Christina Honsels Höhenflug in Schweden

Leichtathletik

Sie war an Position sechs gelistet. Und in der Qualifikation hatten die widrigen Bedingungen ihr zu schaffen gemacht. Doch dann legte Christina Honsel bei der U23-EM richtig los.

Dorsten

, 14.07.2019, 03:19 Uhr / Lesedauer: 2 min
Christina Honsels Höhenflug in Schweden

Silber hinter der Topfavoritin - Christina Honsel feierte bei der U23-EM in Schweden einen großen Triumph. © Ralf Görlitz

Als sie eine der größten Überraschungen der U23-Europameisterschaften geschafft hatte, konnte Christina Honsel es selbst lange nicht glauben. „Es fühlt sich alles noch irgendwie surreal an“, sagte sie. Doch rund 300 Nachrichten auf ihrem Handy halfen der Hochspringerin aus Dorsten, zu realisieren, was sie da am Samstag im schwedische Gävle geschafft hatte.

Mit übersprungenen 1,92 m holte die Dorstenerin, die seit 2017 für die LG Olympias Dorsten startet, völlig unerwartet EM-Silber. Nur Ausnahmespringerin Yuliya Levchenko aus der Ukraine war besser. Alle anderen ließ die 22-Jährige trotz zum Teil deutlich besserer Meldeleistungen hinter sich.

Eigene Bestmarke erneut gesteigert

Honsel war mit einer persönlichen Bestleistung von 1,90 m in den Wettkampf gegangen. Gesprungen in der Halle. Doch mit einer Verbesserung der eigenen Bestmarke um satte acht Zentimeter zeigte ihr Formkurve nach einem Jahr der Verletzungen und Rückschläge ganz entschieden nach oben. Dass sich dieser Trend in Gävle fortsetzte, kam für sie selbst aber trotzdem überraschend.

„Brigitte (Kurschilgen, ihr Trainerin bei der LG Olympias Dortmund, Anm.d.Red.) und ich haben vorher gesagt: Bis 1,85 m wollen wir alles im ersten Versuch schaffen, dann sind wir gut dabei“, sagte Honsel kurz nach dem Wettkampf noch immer ein wenig fassungslos, „aber dass das dann auch so läuft ... Und dass ich 1,89 m noch im dritten Versuch springe ...“

Nur bei 1,89 m gewackelt

Die 1,89 m waren die einzige Höhe gewesen, bei der die Deutsche gewackelt hatte. Doch anschließend übersprang sie sie die 1,92 m wieder im ersten Versuch. „Das war Gänsehaut pur“, sagte sie.

Die Höhe bedeutete für Honsel neue persönliche Bestleistung, und weil anschließend sie und alle Konkurrentinnen um die Silbermedaille an den 1,95 m scheiterten, entschied die saubere Reihe an Erstversuchen über die vorangegangenen Höhen am Ende zugunsten der jungen Dorstenerin.

Finaleinzug war das Ziel gewesen

„Eigentlich dachte ich, dass die Plätze für die Top-Drei vergeben sind und dass ich da selbst mit Bestleistung keine Chance habe. Brigitte hat immer nur zu mir gesagt: Weiter so, mach weiter so!“, meinte Honsel nach der Siegerehrung. Ihr primäres Ziel bei der Europameisterschaft war der Einzug ins Finale gewesen. Danach hatte sie ihr Bestes geben wollen. In der Meldeliste hatte sie mit ihrer bisherigen Bestleistung von 1,90 m auf dem sechsten Platz gelegen. Das Ergebnis von Gävle bestätigte sie aber in ihrer Prognose, dass bei einer Europameisterschaft auch die Nerven eine Rolle spielen. Für Honsel war es − abgesehen von einem Länderkampf NRW gegen die Niederlande − der erste internationale Einsatz überhaupt. Die nervliche Belastung spielte für die 22-Jährige aber offensichtlich keine Rolle. Lediglich gegen die Klasse von Yuliya Levchenko war kein Kraut gewachsen. Sie übersprang nach den 1,92 m auch noch die 1,95 m und die 1,97 m im ersten Versuch. Erst bei 2,00 m war für die neue U23-Europameisterin Schluss. Christina Honsel konnte es egal sein. Sie hatte ihre Medaille, mit der sie im Vorfeld nie und nimmer gerechnet hatte.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt