Bei Olympia 1968 in Mexiko wurde Werner Trzmiel Fünfter über 110 Meter Hürden. 50 Jahre später spricht er erneut über die Spiele – und eine Begegnung mit Arnold Schwarzenegger.

Castrop-Rauxel

, 29.10.2018, 14:11 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sie hatten eine Vorreiterrolle, die Olympischen Sommerspiele 1968 von Mexiko. Sportlich, medial und auch politisch. Einer war damals mittendrin im Geschehen der Spiele, die aus klimatischen Gründen in den Herbst verlegt worden waren: Werner Trzmiel, Leichtathlet des TB Rauxel. Im Finale über 110 Meter Hürden erreichte er Rang fünf – heute undenkbar für deutsche Sprinter. Inzwischen ist er 76 Jahre alt und wohnt schon lange Zeit in der Nähe von Darmstadt. Anlässlich des Jubiläums der Spiele von 1968 hat er sich Zeit genommen für ein Interview über Olympia, den „Sprung ins 21. Jahrhundert“, handgestoppte Zeiten und Arnold Schwarzenegger.

Wenn ich Ihnen das Stichwort „Mexiko 1968“ nenne, was fällt Ihnen dann als erstes dazu ein, Herr Trzmiel?

Ich konnte damals einfach meine beiden Leidenschaften verbinden. Das war zum einen der Sport an sich und das Reisen. In Tokio 1964 war ich ja auch schon dabei, aber noch als junger Athlet, der das alles noch nicht so aufnehmen konnte. Vier Jahre später war das anders. Es hat sich seit dem nichts geändert. Eines meiner drei Studienfächer wurde Geografie.

Eines der größten Ereignisse der Sportgeschichte war die Siegerehrung des 200-Meter-Sprints. Tommie Smith und John Carlos trugen schwarze Handschuhe und reckten ihre Fäuste in den Himmel. Ein Zeichen gegen Rassismus, das in der damaligen Zeit aber auch mit Gewalt verbunden war. Wie hatten Sie das wahrgenommen?

Tatsächlich überhaupt nicht. Zu diesem Zeitpunkt sind wir schon in Südamerika unterwegs gewesen. In Brasilien und in Chile, dort war ich vier Wochen bei einer aus Deutschland ausgewanderten Gastfamilie, bin mit einem kleinen Privatflugzeug über das Land geflogen. Es war eine aufregende Zeit.

Sie waren viel unterwegs.

Heute kommen die Athleten zwei Tage vor dem Wettkampf an und sind dann schnell wieder verschwunden. Damals war das ein erheblicher Mehraufwand.

Es gab auch viele technische Neuheiten. Unter anderem wurde zum ersten Mal auf einer Kunststoffbahn gelaufen.

Und zum ersten Mal gab es eine elektronische Zeitmessung. Meine 13,6 Sekunden aus dem Halbfinale von Mexiko waren 14 Jahre deutscher Rekord.

Die DDR hatte außerdem eine eigene Mannschaft gestellt. War da eine besondere Rivalität zu spüren?

Eigentlich hat man davon nicht viel mitbekommen. Sie waren außerhalb der Stadt in der Ebene untergebracht, da ist man sich nicht über den Weg gelaufen. Wir waren vorher auch schon in Flagstaff, Arizona im Höhentrainingslager, um uns an die Höhe zu akklimatisieren. Mexiko-Stadt liegt immerhin 1800 Meter hoch. Da wurde die Luft schon dünn.

Denn es wurde erstmals wissenschaftlich belegt, dass sich die Zeit in der Höhe positiv auf die Leistung auswirkt.

Da war tatsächlich plötzlich die Rede vom Tod. Das haben einige Ärzte behauptet, was natürlich großer Unsinn ist.

Legendär war der Weitsprung von Weltrekord von Bob Beamon mit 8,91 Metern, der sogenannte „Sprung ins 21. Jahrhundert“. Die Marke hielt mehr als 20 Jahre. Wie haben Sie das mitbekommen?

Unsere Wettkämpfe waren am gleichen Tag. Bob Beamon, das war ein Kasper. Der hat immer nur Quatsch erzählt (lacht). Danach konnte er nie wieder an die Leistung von Mexiko anknüpfen.

Heute sind zumindest die männlichen Hürdenläufer nicht mehr in der Weltspitze vertreten. Wie beobachten Sie das?

Das stimmt selbstverständlich. Früher hatten wir ja die guten Sprinter. Armin Hary ist 1960 Weltrekord gelaufen über 100 Meter. Ich war Drittschnellster in Deutschland. Das wollte ich nicht sein – und bin dann zu den Hürden gewechselt. Bis ich da die Technik drin hatte, hat es aber auch zwei, drei Jahre gedauert.

Wie ging es für Sie nach den Spielen weiter?

Ich wurde in eine Talkshow in Bayern eingeladen. Da saß ich neben dem Anfang 20-jährigen Arnold Schwarzenegger. Mit Hollywood und Terminator war da noch nicht viel. Aber meine Güte, der war so groß wie breit als Bodybuilder. Nett war er trotzdem. „I‘ bin der Arrrnie“ (Trzmiel imitiert einen österreichischen Akzent und lacht) hat er sich vorgestellt. Er war nicht der einzige Prominente, den ich kennenlernen durfte. Willy Brandt, Niki Lauda oder Franz Beckenbauer habe ich dank meines Sports getroffen.

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