100 Jahre BVH Dorsten - vom Acker bis in die Westfalenliga

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Am 6. Mai 1920 schlug die Geburtsstunde für Dorstens bis heute erfolgreichsten Fußballverein. In der Gaststätte von Willy Schmitz erblickte der Ballspielverein Holsterhausen das Licht der Welt.

Holsterhausen

, 06.05.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dass der Weg des Ballspielvereins Holsterhausen einmal bis in die höchste deutsche Amateurklasse führen würde, das hätten sich die Gründer, die den Verein am 6. Mai 1920 in der Gaststätte von Willy Schmitz gründeten, wohl nicht träumen lassen. Denn die Anfänge waren ein Jahr nach verlorenem 1. Weltkrieg wie überall sonst in Deutschland bescheiden.

BVH Dorsten - Spvgg Erkenschwick

Volle Ränge waren in den Hochzeiten des Vereins ein Markenzeichen des BVH Dorsten. © Privat

Ein Acker an der Borkener Straße war das erste holprige Spielfeld. Doch schon die ersten Jahre waren geprägt von packenden Lokalduellen gegen SuS Hervest-Dorsten oder Rot-Weiß Dorsten. Weltwirtschaftskrise und die Machtergreifung der Nationalsozialisten stellten den jungen Verein vor sehr viel existenziellere Herausforderungen. Einige couragierte Mitglieder verhinderten, dass der BV Holsterhausen in einen von den Nazis geplanten Dorstener Großverein aufging. Doch im Herbst 1944 kam das Vereinsleben in den Kriegswirren erst einmal zum Erliegen.

Wiederbeginn schon im September 45

Schon am 23. September 45 berief der BV wieder eine erste Versammlung ein, und im Oktober zählte der Verein schon wieder 80 Mitglieder. Zwei Jahre später wurden die Holsterhausener Meister der 1. Kreisklasse Gelsenkirchen. Doch auch wenn der BVH mit dem Waldstadion 1956 einen der damals modernsten Fußballplätze der Region bekam, waren die Jahre bis 1960 sportlich doch eine Berg- und Talfahrt zwischen Kreis- und Bezirksklasse. Doch dann starteten die Jungs von der Waldstraße durch.

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Zweimal war der BVH als Vizemeister knapp gescheitert, doch 1961 stieg die Mannschaft von Trainer Franz Winkler dann mit 140 erzielten Treffern und nur einer Saisonniederlage souverän auf und legte im Jahr darauf gleich einen Durchmarsch in die Landesliga hin. Das war zuvor noch keiner Dorstener Mannschaft gelungen, und auch die Zuschauerzahl von rund 1500 Leuten im Schnitt suchte ihresgleichen. Doch es sollte noch besser kommen.

Pröpper, Feller, Franke und Co.

Angeführt von Spielern wie Günter Pröpper, Dieter Feller oder Jürgen Franke war der Aufsteiger auch in der Landesliga nicht zu stoppen. Zehn Punkte Vorsprung hatte der BVH nach der Hinrunde, und als die Holsterhausener drei Spieltage vor Saisonende mit einem 3:0 beim TuS Haltern den Aufstieg in die Westfalenliga perfekt machten, stürmten 1500 BVH-Fans, die das Team in die Seestadt begleitet hatten, den Platz und feierten das Team und den Macher jener Jahre, den Vorsitzenden Willi Salamon.

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90 Jahre BVH Dorsten

Der BVH Dorsten feierte am Samstag sein 90-jähriges Bestehen. Zum Spiel der Holsterhausener Traditionself gegen die Ruhrgebiets-Kicker von Klaus Fischer kamen 800 Zuschauer. Sie sahen einen 4:2-Erfolg des BVH und die erste Niederlage der Fischer-Elf.
19.06.2010
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© Ralf Pieper
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In nur drei Jahren hatte der Ballspielverein Holsterhausen den Weg von der 1. Kreisklasse bis in die höchste deutsche Amateurliga geschafft. Fortan nannte sich der Verein BVH Dorsten, um noch mehr Fans hinter sich zu vereinen. Bis 1968 spielten die Holsterhausener in der Westfalenliga eine teils sehr gute Rolle und wurden Fünfter und Vierter. Doch dann musste das Team 1968 nach unglücklich verlaufener Relegation den Gang zurück in die Landesliga antreten.

BVH Dorsten 1968

1968 spielt der BVH Dorsten zum letzten Mal in der Wesfalenliga. © Privat

Dort erlebte das Team allmählich einen Umbruch. Mehrmals klopfte der BVH noch einmal an die Tür zur Westfalenliga, doch der Aufstieg wollte nicht mehr gelingen. Im Gegenteil: Als die Holsterhausener 1979 in die Bezirksliga abstiegen, ging es 1980 nur um ein Haar am Durchmarsch in die Kreisliga vorbei. Vier Jahre später – Torjäger Michael Pröpper war nach Erkenschwick gewechselt – erwischte es den Verein dann aber doch, und der BVH wurde zur Fahrstuhlmannschaft. Meisterschaften (1987, 1992, 1994, 1997 und 2006) wechselten sich mit Abstiegen (1989, 1993, 1996 und 2005) ab.

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Vor fünf Jahren dann erwischte es die Holsterhausener zum bislang letzten Mal, und sie spielen heute in der Kreisliga A. Dort setzt der Vorstand um Uli Canovi wieder auf einen Kurs mit jungen Spielern aus den eigenen Reihen. Auch an der Infrastruktur hat der BVH in den vergangenen Jahren gearbeitet. Die überdachte Tribüne am Rasenspielfeld des Waldstadions war ein erster Schritt, ein weitaus wichtigerer noch der Umbau des Tennenplatzes zu einem Hybridrasen-Platz.

Jubiläumsfeier muss verschoben werden

In diesem Jahr wollte der Verein das, aber natürlich auch seine ruhmreiche Geschichte groß feiern. Spiele gegen die Stadtauswahl und die A-Jugend des FC Schalke 04 waren vereinbart, große Zeltfeten mit den Nachbarn und allen Freunden des Vereins organisiert. Doch dann kam Corona und machte dem BVH einen Strich durch die Rechnung. Doch der BVH wäre nicht der BVH, wenn er dem nicht trotzig und optimistisch zugleich entgegenhalten würde: „100 + 1 - jetzt erst recht!“ Denn Feiern konnten sie beim BVH schon immer, ob in Schmitz‘ Kneipe oder im Vereinsheim, in der Kreisklasse oder der Westfalenliga, ob 2020 oder 2021.

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