Viktoria Nawrats Olympia-Traum droht zu platzen

Rhythmische Sportgymnastik

CASTROP-RAUXEL Viktoria Nawrat ist eine Olympia-Hoffnung. London 2012 – das war der große Traum der 14-Jährigen aus Castrop-Rauxel. Trotzdem wirkt die Sportgymnastin unglücklich, wenn sie an London denkt. Denn jetzt, da das große Ziel in greifbarer Nähe scheint, begreift Viktoria, welche Opfer sie für die England-Reise bringen müsste.

von Von Florian Kopshoff

, 22.10.2009, 20:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Viktoria Nawrat.

Viktoria Nawrat.

Grenzenlose Freude? Fast. Wenn Viktoria Nawrat die Einladung, die sie als einzige Sportlerin aus NRW erhalten hatte, doch nur nach Bochum geführt hätte. Dort trainiert sie für den TV Wattenscheid. Bis vor zwei Jahren an der Seite des Nationalkaders. Doch nachdem sich die Bundesrepublik zu den letzten beiden olympischen Wettbewerben nicht qualifizieren konnte, wanderte die Sportgymnastik-Zentrale nach Süden. Nun trainiert Team Deutschland in einem Sportinternat in Fellbach bei Stuttgart. Sechs Mal pro Woche, von früh bis spät.

Viktoria Nawrat müsste alleine in die Fremde ziehen. Denn ihre Familie will Haus und Arbeit in Castrop-Rauxel keinesfalls dem sportlichen Traum der Tochter opfern. Und auch Viktoria scheinen jetzt Zweifel zu plagen. „Die Einladung war eine große Ehre, aber...“ Aber: Die Schule, das hat man Familie Nawrat unmissverständlich klar gemacht, bleibt wohl oder übel auf der Strecke. Zwischen zwei harte Trainingseinheiten passen gerade drei Unterrichtsstunden pro Tag. Dazu kommt die Distanz zur Familie. Nur sonntags hätte Viktoria frei von Sport und Schule. Über vier Stunden dauert eine Bahnfahrt mit dem ICE von Stuttgart nach Castrop-Rauxel.

Viktorias Mutter bezieht Stellung: „Ich bin eigentlich dagegen“, sagt sie. Zumal die Sportart, bei der man schon mit 20 zum alten Eisen gehört, keine finanziellen Luftsprünge verspricht. Aber: Sie überlässt ihrer 14-jährigen Tochter die Entscheidung. Und die hat auch schon einen Plan B: Falls sie sich gegen Fellbach entscheidet, möchte die Realschülerin einen Trainerschein machen und sich beruflich in die Reisebranche orientieren. Da kennt sie sich aus. Von der Welt hat sie auf Wettkampf-Reisen schon einiges gesehen. Bis September 2010 muss sich Viktoria Nawrat entscheiden. Zwischen Olympia und Schulbank. Zwischen Fellbach und Familie.

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