Freude ist das Erfolgsgeheimnis von Norman Hermanski und Sandra Kornfeld

mlzDas Sportporträt

Sie hatten 20 Jahre Pause gemacht und wollten nur zum Spaß wieder tanzen. Doch dann schafften Norman Hermanski und Sandra Kornfeld in vier Monaten das, wozu andere Paare Jahre brauchen.

Schermbeck

, 01.03.2019, 11:50 Uhr / Lesedauer: 4 min

„Die haben uns vergessen“, vermutete Norman Hermanski. Bei der Siegerehrung der Deutschen Meisterschaft im Discofox der A-Klasse wurden er und seine Partnerin Sandra Kornfeld einfach nicht aufgerufen. Nicht als Sechste, nicht als Fünfte, nicht als Vierte und nicht als Dritte. Als es schließlich hieß „Platz und Silber“, da schauten sich der 45-jährige Distributionsmanager und die 44-jährige Grundschullehrerin nur ungläubig an. Deutscher Vizemeister? Wir? Unmöglich! Denn hinter den beiden lag eine gerade mal viermonatige Erfolgsgeschichte.

Sandra Kornfeld hatte als Vierjährige mit dem Tanzen angefangen. Ballett. Mit 13 folgte der obligatorische Tanzschulkurs und später startete im Lateinbereich für den TC Royal Oberhausen. „Aber mit 20“, sagt sie, „war erst mal wieder Schluss mit tanzen.“

Norman Hermanski hatte da gerade erst mit dem Tanzen begonnen. Denn eigentlich war er leidenschaftlicher Fußballer gewesen, bis ihn eine Verletzung mit 15 Jahren zum Aufhören zwang. Das Tanzen war für ihn eine sportliche Alternative, und er tanzte rund vier Jahre lang Latein im Einzel und in der Formation beim TC Hanse Wesel in der 2. Bundesliga. Doch 1998 gab auch er den Sport auf und kümmerte sich um Beruf und Familie. Erst 2016 bekam er wieder Lust auf den Tanzsport, musste aber feststellen, dass sich die Suche nach einer geeigneten Tanzpartnerin schwierig gestaltete.

Das Feeling war sofort wieder da

Ein Jahr später, 2017, besuchte Sandra Kornfeld ein Formationsturnier und das Feeling war sofort wieder da. „Mir war klar: Jetzt muss ich wieder“, erzählt sie. Auf Tanzbörsen suchte sie nach einem Partner. Eine schwierige Suche: „Norman war der erste passende Kandidat“, erinnert sie sich. Doch bei einem ersten Treffen zum Tanztraining in Wesel hat es beim Discofox sofort gefunkt. Die Chemie passte und beide sagen: „Wir konnten sofort zusammen tanzen.“

Norman Hermanski und Sandra Kornfeld merkten schon beim ersten Training: "Wir können zusammen tanzen."

Norman Hermanski und Sandra Kornfeld merkten schon beim ersten Training: "Wir können zusammen tanzen." © Horst Lehr

Fehlte nur noch ein Trainingsort, doch den fanden der Weseler und die Velenerin auch: Ab August trainierten sie beim Tanzclub Grün-Weiß Schermbeck Hermanskis Lieblingstanz, den Discofox. Dieser Tanz hat seinen Ursprung im Foxtrott und hat sich wegen der technischen Unkompliziertheit und seiner Vielseitigkeit neben Salsa zu einem der populärsten Paartänze entwickelt. Auch Kornfeld hatte Spaß daran und nach einiger Zeit nahmen sie zusätzliche Privatstunden bei Tanztrainer Eugen Gal. Die Zusammenarbeit lief sehr gut, und zusammen wurde ein Trainingsprogramm für die beiden Vorführprogramme Quick und Slow erstellt.

“Wir wollten uns mit anderen messen“

Etwa im Mai 2018 kam bei dem Paar dann der Wunsch nach einer Standortbestimmung auf. „Wir wollten uns auch mal mit anderen Paaren messen“, erzählt Sandra Kornfeld. Ins Auge gefasst wurde der 1. TAF Seidenstädter Discofox Cup Ende August in Krefeld. Kornfeld und Hermanski präsentierten sich dort schon bei der Sichtung für die Hauptgruppe 2 in bestechender Form und wurden von den Wertungsrichtern gleich in die A-Klasse hochgestuft. Wohl der Grundstein für den späteren Erfolg, denn damit hatten sie praktisch ein ganzes Jahr Training gewonnen.

