Corona: Dorstens Vereine machen Lockerungsübungen

mlzDer Wiedereinstieg

Endlich wieder Sport! Das haben sich am Mittwoch auch Dorstens Sportler gedacht. Inzwischen sind sie bei der Frage nach dem Wie angekommen. Egal ob unter freiem Himmel oder in der Halle.

Dorsten

, 10.05.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Mittwoch weitreichende Lockerungen für den Sportbereich verkündete, stieß er damit natürlich bei der überwiegenden Mehrheit auf offene Ohren. Nur wenige dachten gleich an die Probleme, die damit verbunden waren. Einer von ihnen war Dorstens Sportkoordinator Michael Maiß.

Zusammen mit Bürgermeister und Sportdezernent Tobias Stockhoff sowie anderen Verwaltungsmitarbeitern kam Maiß am Donnerstagmorgen zu dem Schluss, dass die von Laschet versprochene Öffnung der Sporthallen an diesem Montag in Dorsten nicht umzusetzen sei (wir berichteten). Stattdessen will die Stadt zusammen mit den Vereinen ein Konzept entwickeln, wie die vorgeschriebenen Hygiene-Maßnahmen umgesetzt werden können, wenn am 30. Mai der Hallensport generell auch für Kontaktsportarten wieder erlaubt werden soll.

“Großteil der Vereine zeigte Verständnis“

Das Telefon des Dorstener Sportkoordinators stand verständlicherweise nicht mehr still. Der Großteil der Vereine habe aber Verständnis für die Haltung der Stadt gezeigt, erklärte Michael Maiß: „Die Hallensportler hatten natürlich gehofft, dass auch sie am Montag loslegen könnten. In den meisten Gesprächen ging es aber schon darum, wie die Hygiene-Maßnahmen überhaupt aussehen müssen.“

Grundsätzlich hätten es die Vereine begrüßt, dass das Konzept gemeinsam von Stadt und Sportlern entwickelt werden soll. Es gäbe aber noch „viele Fragezeichen. Antworten“, so Maiß, „wird es im Laufe dieser Woche geben“.

Naturgemäß sind bei diesem Prozess einige Vereine weiter als andere. Marco Stepka, 2. Vorsitzender des des TTV Hervest-Dorsten, war zwar überrascht, dass die Ankündigungen der Landesregierung in Dorsten noch nicht umgesetzt werden, erklärte aber auch: „Ein Reinigungskonzept muss natürlich da sein.“

Schwierigkeiten sieht Stepka später auch bei der Trainings-Logistik: „Wegen der Größe des Vereins denken wir darüber nach, in zwei Trainingsblöcken am Dienstag und Freitag zu arbeiten.“

Jetzt lesen

Hartmut Reckelkamm von den Handballern des VfL Rot-Weiß Dorsten zeigte sich „total überrascht von der Schnelligkeit und der Masse der Öffnungen. Der Deutsche Handball-Bund hatte ein Programm entwickelt, das einen Wiedereinstieg in acht Stufen vorsah und auf Juli abzielte“.

Neben den Hygiene-Aspekten sieht er auch beim sportlichen Teil des Trainingsbetriebes Probleme: „Wir haben in der weiblichen C- und B-Jugend 23 Spielerinnen. Wenn wir da nur in Kleingruppen trainieren dürfen, wo soll ich da den Schnitt machen?“

Mit ähnlichen Fragen beschäftigen sich auch die Basketballer der BG Dorsten. Allerdings sind sie schon einen Schritt weiter. Am Wochenende will die BG einen Trainingsplan veröffentlichen, der je eine Trainingseinheit pro Mannschaft und Woche vorsieht – und zwar auf der Freianlage hinter der KIA Baumann Arena.

Dort hat die Stadt Dorsten die vor einigen Wochen abmontierten Ringe wieder angebracht, sodass zwei komplette Spielfelder zur Verfügung stehen. Oder auch nicht.

„Als ich am Freitagmittag dort vorbei fuhr, war die Anlage schon gut besetzt“, berichtet Lena Kemper. „Was wir dann machen, wenn wir trainieren wollen, wissen wir noch nicht. Wir haben ja keinen Rechtsanspruch auf die Anlage.“

Auch der Trainingsbetrieb ab dem 30. Mai in der Halle müsse anders strukturiert werden: „Wir werden ja etwas mehr Platz für die einzelnen Gruppen brauchen.“

Bei aller Freude, dass es endlich wieder losgeht, fragt sich Kemper allerdings auch, wie viele Kinder und Jugendliche tatsächlich zum Training kommen: „Vielleicht sind die Eltern da ja doch noch zurückhaltend.“

Corona-Schutzmaßanhemn auf Freiluft-Sportanlagen

Für die Nutzung der städtischen Sportanlagen gelten selbstverständlich weiter die Vorsichtsmaßnahmen , die dieser Aushang auflistet. © Andreas Leistner

Bis dahin leistet die BG aber erst einmal Nachbarschaftshilfe. Zwei Streetball-Körbe, die sie nicht benötigen, leihen die Dorstener dem BSV Wulfen aus. Der hat damit und mit zwei weiteren mobilen Körben an der Wittenbrinkschule und auf einem Tartanfeld hinter der Gesamtschulhalle Möglichkeiten geschaffen, um ebenfalls ab heute Freilufttraining anbieten zu können.

Genau wie die BG natürlich nach den vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen, die der BSV auf seiner Homepage ausführlich darlegt. Parallel zu den Trainingseinheiten mit einem (eigenen) Ball pro Spieler bietet der BSV Athletikeinheiten und Jogging an. „Damit die Kids wieder was zu tun haben“, sagt Vorsitzender Christoph Winck. Wie Lena Kemper ist auch er zuversichtlich, dass sein Verein die Hygienemaßnahmen in den Sporthallen stemmen kann.

TSZ Royal legt wieder los

Das gilt auch für die Tänzer des TSZ Royal Wulfen und ihr Trainingszentrum am Rhönweg. Hier darf schon ab heute wieder trainiert werden, und der Verein hat selbstständig ein Hygienekonzept erstellt, nach dem der Schutz der Sportler gewährleistet werden soll. Klären mussten Vorstand und Trainer nur noch, wie denn das Training selbst aussehen kann.

Denn auch für die Tänzer gilt bis zum 30. Mai noch die Abstandsregel von 1,50 m.

Fußballer trainieren auf Abstand

Genau wie für die Fußballer. Doch natürlich können die das verschmerzen, schließlich dürfen sie als Freiluftsportler schon jetzt wieder ihrem Hobby nachgehen – wenn auch mit Abstand und ohne Duschen. Beim 1. SC Blau-Weiß Wulfen fällt der heiß ersehnte Startschuss heute um 16 Uhr mit der ersten Trainingseinheit der F2-Junioren.

„Wir haben überlegt, ob wir gleichzeitig auf dem Rasen und dem Kunstrasen trainieren lassen“, erzählt Manfred Badde, Geschäftsführer der Wulfener Jugendabteilung, doch der Vorstand habe sich dagegen entschieden: „Die Jungs sind doch alle heiß auf den Kunstrasen. Dann sollen sie jetzt auch alle drauf trainieren.“ Nacheinander und mit einer Viertelstunde Pause zwischen jeder Gruppe.

Lesen Sie jetzt