Was bedeuten die Lockerungen nun für den Kontaktsport?

Amateursport

Ist die Rückkehr in den Spielbetrieb im Kontaktsport im September möglich? Nach den jüngsten Lockerungen der Corona-Schutzverordnung sehen viele es so. Allerdings längst nicht alle.

Dorsten

, 13.06.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Hans-Otto Matthey

Hans-Otto Matthey, Vorsitzender des Fußballkreises Recklinghausen, sieht den Weg zu Turnieren noch nicht wieder frei. © Olaf Krimpmann

Ab Montag ist Kontaktsport unter freiem Himmel wieder mit bis zu 30 Personen erlaubt, in den Sporthallen mit maximal zehn. Das hat Nordrhein-Westfalens Landesregierung am Donnerstag verkündet.

Ist also der Weg frei für Testspiele, Turniere und Meisterschaften? Grundsätzlich ja, bestätigt die Staatskanzlei NRW auf Nachfrage. „Allerdings empfehlen wir jedem Veranstalter, ob Sportverband oder einzelner Verein, sich vorher mit dem zuständigen Ordnungsamt in Verbindung zu setzen und eventuelle Auflagen abzuklären.“

Willy Westphal, Vorsitzender des Fußballkreises Ahaus/Coesfeld, sieht ab Montag auf jeden Fall wieder viele Möglichkeiten für die Fußballer.

„Ich muss die neue Verordnung erst einmal gänzlich verarbeiten und Rücksprache mit dem Verband halten, um endgültige Aussagen treffen zu können“, sagte Westphal am Freitagmorgen. Aus seiner Sicht spreche aktuell aber nichts dagegen, dass der Fußballkreis ab der kommenden Woche für Testspiele wieder Schiedsrichter stellen werde. „Wenn die Vereine spielen wollen und die Bedingungen einhalten, würden wir unserer Rolle als Serviceleister sicherlich nachkommen.“

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Auch Turniere werde der Fußballkreis dann wieder genehmigen. Allerdings trage jeder Verein als Veranstalter die Verantwortung für die Durchführung. Die Corona-Schutzverordnung verbietet ausdrücklich Sportfeste und ähnliche Veranstaltungen bis einschließlich 31. August. Grundsätzlich erlaubt sie aber bis zu 100 Zuschauern das Betreten einer Sportanlage „bei sichergestellter einfacher Rückverfolgbarkeit“.

Das heißt: Alle Spieler, Schiedsrichter, Trainer und Zuschauer müssten mit Name, Adresse und Telefonnummer erfasst werden. Vorausgesetzt sind außerdem immer die „Vorkehrungen zur Hygiene, zum Infektionsschutz, zur Steuerung des Zutritts und zur Gewährleistung eines Mindestabstands von 1,5 Metern“, wie es in der Schutzverordnung heißt.

So weit der Fußballkreis Ahaus/Coesfeld. Im Kreis Recklinghausen oder der Stadt Dorsten schießen die Preußen dagegen deutlich langsamer.

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„Für mich hat nach wie vor die Deadline 31. August Gültigkeit“, erklärte Kreisvorsitzender Hans-Otto Matthey auf Nachfrage unserer Redaktion. Vorerst werde es vom Kreis keine Genehmigung für Turniere oder gar Stadtmeisterschaften geben. „Wir öffnen noch nicht“, sagte Matthey, „das können die Vereine noch gar nicht leisten.“

Am Donnerstag habe sich der Kreisvorstand umgehend mit den Lockerungen beschäftigt, am Dienstag werde man erneut zusammenkommen, teilte der Kreisvorsitzende mit. Im Fokus stehe aber dabei ein anderes Thema: „Wir müssen erst einmal die Rückmeldungen der Vereine zur kommenden Saison haben. Was die Staffeleinteilung betrifft, befinden wir uns noch im Stadium der Spekulation. Das müssen wir als erstes hinkriegen.“

Verschließen will sich der Recklinghäuser Kreisvorsitzende dem verständlichen Wunsch der Spieler und Vereine zurück zur Normalität aber natürlich nicht: „Wenn die Politik entsprechende Signale gibt, sind wir sofort dabei. Aber nur dann.“

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Für die Stadt Dorsten war der Termin der Bekanntgabe der neuesten Lockerungen an Fronleichnam denkbar ungünstig. Aus organisatorischen Gründen werde sich die Verwaltung erst am Montag beraten können, welche Auswirkungen die Landes-Maßnahmen auf die Dorstener Gegebenheiten in den Sporthallen und auf den Sportplätzen haben werden.

Gelassen nahm auch Christoph Winck, Vorsitzender des BSV Wulfen, die Nachricht von den neuen Lockerungen zur Kenntnis. „Bei uns haben bei gutem Wetter viele Mannschaften lieber draußen trainiert, obwohl sie schon wieder in die Halle gedurft hätten“, erklärte Winck, „ich gehe davon aus, dass auch jetzt nicht alle sofort wieder in die Halle drängen. Schließlich haben die Mannschaften zum Teil mehr als zehn Spieler.“

“Der 5. Juli ist spannender“

Die aktuelle Öffnung der Hallen für Kontaktsport mit bis zu zehn Sportlern sei „ein weiterer Schritt Richtung Normalität“. Spannender sei für die Basketballer aber, wie die Situation am 5. Juli aussehe: „An diesem Tag will der Westdeutsche Basketball-Verband entscheiden, ob die Saison 2020/21 Ende August/Anfang September beginnen kann oder ob man bis nach den Herbstferien warten muss.“

Dass sich Willy Westphal als Spielleiter des Ahaus/Coesfelder Fußball-Kreispokals der Männer konkrete Gedanken über die Fortsetzung des Wettbewerbs 2019/20 macht und die Vereine fragen will, ob sie sich Spiele noch vor den Sommerferien oder erst danach vorstellen können, erscheint da wie eine Nachricht aus einem anderen Land.

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