter sind in Westfalen eine kleine Gemeinschaft

In Westfalen sind die Fechter und Fechterinnen eine kleine, verschworene Gemeinschaft. Der Westfälische Fechter-Bund zählt gerade 39 Vereine mit 1753 Mitglieder. Davon sind mit 1000 eine erstaunlich hohe Zahl Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre. Selbst der kleine Fußballkreis Herne/Castrop-Rauxel hat mit 47 Vereinen mehr zu bieten. Da ist es umso erstaunlicher, dass in Castrop-Rauxel mit dem Olympischen Fechtclub einer dieser 39 westfälischen Fechtvereine beheimatet ist.

Holger Roßlan (l.), der Vorsitzende OFC Castrop-Rauxel begrüßte oft die Delegation des französischen Partnervereins Vincennes - wie hier im Mai 2016 mit dem Präsidenten Jean-Laurent Barbier

Holger Roßlan (l.), der Vorsitzende OFC Castrop-Rauxel begrüßte oft die Delegation des französischen Partnervereins Vincennes - wie hier im Mai 2016 mit dem Präsidenten Jean-Laurent Barbier © Volker Engel

Mit „Fechten ist ein Sport für jede Altersklasse“, wirbt der OFC selbstbewusst auf seiner Homepage im Internet: Mit 60 Mitgliedern ist er zahlenmäßig ein kleiner Verein. „Darunter sind aber 25 Nachwuchskräfte“, so der Vorsitzende Holger Roßlan stolz, fügt aber sogleich hinzu: „Der Nachwuchs macht schnell erste Fortschritte - danach beginnt dann aber die Quälerei. Trotzdem haben Kinder Spaß beim Training und wollen fechten.“ Gefochten wird beim OFC mit allen drei Waffen: Florett, Degen, Säbel. „Die Grundausbildung erfolgt mit dem Florett“, so Roßlan.

Der Club-Chef beklagt für den Fechtsport allgemein und den OFC insbesondere die Corona-Einschränkungen und den aktuellen Lockdown: „Nach dem ersten Lockdown habe ich für das Training Hygienemaßnahmen nach den Vorgaben des Deutschen Fechter-Bundes erarbeitet, die auch nicht verletzt wurden. Und nun im November trifft uns trotzdem der zweite Lockdown. Unsere Sporthalle ist abgeschlossen - ob sich das im Dezember ändert, ist fraglich.“

Routinierten Fechtern geht Puste schneller aus

Wie nachteilig macht sich überhaupt eine lange Trainingspause bei einer technisch so komplexen Sportart wie Fechten bemerkbar? Darauf weiß der OFC-Vorsitzende Roßlan eine Antwort: „Ältere Fechter bekommen bei der Technik keine Probleme - bei denen geht eher die Kondition verloren, und sie hecheln später in Gefechten nach zwei Aktionen schon nach Luft. Fechten erfordert viel Kondition. Die Nachwuchs-Anfänger haben nach einem Monat Trainingspause viele technische Abläufe vergessen.“ Bei ihnen fangen Fechtmeister Norbert Kuligk und Trainer-C-Lizenzinhaber Holger Roßlan quasi wieder bei Null an mit der Arbeit.

Alle Jahre wieder stellt der OFC Castrop-Rauxel die Fechtturniere um den Castroper Husar in der Habinghorster Sporthalle an der B235 auf die Beine.

Alle Jahre wieder stellt der OFC Castrop-Rauxel die Fechtturniere um den Castroper Husar in der Habinghorster Sporthalle an der B235 auf die Beine. © Volker Engel

Fehlendes Training ist aber nicht alles, was das Fechten durch die Corona-Pandemie zurückwirft. Der Westfälische Fechter-Bund hat in diesem Jahr viele Turniere abgesagt. Auch Trainer-Lehrgänge finden nicht statt. Prüfungen zur Erlangung der Turnier-Reife - wichtig für den Nachwuchs - finden erst recht nicht.

Roßlan: Freunde aus Frankreich haben größere Corona-Sorgen als wir

Für den Olympische Fechtclub ist schade: Zu Pfingsten wurde der 26. Vergleich mit dem befreundeten Cercle d’Escrime de Vincennes abgesagt. „Die Franzosen hatten und haben viel größere Sorgen mit Corona als wir. Die Freunde aus Paris habe ich für Pfingsten 2021 erneut eingeladen - ob das klappt, weiß jetzt noch keiner“, so Roßlan. Dabei sei gerade dieser fechterische Vergleich ein besonderes Erlebnis für den Nachwuchs.

Das war’s aber längst noch nicht. Das Grillfest im September fiel aus. Und in diesem November findet auch das eigene Turnier um den „Castroper Husar“ nicht statt. Im Dezember steht beim OFC somit nur noch die Ehrung der Trainings-Weltmeister auf der Agenda.

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„Bei dieser Ehrung mit Pokalen sind normalerweise 60 bis 70 Leute in der Sporthalle, was diesmal nicht geht. Ich denke, dass auch dieser interne Jahres-Höhepunkt ins Wasser fallen wird“, sagt Roßlan, der trotz allem aber nicht den Mut verliert: „Beim OFC war es schon immer ein ständiges Auf und Ab - es kommen auch wieder bessere Zeiten.“ Der Vorsitzende ist daher überzeugt, dass der 1959 gegründete Olympische Fechtchlub unbeschadet in das 62. Jahr seines Bestehens geht.

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