Balougrafs tragischer Tod ohne Vorwarnung

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Es passiert selten. Aber wenn, dann gibt es keine Rettung. Und ein Aortariss, wie ihn Martin Sterzenbachs Hengst Balougraf ESC erlitten haben soll, kann jedes Pferd treffen. Ohne Vorwarnung.

Dorsten

, 19.08.2019, 23:06 Uhr / Lesedauer: 1 min

Eins von 1000 Pferden, sagt die Statistik, erleidet einen Abriss der Aorta, jener Hauptschlagader, durch die das Herz das Blut durch den Körper pumpt. Eins von 1000. Sportpferde seien etwas häufiger betroffen, heißt es in Fachartikeln. Vor allem also Vollblüter oder Pferde mit hohem Vollblutanteil. Doch welche genau, das könne niemand vorhersagen.

Der Riss der Hauptschlagader muss nicht einmal bei extremer Belastung geschehen. Als Hickstead, das Pferd, mit dem der Kanadier Eric Lamaze 2008 in Peking Olympia-Gold holte, drei Jahre später beim Turnier in Verona starb, hatten der Hengst und Lamaze gerade die Ziellinie überquert. Auch Martin Sterzenbachs Balougraf ESC brach am Sonntag in Bergisch Gladbach nicht beim Absprung vor einem Hindernis zusammen, sondern zwischen zwei Sprüngen.

Der gesteigerte Blutdruck unter Wettkampf-Belastung wird von Experten als möglicher Auslöser von Aortarissen gesehen. Eine Vorschädigung der Schlagader müsse aber nicht vorliegen, und im Vorfeld zu erkennen sei sie ohnehin nicht. Denn bis zu ihrem plötzlichen Tod wirken die Tiere kerngesund. Eine genetisch bedingte Schwäche des Bindegewebes könne die Tragödie begünstigen. Futterexperten raten deshalb zur Beigabe von Magnesium und Mangan, um das Bindegewebe zu stärken und elastisch zu halten. Doch eine Behandlung, wenn die Aorta denn reißt, die gibt es nicht.

Und das ist bei dieser Tragödie der vielleicht einzige Trost: Das Reißen der Aorta führt zu einer inneren Blutung oder einer Blutung direkt ins Herz und damit binnen kürzester Zeit zum Tod. Das Tier stirbt schnell. Zurück bleibt ein leidender Reiter.

Eric Lamaze sagte 2011 nach Hicksteads Tod: „Wir entscheiden uns für diesen Sport, weil wir ihn lieben. Aber wir entscheiden uns auch dafür, weil wir diese Tiere lieben. Beim Reiten ist es eben nicht so, wie wenn ein Golf- oder Tennisschläger bricht. Wir alle haben ein Familienmitglied verloren.“ Martin Sterzenbach geht es ähnlich. Er muss mehr wegstecken als seine körperlichen Blessuren. Viel mehr.

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