Lockdown kommt manchmal auch gelegen

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Corona macht zwischen erster und zweiter Liga einen klaren Unterschied. Zwei Dorstener Fußballerinnen erleben das in diesen Tagen und Wochen hautnah.

von Ralf Weihrauch

Dorsten

, 13.11.2020, 11:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zwei Dorstener Fußballerinnen haben den Weg in die höheren Ligen geschafft und gehen dort auf Punktejagd. Dörthe Hoppius spielt beim SC Sand in der 1. Bundesliga, und Sarah Grünheid stürmt für den Zweitligisten Arminia Bielefeld. In Corona-Zeiten gelten für die zwei unterschiedliche Regelungen.

Für Dörthe Hoppius gibt es in Baden-Württemberg keine Corona-Pause. Die 24-Jährige ist Vollprofi und die Hygieneregelungen sind durchaus mit denen bei den Männern zu vergleichen: „Wir werden zwei Mal in der Woche getestet, um alle Risiken auszuschließen.“ Dennoch war Hoppius eine Zeit lang in Quarantäne. Die Mitspielerin Laura Kovacs wurde nach einem Spiel für die ungarische Nationalelf positiv getestet, sodass Hoppius einige Tage nicht die Wohnung verlassen durfte: „Das war schon komisch, aber glücklicherweise habe ich Freunde, die für mich den Einkauf erledigten.“

Zuschauer fehlen sehr

Die Zwangspause dauerte aber nicht lange, sodass lediglich ein Pokalspiel gegen den Regionalligisten Elversberg/Göttelborn ausfiel. Mittlerweile findet das Training wieder in voller Besetzung statt.

Die Frauen-Bundesliga geht ohne Unterbrechung weiter, allerdings dürfen keine Zuschauer mehr zu den Spielen kommen. Das sei schon eine komische Situation, sagt Hoppius: „Bei uns sind im Schnitt 700 Zuschauer bei den Heimspielen. Die Gesänge des Fanblocks, der mit Kuhglocken viel Alarm macht, fehlen mir und der Mannschaft sehr.“

Auf die Motivation hat die gewöhnungsbedürftige Atmosphäre aber keinen Einfluss: „Bei uns ist schon im Training viel Feuer, manchmal sogar mehr als im Spiel. Wir haben alle eine große Leidenschaft für den Fußball, sodass wir immer alles geben – egal ob mit Zuschauern oder ohne.“

Finanzielle Einbußen hat Hoppius, die beim BVH Dorsten mit dem Fußball begann, nicht: „Der Spielbetrieb findet ja statt. Zudem arbeite ich auch noch bei einem der Sponsoren, sodass alles ganz normal weitergeht.“

Sand hat noch Luft nach oben

Sportlich läuft es für Dörthe Hoppius noch nicht ganz so gut. Der SC Sand steht mit zwei Siegen aus sechs Spielen auf dem zehnten Rang, hat aber immerhin vier Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz: „Ich bin mir aber sicher, dass wir bald weiter nach oben kommen, und ich hoffe auch, dass es im Pokal besser klappt als im letzten Jahr.“

Da hat es nämlich im Viertelfinale eine Niederlage gegeben, an der Sarah Grünheid maßgeblich beteiligt war. Die Hervesterin schoss beim 3:2-Erfolg von Arminia Bielefeld gegen den SC Sand alle drei Tore und war für eine der ganz großen Pokalüberraschungen verantwortlich.

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Gerade ist der Frauenfußball in der 2. Bundesliga auf Eis gelegt. Da die Liga aber in zwei Neuner-Staffeln spielt, wird es keine Terminnot geben, glaubt Grünheid.

Im Moment genießt die 30-Jährige die fußballfreie Zeit. Seit Mitte August sind sie und ihre Ehefrau Tanja, mit der sie seit zweieinhalb Jahren verheiratet ist, Eltern der Zwillinge Louisa und Phil: „Da ich gerade in der Elternzeit bin, nutze ich die Zeit, um mich um die Kinder zu kümmern.“ Tanja Grünheid spielt ebenfalls für Arminia Bielefeld und befindet sich schon wieder im Lauftraining, sodass die beiden sogar bald wieder in einer Mannschaft spielen könnten.

Grünheid ist anders als Hoppius kein Vollprofi: „Ich habe eine volle Stelle und spiele bei der Arminia als Vertragsamateurin.“ Beim ersten Lockdown habe die Arminia die Bezüge in voller Höhe weitergezahlt: „Wir bekommen nicht so viel Geld, sodass der Verein wohl auch nun nichts abziehen wird.“

Sie hofft nun, dass die Saison wie geplant am 13. Dezember mit dem Spiel beim VfL Wolfsburg fortgesetzt wird. Dieses Match ist sehr wichtig, denn die Wolfsburgerinnen sind wie die Arminia noch ohne Punkt. Das passt Sarah Grünheid natürlich gar nicht: „Wir haben dreimal verloren, davon zweimal unnötigerweise mit 0:1.“ Lediglich das 1:5 gegen Gütersloh, bei dem Grünheid das einzige Saisontor der Arminen schoss, sei verdient gewesen.

Vielleicht noch mal erste Liga

Die Stürmerin zieht es durchaus in Betracht, noch einmal in die erste Liga zu wechseln: „Ich hatte im Sommer einige Offerten von Erstliga-Clubs. Wegen Corona und natürlich wegen der Kinder habe ich die Angebote ausgeschlagen. In der kommenden Saison könnte ich mir aber vorstellen, bei einem Erstligisten in der Region zu spielen.“

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