Zwei Jugendtrainer, die von Schalke kamen

100 Jahre BVB

CASTROP-RAUXEL In ihren Herzen sind sie Blau-Weiß geblieben, doch seit zwei Jahren kümmern sich die Castrop-Rauxeler Dieter Engel und Torsten Sengteller nun um den U9-Nachwuchs von Borussia Dortmund. Im Rahmen unserer Serie "100 Jahre BVB" stellen wir die beiden Trainer vor, die sich um die Zukunft des großen Vereins kümmern.

von Von Christian Püls

, 19.11.2009, 18:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zunächst sei ihnen der Abschied von Schalke nicht leicht gefallen, berichten Trainer Engel und Co-Trainer Sengteller. Doch schließlich sah das gleichberechtigte Duo, nachdem Helmut Schulte sein Amt als sportlicher Leiter im Nachwuchsbereich abgeben musste, keine Perspektive mehr bei den Knappen. Diese Personalie weckte Anfang 2008 den Argwohn der beiden Jugendtrainer, die beim Gelsenkirchener Bundesligisten die D-Jugend trainierten. Sie fürchteten, mit den neuen Gesichtern in der sportlichen Leitung nicht klar zu kommen. Rückblickend "hat sich das bewahrheitet", schildert Sengteller. So nahmen die beiden Trainer ein Angebot aus Dortmund an, "obwohl wir von ganzem Herzen Schalker waren".

Beim BVB "wurde uns der Einstieg sehr leicht gemacht" Bereut haben die zwei Castrop-Rauxeler, die sich beim TuS Henrichenburg kennenlernten, wo ihre Söhne in der Jugend kickten, diesen Schritt nicht. Im Gegenteil: "Uns wurde der Einstieg sehr leicht gemacht", freut sich Sengteller und lobt das "Super-Arbeitsklima" in Dortmund. "Man lässt uns arbeiten", stimmt Engel zu.

Am Anfang sei es schon eine Umstellung gewesen, räumt Sengteller ein und meint damit nicht die Vereinsfarben, sondern plötzlich Sieben- bis Achtjährige zu trainieren statt einer D-Jugend. Die Arbeit bereitet den beiden Übungsleitern aber eine Menge Freude - insbesondere die schnellen Lernerfolge der Nachwuchskicker geben den Castrop-Rauxelern Motivation. "Wahnsinn, wie schnell Kinder Fortschritte machen", schildert Engel, der im Hauptberuf Studienrat für Sport und Katholische Religion ist.

Die Arbeit mit den Junioren beschränkt sich nicht auf reines Fußballtraining. "Wir spielen auch mal gemeinsam Basketball oder turnen", erklärt Engel. Dies sei schlicht notwendig, wegen der vielen motorischen Defizite die Kinder heutzutage hätten. Doch nicht nur sportlich soll sich der Nachwuchs entwickeln: Kameradschaft steht ebenso auf der Agenda, "wie den Kindern ein Gefühl von einem Zuhause im großen Verein zu geben", so Engel.

Dies sollen ihre Schützlinge auch während des Trainings spüren: Lerninhalte werden gemeinsam erarbeitet, anstatt doziert; Kritik funktioniert über Lob, nicht über Druck.Keinem Achtjährigen sieht man an, ob er Fußballprofi wird

Das Training soll den Kindern Spaß machen. "Die Kinder leisten viel, sind gut in der Schule und werden sehr früh selbstständig", sagt Sengteller und Engel ergänzt nachdenklich: "Nach so einer Geschichte (der Suizid von Robert Enke, d. Red.) hinterfragen wir uns natürlich selbst, ob wir es schaffen, die Kinder den Druck nicht spüren zu lassen." Die Konkurrenz ist schließlich groß, nur wenige junge Talente schaffen den Sprung in den Profisport. Einem Achtjährigen die nötigen Fähigkeiten für eine solche Karriere anzusehen, sei unmöglich, weiß das Duo.

Das Trainergespann wird seine U9-Auswahl nun zwei weitere Jahre begleiten, weiter formen, weiter nach vorne bringen. Im Kader der BVB-Junioren befinden sich auch drei Talente aus Castrop-Rauxel: Lukas Mut, Tobias Noack (beide ehemals SG Castrop) und Fatih Gönül (ehemals SV Wacker Obercastrop). Die Europastadt zählt zum Einzugsgebiet der Dortmunder Nachwuchsförderung. Geographische Nähe zu Dortmund sei ein nicht zu unterschätzender Faktor, so Sengteller. "Schließlich sollen die Kinder Fußball spielen und nicht die ganze Zeit im Auto sitzen." Das Einzugsgebiet sei nun - im Vergleich zu Schalke - deutlich größer.

Mit dem Wechsel von Engel und Sengteller, die laut eigener Aussage dreimal am Tag miteinander telefonieren, hat Schalke eine Seltenheit im Jugendfußball verloren: "Zwei Trainer mit A-Lizenz gibt es wohl kein zweites Mal in dieser Altersklasse", vermutet Sengteller. Zwar sei es für die beiden Knappen-Fans immer noch ein zweischneidiges Schwert, wenn Schalke gegen Dortmund spielt, aber dennoch wollen die beiden zum Jubiläum Mitglied beim BVB werden. "Ich war zwar immer ein Schalke-Fan", so Engel, "aber nie ein BVB-Hasser."

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