Charlotte Reinhardt fühlt sich ausgebootet

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Es muss nicht immer Corona sein, das Dorstens Spitzensportlern im Vorfeld von Olympia 2020 einen Strich durch die Rechnung macht. Charlotte Reinhardt ist dafür ein tragischer Beweis.

Dorsten

, 01.04.2020, 05:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Christopher Reinhardt, Jason Osborne, Christina Honsel – als wir über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die aussichtsreichsten Olympia-Kandidaten aus Dorsten berichteten, da haben wir eine junge Frau vergessen. Doch wir waren nicht die einzigen. Und Charlotte Reinhardts Pechsträhne hat auch nicht nur am Rande mit der aktuellen Pandemie zu tun.

Mehrfache Rippenverletzungen

Es fing 2019 an. Die 26-Jährige brach sich gleich mehrere Male eine Rippe. Im Rudersport, gerade bei Frauen, keine ungewöhnliche Verletzung. Doch natürlich warf sie die Dorstenerin in ihren Ambitionen auf einen Platz im deutschen Doppelvierer empfindlich zurück. 2017 war sie in dieser Bootsklasse für Deutschland Europameisterin geworden. Jetzt musste sie sich mühsam zurück kämpfen.

Doch es gelang. „Ich war auf einem sehr guten Weg. Alles lief sehr gut“, erzählt sie. Bis sie sich ausgerechnet in der Woche, in der die Plätze in den DRV-Booten für Olympia 2020 in Tokio vergeben werden sollten, eine schwere Verbrennung zuzog und operiert werden musste. „Ausgerechnet da“, ärgert sich Reinhardt: „Es war die wichtigste Woche der vergangenen vier Jahre.“

Verband erkundigte sich nur kurz

Danach? Erkundigte sich der Verband kurz, wie es der Dorstenerin gehe. Das nächste, was Charlotte Reinhardt vom Verband hörte, war die Mitteilung, dass sie ab sofort keine Chance mehr im Skull-Bereich habe. „Dabei wurde mir am Tag vor der OP versichert, dass man alles möglich machen wolle, mir noch eine Chance für die Mannschaft zu geben, versprechen könne man mir aber nichts.“

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Als die Entscheidung über die Zusammensetzung der Boote gefällt worden sei, habe niemand bei ihr nachgefragt, wie lange sie noch ausfalle. „So wurde dann über meinen Kopf hinweg entschieden, mich als langjährige und treue Athletin einfach fallen zu lassen.“

Weltcup-Rennen waren bereits abgesagt

Die Dorstenerin war verärgert. Umso mehr, als durch die Corona-Krise eigentlich kein Zeitdruck mehr bestand, den Doppelvierer schnellstmöglich zu besetzen: „Die Weltcup-Rennen waren ja abgesagt worden ...“

Von den Skullern versetzte sie der DRV also ins Riementeam. Statt Doppelvierer heißt es für Reinhardt nun Achter fahren. Bitter für sie, denn: „Mit dem Vierer hätten wir bei Olympia durchaus Medaillenchancen gehabt.“

“Es hat weh getan“

Das ist nun Schnee von gestern. Ob die Verschiebung der Spiele von Tokio um ein Jahr ihr doch wieder Chancen auf den Doppelvierer eröffnet, ist für Charlotte Reinhardt nicht abzusehen. Sie weiß nur: „Wie da mit mir in diesem Jahr umgegangen worden ist, hat wirklich weh getan.“

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