So trainieren Dorstens Tri Ducks in der Coronakrise

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In vielen Sportarten ist der Ligenbetrieb wegen Corona ausgesetzt oder bereits beendet. Die Saison der Triathleten hat noch gar nicht begonnen − und ist wohl doch ebenfalls schon vorbei.

Dorsten

, 25.04.2020, 12:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bernhard Fellner, Triathlet in Reihen der Tri Ducks Dorsten, bedauert deutlich hörbar: „Die Veranstaltungen werden nach und nach abgesagt. Beispielsweise finden der Triathlon in Gladbeck am 10. Mai und der Ironman in Roth im Juli nicht statt.“

Mit drei Mannschaften wollten die Tri Ducks in der Verbandsliga Männer, der Landesliga Männer und der Regionalliga Frauen an jeweils vier Wettbewerbstagen in diesem Jahr an den Start gehen. Fellner: „Über den Ligabetrieb ist noch nicht endgültig entschieden. Aber ich gehe davon aus, dass ein Verschieben der Termine, die seit Anfang des Jahres feststehen, nicht möglich ist.“

Denn vor jedem Wettbewerb ist eine Menge an Organisationsarbeit und Absprachen zu leisten, wie Fellner erläutert: „Das geht nicht einfach so locker.“

Dabei hatten Bernhard Fellner und seine Ehefrau Sylvie schon lange mit dem Training für die bevorstehende Saison begonnen. Am 1. März kehrten die beiden sympathischen Triathleten von einem Trainingslager auf Lanzarote zurück, bevor der Flugbetrieb wegen des Corona-Virus‘ gravierend eingeschränkt wurde. Und wie geht es mit dem Training weiter, wenn überhaupt? Fellner antwortet schmunzelnd: „Wir können ja die Füße nicht stillhalten.“ Und so werden Laufeinheiten mit maximal zwei Personen absolviert, ebenso wie Radfahren in der freien Natur im Umkreis von 50 Kilometern - was jedoch mit Blick auf die allgemeinen Einschränkungen wegen der Corona-Krise laut Fellner etwas zwiespältig ist.

Sylvie Fellner, Tri Ducks Dorsten

Einen kompletten Triathlon wie Weltmeister Jan Frodeno kann Sylvie Fellner in der eigenen Wohnung nicht bestreiten. Aber Radfahren auf der Rolle - das geht. © Privat

Zum Triathlon gehört aber nun mal noch die dritte Disziplin: Schwimmen - wie sieht es trainingstechnisch damit aus? Bernhard Fellner nimmt es mit Humor: „Am Sonntag vor einer Woche wollten wir schon in den Kanal springen. Aber ich habe vorsichtshalber vorher die Wassertemperatur gemessen - und 11 Grad sind einfach zu kalt, selbst wenn man einen Neoprenanzug anhat.“ Und über einen Pool mit Gegenstromanlage im privaten Bereich verfügen die Dorstener Triathleten nicht. Fellner: „Also warten wir, bis wir endlich in den Kanal können.“

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Olympiasieger Jan Frodeno, der 2008 in Peking Gold und drei Mal den Ironman auf Hawaii gewann, hat in seinem Heim im spanischen Girona dagegen eine derartige Trainingsmöglichkeit mit Gegenstromanlage. Und nutzte diese sowie ein Rennrad „auf Rolle“ und ein Laufband, um einen Triathlon mit 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42,195 Kilometern Laufen zu Hause zu absolvieren.

Für einen guten Zweck, denn rund 200.000 Euro kamen an Spenden für diese Aktion überwiegend zugunsten der Direkthilfe an Einrichtungen in Girona zusammen.

Bernhard Fellner: „Die Aktion fand ich sehr gut und seine absolvierte Gesamtzeit von 8:33:33 Stunden war unter den gegebenen Umständen äußerst respektabel.“ Und bedauernd fügt Fellner an: „Er darf in Spanien aber gar nicht raus, wir können uns hier also nicht beschweren.“

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Laufen geht also im Dorstener Umkreis und über ein Rennrad „auf Rolle“ verfügen die Fellners auch. Eigentlich ein Rad mit Direktantrieb, wie Bernhard Fellner erläutert: „Damit können Berge und Streckenprofile simuliert werden. Das steht schön im heimischen Wohnzimmer - wir schauen nicht so viel fern, das passt dann.“

Veranstalter von Roth zeigt eine nicht alltägliche Geste

Sylvie Fellner hatte bereits für den Ironman in Roth im Juli gemeldet und dafür trainiert, ebenso wie Heiko Tewes, Arndt Henkel und auch Udo Verholt von den Lippe Piraten. Der Termin ist abgesagt, doch seit letzter Woche kann bereits für den Rother Ironman 2021 gemeldet werden. Das haben alle selbstredend schon getan - und Sylvie Fellner hat aufgrund ihrer schnellen Anmeldung seitens des Veranstalters die Garantie bekommen, in den nächsten zehn Jahren drei Mal über die Langdistanz starten zu dürfen. Eine sicher nicht alltägliche Geste.

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Ihr Ehemann zeigt Verständnis für die Nöte der Veranstalter am Beispiel des Ironman Frankfurt, der Ende Juni stattfinden sollte: „Man tut sich schwer, einen Ersatztermin zu finden. Es geht schließlich um Kosten in Millionenhöhe.“ Neben Organisationsarbeit und Absprachen im Vorfeld.

Auch für die Probleme des Nordrhein-Westfälischen Triathlon-Verbandes zeigt Bernhard Fellner Verständnis: „Der hat die gleichen Sorgen, wenn es keinen Ligenbetrieb in NRW geben sollte. Das sind locker 60 Veranstaltungen, die im Ligabetrieb nicht stattfinden. Zudem leidet die Organisation. Der Verband beschäftigt zwei Mitarbeiter, die Miete läuft weiter. Das wird bei fehlenden Einnahmen dann irgendwann problematisch, ein ‚Einfach-Weiter-So‘ geht dann nicht.“

“Man braucht Perspektiven“

Bernhard Fellner zieht dennoch bei all‘ den recht düsteren Aussichten ein aufmunterndes sportliches Fazit: „Man braucht Perspektiven und muss die Motivation hochhalten. Vielleicht können wir im September ja die eine oder andere Veranstaltung noch mitmachen.“ Denn die Füße stillhalten, das können die Dorstener Triathletinnen und Triathleten ja nicht.

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