In Krefeld gab es auch Informationen zu den „German Masters“ im September in Jülich. Für die Schermbecker Tänzer war das besonders interessant weil die Veranstaltung auch gleichzeitig die Qualifikationsmöglichkeit zur Deutschen Meisterschaft bot. Da die beiden nichts zu verlieren hatten, trafen sie schnell die Entscheidung und gaben die Meldung ab.

Goldrichtige Entscheidung

Und diese Entscheidung war goldrichtig, denn wider alle Erwartungen führte der Start beim „TAF German Masters Discofox“ in Jülich mit dem dritten Platz zu einem weiteren so nicht erwarteten Erfolg. Dabei mussten Hermanski/Kornfeld sogar zunächst in die Trostrunde. Doch von dort kämpften sich beide mit Leidenschaft und Spaß am Tanz durch Zwischen- und Endrunde zum Erfolg. „Das fühlte sich für uns zuerst irgendwie unwirklich an“, erinnert sich Sandra Kornfeld. Denn damit hatten die beiden im ersten Anlauf die Qualifikation für die DM vor Augen. Was fehlte, war nur noch eine weitere Turnier-Platzierung, und die holten sich Hermanski/Kornfeld als Vierte in Duisburg

Damit war die DM gesichert und es gab im Verein bei der Trainingsvorbereitung viel Unterstützung. Zusammen mit Trainer Gal wurden wichtige Programmänderungen vorgenommen, und speziell der Quickteil wurde um etliche zusätzliche Schwierigkeitsgrade erweitert. Norman Hermanski sagt zu dieser Zeit: „Wir wollten nur zusammen das Tanzen genießen und nicht Letzter werden.“ Dann ging es am 8. Dezember zur DM nach Dormagen.

In Fußballermanier gefeiert

Anmelden, Umziehen, Aufwärmen, Präsentationsrunde. Alles lief wie immer für das Paar aus Schermbeck. Als sie die Vorrunde überstanden hatten, waren beide schon überglücklich. Mit ihrem ausdrucksstarken Programm konnten sie aber auch in der Zwischenrunde die Jury überzeugen und erlebten einen großartigen Moment als sie als Qualifizierte für das Große Finale aufgerufen wurden. In allerbester Fußballmanier rief Norman Hermanski „Finale!“ Doch es sollte noch besser kommen.

Die deutlich gezeigte Freude am Tanzen ist das große Plus, das Norman Hermanski und Sandra Kornfeld von anderen Paaren abhebt.

Die deutlich gezeigte Freude am Tanzen ist das große Plus, das Norman Hermanski und Sandra Kornfeld von anderen Paaren abhebt. © Joachim Lücke

In der Finalrunde erwischten die Schermbecker dann die stärkere Dreier-Gruppe mit den amtierenden Deutschen Meistern. Sie ließen sich davon aber nicht beeindrucken und blieben ihrem Motto treu: „Es geht nur mit Spaß.“ Den hatten die beiden, und als sie sich gegen 22 Uhr zur Siegerehrung aufstellten, rechneten sie nur mit dem sechsten, also dem letzten Platz. Doch dann folgte das beschriebene Warten. Und Warten. Und Warten. Als sie realisierten, dass sie Deutscher Vizemeister waren, fielen sich beide jubelnd in die Arme. Am Ende hatten sie nur zwei Punkte vom Titelgewinn getrennt.

Saison lief wie ein Film noch einmal ab

Bei der Übergabe von Pokal und Urkunde auf dem Podest folgte dann ein kleiner Schreck. „Ach du lieber Gott, jetzt sind wir ja aufgestiegen“, dachte Sandra Kornfeld, „dafür haben wir gar keinen Plan.“ Denn in der S-Klasse werden sie zusätzlich zum bisherigen Programm auch eine Kür zeigen müssen. Daran arbeiten die beiden inzwischen natürlich längst, doch an jenem 8. Dezember liefen auf der Heimfahrt erst einmal nur die vergangenen Monate wie ein Film an ihnen vorüber.

Die DM war für sie der krönende Abschluss einer Wahnsinnssaison gewesen. Ihr Fazit fällt natürlich rundum positiv aus: „Erfolg ist nicht immer planbar, aber wir wollen einfach weiter machen“, sagt Sandra Kornfeld. Das größte Plus der beiden ist dabei wohl ihre persönliche Begeisterung für ihren Sport. Die erkannte auch beim Turnier in Duisburg auch ein Tänzer aus der S-Klasse. Er kam nach ihrem Vortrag spontan auf sie zu sagte: „Ihr beide seid die einzigen, die hier wohl so richtig Spaß haben.“

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