Britta Kretschmer und Dennis Zimmermann haben erst spät ihre sportliche Karriere als Judoka in Dorsten begonnen. Beide fanden ihren Weg über ihre Kinder zum Sport.

Dorsten

, 04.03.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach einem schweren Schicksalsschlag fand Britta Kretschmer ihren „sanften Weg“, was Judo übersetzt bedeutet. Seit dem Unfalltod ihrer Tochter, die ebenfalls leidenschaftliche Judoka war, betreibt sie diese Sportart. Dabei fand Kretschmer in Dennis Zimmermann auch einen guten neuen Freund, der ebenfalls erst spät mit Judo begann. Normalerweise beginnt man im Kindesalter.

Dabei hatten beide sehr ähnliche Beweggründe. Die 52-jährige Britta Kretschmer war jahrelang als Judomama mit ihrer Tochter unterwegs. Sie ist in dieser Zeit locker mehr als 1000 Kilometer durch Nordrhein-Westfalen gefahren. „Mittlerweile erkenne ich jede Stadt an ihrer Turnhalle“, sagt sie. Als Jugendliche war sie beim DSC Wanne-Eickel als Kugelstoßerin aktiv, hatte dann aber über viele Jahre selbst keinen Sport mehr gemacht.

Trost und Unterstützung nach dem Verlust der Tochter

Erst 2017 kam sie selbst zum Judo. Nach den Weihnachtsferien trat sie fest entschlossen an die Matte. Dort fand sie nach dem schweren Schicksalsschlag durch den Verlust ihrer Tochter in der Judofamilie des Vereins Trost und Unterstützung.

„Laufen war mir zu monoton. Aber beim Judo brauchst du auch deinen Kopf“, erzählt sie. Kretschmer erinnert sich noch gut an die ersten Übungseinheiten, in denen sich die Trainer fürsorglich um sie kümmerten. Allerdings blieb auch der 52-Jährigen eine der Grundübungen, die Fallschule, nicht erspart. Die ersten Haltegriffe wurden danach ihre Schlüsselmomente: Da war der Ehrgeiz geweckt.

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Und dann ging alles ganz schnell, sie konnte bereits, kurz nachdem sie begann, ihre erste Gürtelprüfung ablegen. Das war am 3. April 2017. Kretschmer war aufgeregt. Doch sie sagte sich: „Augen zu und durch“ – und schaffte am Ende sicher den 8. Kyu. Das bedeutete, sie durfte sich den weiß-gelben Gürtel umlegen.

Lernen und fleißiges Training bescherte ihr später auch das erste Erfolgserlebnis im Bodenkampf . Dabei gelang es ihr „irgendwie“ mit einem Haltegriff den Gegner zu bezwingen. Dazu sagt sie lachend: „Eigentlich hatte ich keine Chance, doch die habe ich genutzt.“

Den gemeinsamen Partner in Dennis Zimmermann gefunden

Den 3. Kyu, und damit die Farbe Grün, schaffte sie am 6. Dezember 2018. Ein knappes halbes Jahr später folgte die Anmeldung zur nächsten, der blauen Gürtelprüfung. Die Zeit bis dahin nutzte Kretschmer optimal. Ihren passenden „Uke“ (Partner) fand sie in Dennis Zimmermann.

„Ich bin erst über den eigenen Schatten gesprungen, als ich bei meinen Kinder an der Matte stand.“
Dennis Zimmermann

Der Recklinghäuser, der seit 2011 in Dorsten lebt, begann im Februar 2018. Ihn interessierte der Kampfsport zwar immer schon, aber erst durch den Eintritt seiner beiden Kinder in den Dorstener Judoverein kam er in den direkten Kontakt mit dem Sport. „Ich bin erst über den eigenen Schatten gesprungen, als ich bei meinen Kindern an der Matte stand“, sagt er. Mit damals 35 Jahren gehörte Zimmermann schon zum „älteren Semester“ an der Matte. Nachdem auch er zuerst das Fallen erlernte, stellte er fest: „Mit einem sechsjährigen Judokind auf der Matte zu stehen, kann anstrengender sein, als man denkt.“ Nach den ersten Blessuren lernte er schnell. Alles ging einfacher, als es nicht mehr weh tat.

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Dann traf er Britta Kretschmer. Gemeinsam spulten sie immer wieder das umfangreiche Prüfungsprogramm, bestehend aus Kata (Scheinkampf), Würfen und dem herausfordernden Bodenprogramm ab. Dabei achteten beide besonders auf die korrekten Schrittfolgen und die saubere Ausführung der Würfe. Die Trainer überwachten die Übungen mit Argusaugen. „In dieser Zeit habe ich so manche heimliche Träne vergossen“, sagt Kretschmer. Dazu kam noch eine zusätzliche Aufregung, denn der Prüfungstermin am 19. Mai 2019 war nicht in der eigenen Halle, sondern fand im Rahmen eines Kreis-Kyu-Lehrgangs in der Hertener Halle vor einer großen Kulisse statt.

„Danach war ich glücklich“

Doch am Ende waren alle Sorgen unnötig. Sie erhielt sowohl für ihre Kata als auch für die nachfolgenden Prüfungen viel Lob für die vorbildliche Ausführung. Die Prüfung bestand sie mit Auszeichnung. „Danach war ich glücklich, aber auch echt geschafft“, sagt sie.

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Doch an einem echten Wettkampf nahm Kretschmer bis dahin noch nicht teil. Diese Erfahrung, die echte Wettkampfatmosphäre einmal selbst zu erleben, machte sie bei einem Turnier in Bochum am 20. Januar 2020. „Mein erster Kampf dauerte nicht einmal 10 Sekunden, dann war ich weg“, sagt sie, muss aber lachen. Den zweiten wollte sie unbedingt gewinnen, konnte der Gegnerin auch bis wenige Sekunden vor Ende heftigen Widerstand leisten, wurde dann aber doch noch zu Boden gebracht. Nach zwei Jahren ist Britta Kretschmer im Sport richtig angekommen. „Ich fühle mich sehr gut dabei. Jetzt mache ich das für mich selbst“, und hat sich für dieses Frühjahr den Braungurt als Ziel vorgenommen.

Seine erste Prüfung legte Dennis Zimmermann nach drei Monaten ab. „Ich hatte mich gut vorbereitet. Es ging alles gut von der Hand“, erzählt er. Zweimal pro Woche wurde es beim Training in der letzten Übungseinheit, dem Randori, richtig spannend. Da ging es im Infight Mann gegen Mann. Und Zimmermann musste ganz schön einstecken: „Die Jugendlichen haben mich immer wieder sanft auf die Matte gelegt.“

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Es sollte rund ein Jahr dauern, bis er selbst zum ersten Mal stehen blieb. „Das war ein echtes Glücksgefühl.“ Ab da begann es ihm, mehr Spaß zu machen, und im Juli 2019 erlangte er nach einem überzeugenden Prüfungsauftritt mit Orange den 5. Kyu. Erste Wettkampferfahrungen machte auch er in Bochum, wo er aus „Sympathie“ mitgemacht hatte.

Zum Positiven verändert

Das Körpertraining auf der Judomatte beim JC Dorsten ist mittlerweile fest in seinem Wochenplan verankert und nicht mehr wegzudenken.

Es verschafft ihm eine gewisse innerliche Befriedigung. Er sagt augenzwinkernd: „Mein Leben hat sich spürbar zum Positiven verändert. Ich habe noch nie so wenig Rückenschmerzen gehabt wie in den vergangenen beiden Jahren.“

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