Von der Jugend zu Senioren, ein schwieriger Schritt - oder doch nicht? Was braucht ein junger Spieler, um sich bei den Älteren durchzusetzen? Wir suchen eine Erklärung bei der Spvg Schwerin.

Schwerin

, 27.09.2018, 18:38 Uhr / Lesedauer: 3 min

Santiago Muñez ist der Protagonist des Fußballfilms „Goal“. Als junger Spieler wird der Mexikaner, der in den USA lebt, vom englischen Klub Newcastle United entdeckt. Weil es nicht sofort läuft, wird er in die Reserve abgeschoben. Dort spielt der Youngster frech auf. Für einige zu frech. Ein Routinier, ein alter Haudegen, rauscht im ersten Training mit einer Blutgrätsche in Muñez rein. Sofort wird klar: „Das brauchst du bei mir nicht versuchen.“

Ein klassisches Beispiel dafür, wie es ist, wenn ein Nachwuchsspieler zu den Senioren aufsteigt. „Davon bin ich bislang zum Glück noch verschont worden“, sagt der 19-jährige David Schemel. „Ich hoffe, das bleibt auch so.“

David Schemel spielt auf Schwerin und ist dort einer von sechs Fußballern, die in dieser Saison den Sprung aus den A-Junioren in die erste Mannschaft geschafft haben. Von der Kreisliga A in die Bezirksliga, von gleichaltrigen Gegenspielern zu solchen, die vom Alter her auch ihre Väter sein könnten.

Coach Gruszka arbeitet gerne mit Jugendlichen

Trainer Marco Gruszka hat das möglich gemacht. In der vergangenen Saison war er sowohl für die älteste Jugend als auch die Senioren verantwortlich. „Ich habe schon immer gerne mit Jugendlichen gearbeitet und das auch auf Schwerin so gehalten“, sagt Gruszka. „Im Grunde ist nur wichtig, dass die Jungs zuhören und lernen wollen. Ich denke, das ist ganz gut gelungen.“

Schon im Verlauf der zweiten Hälfte der Saison 2017/18 durften immer wieder Leute aus der A-Jugend Bezirksliga-Luft schnuppern. David Schemel zum ersten Mal im März bei der 1:4-Niederlage in Rentfort. „Mit der Jugend ist das überhaupt nicht zu vergleichen“, sagt der Nachwuchsspieler heute. „Das Spiel ist viel schneller und körperlich intensiver. Das merkt man sofort.“

Wie schwierig ist der Sprung von den Junioren zu den Senioren?

David Schemel (l.) spielt seit dieser Saison fest für das Bezirksliga-Team der Spvg Schwerin. Zuvor lief er für die A-Junioren auf. © Volker Engel

Die Regeln sind klar definiert: Der ältere A-Juniorenjahrgang bei den Herren darf bereits bei den Senioren in der ersten Mannschaft mitspielen. Dafür muss der Verein beim Westdeutschen Fußballverband einen Antrag stellen. Ist der junge Spieler zu diesem Zeitpunkt noch nicht 18 Jahre alt, benötigt der Klub die Einverständniserklärung der Eltern sowie eine sportärztliche Bescheinigung, aus der hervorgeht: Diese Junge ist für Erwachsenenfußball tauglich. Ab dem 1. April eines Jahres darf der Spieler auch für alle anderen Senioren-Mannschaften in unterklassigeren Ligen spielen, zum Beispiel für die Reserve.

Die Integration bei den Herren war für David Schemel trotz aller Veränderungen kein Problem. „Es hat geholfen, dass ich nicht alleine war“, erzählt er. Gökhan Ceylan, Florian Eurich, Erdem Gönül, Luca Dykierek und Niklas Jürgens waren die weiteren Youngster in Blau-Gelb. „Insgesamt haben wir eine junge Mannschaft mit ähnlichen Interessen“, so Schemel.

Bereits beim Wechsel wurde die Zukunft vorgezeichnet

Als er vom FC Frohlinde nach Schwerin in die A-Jugend wechselte, zeigte man ihm bereits die Perspektive Senioren-Bezirksliga auf. „Ich war erst ein wenig skeptisch, ob das auch klappt“, sagt Schemel. Denn zwischen sagen und handeln sei ja doch noch mal ein Unterschied. „Letztlich haben wir es alle geschafft – und darauf sind wir sehr stolz.“

Wenn sein Trainer Marco Gruszka an seinen eigenen Übergang zu den Senioren denkt, geht es ihm ähnlich. „Ich war damals schon groß, schnell und mit einer guten Grundschulung ausgestattet, weil ich in der Jugend höherklassig gespielt hatte“, so Gruszka. Der heute 42-Jährige spielte in seiner Jugendzeit unter anderem für Borussia Dortmund. Zudem habe er Leute gehabt, die ihn „an die Hand genommen“ hätten. „Ich habe wirklich Glück gehabt.“

Im wahrsten Sinne, schließlich lief Gruszka später sogar in der 2. Bundesliga auf und bestritt für den FC St. Pauli in zwei Spielzeiten 52 Partien.

Macht eine U21 für ein Übergangsjahr Sinn?

Ein Übergangsjahrgang zwischen dem Jugend- und Herrenbereich, zum Beispiel eine U21, hält Gruszka nicht für nötig. „Die Jungs sind körperlich schon weit genug“, sagt er. Ähnlich sieht es David Schemel. „Bei höherklassigen Vereinen gibt es ja so etwas wie eine U 23, bei Schalke etwa. Aber ich denke, auf unserer Ebene ist das nicht nötig“, sagt Schemel. „Irgendwann muss man dann ja sowieso bei den Senioren spielen.“ Die einen früher als die anderen.

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