VfR Rauxel: Chronist Kerschner kennt viele Anekdoten

CASTROP-RAUXEL In 100 Jahren kann viel passieren, da sammeln sich viele Anekdoten an. Zum Beispiel die, dass irgendwann einmal eines der beiden Holz-Tore des VfR Rauxel nicht mehr da war. Geklaut, über Nacht abgesägt. Der Übeltäter wurde nie ausfindig gemacht. Vielleicht war es der allzu ängstliche Gegner vom nächsten Tag.

von Von Marc Stommer

, 11.06.2008, 13:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kurt Kerschner, Kassierer des VfR Rauxel, erstellte die Chronik des Vereins zum 100-jährigen Bestehen.

Kurt Kerschner, Kassierer des VfR Rauxel, erstellte die Chronik des Vereins zum 100-jährigen Bestehen.

"Ich weiß nicht mehr gegen wen das war, das war irgendwann in den 70-er Jahren", sagt Kurt Kerschner, Kassierer und Chronist des VfR Rauxel. "Es könnte Holthausen, aber auch Obercastrop gewesen sein."

Kerschner hat bei seiner Recherche viele Geschichten gehört. Seit Anfang des Jahres hat er an der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des VfR Rauxel geschrieben. 23 Seiten ist sie dick. "Den größten Teil habe ich mit der Hand geschrieben, ich bin kein Büro-Mensch", sagt der 66-jährige Tischlermeister im Ruhestand.

Am bekanntesten ist wohl die Legende von der "Staubwolke Rauxel". Schließlich brachte sie dem Verein den Spitznamen ein, den er - zumindest in der älteren Generation - bis heute behalten hat. "Im Sommer hat man im Sechzehner des Sandplatzes in Bladenhorst die Hand vor Augen nicht mehr gesehen, so staubig war das", erinnert sich Franz-Josef "Boy" Koths.

Die "Staubwolke Rauxel"

Der 71-Jährige wechselte mit 16 Jahren von der DJK Roland Bladenhorst zum VfR, spielte in der 2. Jugend. Eigentlich durfte er das gar nicht, denn seine Mutter war nicht begeistert, dass der Junge Fußball spielen wollte. "Wir haben damals in der Victorstraße gewohnt, direkt gegenüber vom "Alten Fritz", dem damaligen Vereinslokal", erzählt Koths. "Wenn die erste Mannschaft gewonnen hatte, ging es hoch her, da floss viel Bier." Mutter war wie gesagt nicht begeistert.

Und irgendwann habe sich dann immer die Tür der Kneipe geöffnet: "Dann haben sich die Spieler rittlings auf die Stühle gesetzt und sind quer über die Straße geritten", so Koths. In Anlehnung an die blauen Trikots, die der VfR trug, habe das Lied, das sie dabei sangen, etwa so geklungen: "Die Blauen Dragoner, sie reiten mit klirrendem Spiel durch das Tor."

"Spieler sind auf Stühel quer über die Straße geritten"

Nur eben an einem Sonntag in den 70-er Jahren nicht. Da war das Tor weg. Wer weiß, vielleicht hatte einer der Gegner auch nur Angst vor einer Staublunge, obwohl damals natürlich schon auf dem Rasen an der Vördestraße gespielt wurde.

Dann muss jemand aus Holthausen das Tor abgesägt haben, der ehrfürchtig vor dem Kampfnamen des VfR zusammen gezuckt war und die örtlichen Verhältnisse nicht kannte. Womit auch diese Geschichte endlich geklärt wäre.

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